Vinyl Hardware Test
: TEACs Origami zum hören

Raffiniert im Aufbau sorgt beim TN-5BB viel Gewicht und vor allem original Washi-Papier für guten Klang.
Von
Stefan Klug
Frankfurt (Oder)
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TEAC TN-5BB. Japanische Handwerkskunst zum hören.

TEAC

Es ist gewissermaßen ein Kuriosum der Geschichte. TEAC, gerade 70 Jahre alt geworden, hat sich vor allem mit Tonband- und Kassetten-Geräten einen Namen gemacht. In aller Munde ist das japanische Traditionsunternehmen aber derzeit vor allem wegen des TN-5BB, dem Vorzeige-Analog-Dreher des Hauses. Bei dem sorgt auch echte fernöstliche Handwerkskunst für den guten Klang.

Ob für Origami-, Kalligrafie- oder Ukiyo-e-Gravuren - aber auch in Alltagsdingen wie Sonnenschirmen, Lampen, Schiebetüren und Shoji-Wänden - verwenden die Japaner Washi-Papier. Dessen Textur ist stärker und fester als das westliche Pendant, dazu wird es aus den Fasern lokaler Holzarten handgeschöpft. Der Herstellungsprozess ist mittlerweile als Kulturerbe der Menschheit anerkannt. Die langen Fasern des sogenannten Japan-Papiers sind aber auch für eine besonders gute Dämpfung bekannt. Etwas, worauf Vinyl-Freunde und Hersteller von Plattenspielern besonderen Wert legen.

Diese Eigenschaft wird vor allem durch viel Gewicht versucht zu erreichen. Und so setzt TEAC beim TN-5BB auf ein zweiteiliges Chassis, dessen Unterseite aus einer 36 mm starken MDF Grundplatte sowie einem 12 mm dicken Oberteil besteht. Letzteres wurde aus synthetischem Marmor gefertigt, einem mineralischen Kunstharz-Gemisch. Das sieht in seinem tiefen Schwarz mit glitzernden Einschlüssen nicht nur toll aus, sondern weist auch eine besonders hohe Steifigkeit auf. Nicht zu sehen beim doppellagigen Aufbau ist die Zwischenschicht aus besagtem Washi-Papier. Das sorgt nun dafür, dass die Materialeigenschaften oben und unten erhalten bleiben und es keinen Austausch von Schwingungen zwischen beiden gibt. Am Ende sorgen also 8,8 Kilogramm Gehäuse sowie die Zwischenschicht aus der Natur dafür, dass Einflüsse auf den Ton soweit möglich vermieden werden.

Viel Gewicht und Washi-Papier

On top wird versucht, mit dem noch einmal 1,7 Kilogramm schweren Plattenteller aus klarem Acryl weitere Masse ins Spiel zu bringen und Vibrationen außen vor zu lassen. Tatsächlich