Test Beamer
: Thomson Vega – Google TV zum Mitnehmen

Im Test: Der portable Beamer Vega PG35B von Thomson sorgt auch unterwegs für großes Kino.
Von
Stefan Klug
Frankfurt (Oder)
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Beamer to go: Der Thomson Vega PG35B ist wie geschaffen für den mobilen Einsatz.

Beamer to go: Der Thomson Vega PG35B ist wie geschaffen für den mobilen Einsatz.

Thomson
  • Der Vega PG35B von Thomson ist ein tragbarer Full-HD-Beamer mit Akku und Google TV.
  • Er eignet sich für flexible Einsätze wie Balkonabende, Camping oder Reisen.
  • Die Bildqualität überzeugt in dunklen Umgebungen, bei Tageslicht ist Abdunkeln nötig.
  • Der Beamer bietet Streaming-Apps, HDMI, USB und Bluetooth – kein Streaming-Stick nötig.
  • Schwächen: begrenzte Helligkeit, mäßiger Kontrast, ordentlicher, aber kompakter Klang.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Tragbare Projektoren haben sich klammheimlich von einer Spielerei zur ernstzunehmenden Gerätekategorie entwickelt. Zwischen fest verschraubtem Heimkino-Beamer, schwerem Wohnzimmer-TV und kleinem Notebook-Display schummeln sie sich als flexible Zwischenlösung ins Bild. Klein genug für Rucksack und Handgepäck, groß genug für ein ordentliches Bild und smart genug, um ohne Kabelsalat und Zusatzboxen auszukommen. Genau hier fühlt sich der Thomson Vega PG35B zu Hause: ein Full-HD-Beamer mit Akku und Google TV, der weniger nach „Bitte im Keller installieren“ ruft, sondern nach Balkonabend, WG-Couch, Campingstuhl und Ferienhaus-Sofa.

Der typische Lebensraum eines solchen Geräts ist schnell umrissen. Er taucht am Abend im Wohnzimmer auf, steht am Wochenende auf dem Gartentisch, landet dann im Zelt oder wandert ins Hotelzimmer, um dort die Seriennacht zu retten. Wer linearem TV abschwört, häufiger umzieht, gemeinschaftlich wohnt oder ein Zweitgerät für Urlaub und Gästezimmer sucht, stolpert früher oder später ziemlich automatisch über diese Art Projektor.

Beamer to go - Gewicht vs. Optik

Die Einschränkung ist der Formfaktor: Was beim Gewicht begeistert, fehlt später ein wenig bei Optikgröße, Kühlung und Lautsprechervolumen. Tragbare Beamer dieser Liga zielen klar auf Flexibilität und Komfort – nicht auf die letzte Nuance Kontrast im abgedunkelten High-End-Kino. Wir haben den kleiner Kerl mal ordentlich rangenommen um zu sehen, wo dessen Stärken sind, aber auch wo er schwächelt. Hier unsere Test-Erkenntnis.

Auf den ersten Blick erinnert der Vega PG35B eher an einen etwas ambitionierten Bluetooth-Lautsprecher als an einen Projektor. Die Kantenlänge bewegt sich im Zehn-Zentimeter-Bereich, das Gewicht irgendwo bei einer guten Tafel Schokolade plus ein paar Reserven. Das ist im Alltag Gold wert, denn das Gerät verschwindet problemlos in Rucksack oder Weekender. Das Gehäuse besteht aus robust wirkendem Kunststoff, optisch zurückhaltend, haptisch vertrauenerweckend. Der beigelegte Hartschalenkoffer verstärkt den Eindruck, dass der Beamer tatsächlich to go gedacht ist – nicht als Dekoobjekt fürs Lowboard. Dazu kommt ein kleiner, flexibler Standfuß, der das typische „stapel das mal auf drei Büchern und einem Brett“-Problem elegant umgeht.

Vega

Vega PG35B. Dank gutem  Seitenverhältnis sind auch unterwegs große Bildschirm-Diagonalen möglich.

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Innen arbeitet ein 1-Chip-DLP-System mit LED-Lichtquelle, das natives Full HD mit 1.920 x 1.080 Pixeln projiziert. Anders als viele extrem günstige Mini-Beamer, die technisch deutlich darunter liegen und das Bild nur hochrechnen, gibt der Vega die Auflösung tatsächlich her. Das fällt spätestens dann auf, wenn Schrift oder UI-Elemente auf Streaming-Oberflächen klar und sauber abgezeichnet sind und nicht wie mit einem Weichzeichner behandelt wirken. Die LED-Technik bringt neben Energieeffizienz eine fast schon langweilige Zuverlässigkeit mit: Lampenwechsel stehen nicht auf dem Programm, die Lebensdauer reicht mit 30 000 Stunden für viele Jahre Filmabende und Serienmarathons.

Bei der Bildgröße zeigt sich der mobile Charakter von seiner angenehmen Seite. Mit einem Abstand von rund zwei Metern zur Wand landet die Diagonale bereits im Bereich deutlich jenseits üblicher Fernseher, nach oben geht es – je nach Raum – bis etwa 100 Zoll, was rund 2,7 Metern entspricht. Das Projektionsverhältnis ist mit 1,2:1 so gewählt, dass sich auch in kleineren Zimmern ohne Turnhallen-Flair eine überzeugende Bildgröße realisieren lässt. Die Kehrseite taucht bei der Helligkeit auf: Der Vega spielt klar in der Liga der Freizeit- und Outdoor-Beamer, die im Dunkeln richtig aufdrehen und bei Tageslicht höflich um Abdunklung bitten. In einem hellen Wohnzimmer wirkt das Bild schnell milchig, sind alle Schotten dicht, entstehen hingegen stimmige Farben und eine anständige Durchzeichnung, solange es nicht zu extrem dunklen Filmszenen kommt. Schwarztöne bleiben eher dunkelgrau, was für die Zielgruppe verschmerzbar sein sollte, für anspruchsvolle Heimkino-Puristen aber höchstens als Kompromiss durchgeht.

Vega PG35B - Alle wichtigen Streamer an Bord

Beim „Gehirn“ des Geräts geht Thomson in die Vollen. Im Vega sitzt eine vollwertige Google-TV-Plattform, also die moderne Variante von Android TV. Der interne Prozessor, flankiert von ausreichend Arbeitsspeicher, hält das Menü flüssig genug, um nicht ständig das Gefühl zu vermitteln, im Jahr 2012 hängen geblieben zu sein. Netflix, Prime Video, Disney+, Apple TV, YouTube und Co. stehen ganz regulär bereit, Apps werden über den Play Store installiert, Updates laufen wie bei einem Smart-TV. Ein separater Streaming-Stick ist damit überflüssig, was unterwegs ein HDMI-Gerät weniger im Gepäck bedeutet. HDR-Signale werden unterstützt, aber eher brav verarbeitet als spektakulär inszeniert – der begrenzte Kontrast lässt dafür schlicht nicht genügend Luft nach oben.

Die Anschlusssektion ist pragmatisch gehalten. HDMI nimmt Konsole, Blu-ray-Player oder Laptop entgegen, USB erlaubt das Abspielen lokaler Medien und dient im Zweifelsfall als Stromspender. Der Kopfhöreranschluss rettet auch ältere Lautsprecher oder kabelgebundene Kopfhörer ins mobile Beamerzeitalter. Funkseitig ist der Projektor mit Dual-Band-WLAN und Bluetooth unterwegs, was für Streaming und kabellose Audiolösungen reicht. Im Inneren steckt ein kleines 2.0-Soundsystem mit je fünf Watt pro Seite. Auf dem Papier wirkt das unspektakulär, im Alltag transportiert es Sprache und Alltagsinhalte jedoch erstaunlich souverän, solange keine Explosionen à la Actionkino unter Studiobedingungen erwartet werden.

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Vega PG35B. Flexibler Standfuß und Trageschlaufe für den mobilen Einsatz.

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Die erste Begegnung mit dem Gerät verläuft unspektakulär, was in diesem Kontext als Kompliment zu verstehen ist. Einschalten, Einrichtungsassistent starten, WLAN auswählen, Google-Konto verbinden, die üblichen Datenschutzbekundungen überstehen – fertig. Wer bereits ein Android-Smartphone oder einen Google-TV-Fernseher eingerichtet hat, erkennt den Ablauf sofort wieder. Auch ohne große Technikaffinität ist der Prozess zu bewältigen, zumal die Menüs in klarer Sprache durch die Schritte führen. Vorkenntnisse speziell im Beamer-Bereich sind überflüssig; es hilft eher, schon einmal eine Streaming-App gesehen zu haben als zu wissen, was ein Projektionsverhältnis ist.

Thomson Beamer Vega - Einmal recht dunkel, bitte

Spannend wird es bei der physischen Aufstellung. Der Vega bringt Autofokus und automatische Trapezkorrektur mit und versucht tapfer, aus „irgendwie auf den Tisch gestellt“ ein rechteckiges, scharfes Bild zu machen. In vielen Fällen gelingt das erstaunlich gut: Der Beamer wird grob ausgerichtet, das Bild springt kurz, stellt sich scharf, die Ecken werden begradigt, und nach wenigen Sekunden ist die Szene bereit für den Start der Serie. In anderen Situationen, etwa bei stark schräger Projektion oder sehr ungewöhnlichen Winkeln, lohnt ein kurzer Ausflug ins Menü, um manuell nachzuhelfen. Der Eindruck bleibt trotzdem positiv, weil der größte Aufwand automatisch erledigt wird und die Feinjustage eher in die Kategorie „optional“ fällt.

Auf die Umgebung reagiert der Vega empfindlicher als ein klassischer Fernseher, was für Projektoren allerdings normal ist. Je dunkler der Raum, desto entspannter das Bild. Abends im Wohnzimmer mit halb geschlossenen Vorhängen, im Schlafzimmer mit gutem Rollo oder im Garten nach Sonnenuntergang spielt der Projektor seine Stärken aus. Farben wirken satt, die Schärfe bleibt überzeugend, und bei Full-HD-Material entsteht ein angenehm ruhiges Bild. Eine halbwegs glatte, helle Wand reicht für spontane Einsätze völlig aus, eine Leinwand holt mehr Ruhe und Kontrast heraus und verzeiht kleine Unzulänglichkeiten der Wandstruktur. Genau an diesem Punkt merkt man, wie stark sich das „portable“ Konzept an reale Lebenssituationen anschmiegt: Leinwand im Wohnzimmer, weiße Wand im Ferienhaus, Zeltplane im Campingurlaub – der Beamer macht überall mit, solange es nicht zu hell ist. Und auch ohne Stromanschluss dank Akku für bis zu zwei Stunden.

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Vega PG35B. Flexibel in jeder Hinsicht. Projektion an die Zimmerdecke, warum nicht?

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Beim Ton verfolgt der Vega einen ähnlichen Ansatz: ordentlich, aber bewusst kompakt. Die integrierten Lautsprecher liefern klar verständliche Stimmen, Seriendialoge kommen sauber an, YouTube-Videos und Nachrichten klingen unaufgeregt, aber nicht blechern. Erst wenn viel Bass und Dynamik gefordert sind, also bei Musik oder Actionfilmen, hört man deutlich, dass hier keine HiFi-Anlage im Gehäuse steckt. Der charmante Ausweg heißt Bluetooth: Eine handliche Box oder eine Soundbar koppeln sich schnell und verfrachteten den Klang dorthin, wo mehr Volumen und Tiefgang wohnt, ohne dass dem Grundkonzept der Mobilität Gewalt angetan wird.

Vega PG35B - Ton und Lüfter ok

Die Lüfterlautstärke spielt im Alltag eine Nebenrolle, ist aber vorhanden. Wer sehr leise Inhalte in sehr ruhiger Umgebung bei geringer Lautstärke schaut, nimmt das Rauschen wahr. Bei typischer Nutzung mit normaler Lautstärke, etwas Abstand zum Gerät und Inhalten, in denen auch mal etwas passiert, rückt das Geräusch in den Hintergrund. Für einen derart kompakten Projektor ist das ein erwartbares Verhalten, das weder positiv noch negativ aus dem Rahmen fällt.

Für Gaming-Zwecke eignet sich der Vega als flexibler Zweitbildschirm, der aus einer Ferienwohnung plötzlich einen temporären Gaming-Raum macht. Eine Konsole am HDMI-Eingang, eine halbwegs vernünftige Projektionsfläche, und schon laufen Couch-Coop-Titel, Jump ‚n‘ Runs oder Rennspiele auf Großbild. Wer auf Millisekunden-Eingabeverzögerung achtet und Competitive-Shooter in Turnierlaune betreibt, wird eher bei Monitoren bleiben. Für alles, was eher auf Spaß als auf Ranglisten ausgelegt ist, reicht das Setup aber gut aus.

Vega Beamer - Zusammenfassung und Vergleich

Bleibt die Einordnung im Marktgefüge. Preislich landet der Thomson Vega PG35B mit knapp 600 Euro Listenpreis im Bereich, in dem sich viele ernstzunehmende portable Full-HD-Beamer tummeln. Darunter wimmelt es von Geräten, die mit großen Versprechen, aber oft nur HD-ready-Auflösung, fragwürdigen Bedienoberflächen oder wackeliger Verarbeitung auf Kundenfang gehen. Darüber beginnt der Bereich, in dem tragbare Projektoren deutlich mehr Lichtleistung und teilweise auch stärkeren Klang anbieten – allerdings mit größeren Gehäusen, weniger Reise-Charme und merklich höheren Preisen bis an und über 1000 Euro.

Thomason Vega PG35B - Test-Fazit

Der Vega PG35B ist ein handlicher, robuster Projektor mit echter Full-HD-Auflösung, langer LED-Lebensdauer, eingebautem Akku, aktuellem Google TV und alltagstauglichen Anschlüssen. Seine Grenzen liegen bei Helligkeit und Kontrast, beim integrierten Klang und bei der Tatsache, dass automatische Bildkorrekturen zwar helfen, aber nicht zaubern. Wer diese Rahmenbedingungen akzeptiert, erhält ein sehr vielseitiges Werkzeug für genau jene Momente, in denen ein klassischer Fernseher zu unflexibel und ein stationärer Beamer zu aufwendig ist. Der Thomsons Vega wirkt wie der Freund, der nie fragt, wo die Party stattfindet – er kommt einfach mit. Und genau das ist seine größte Stärke.

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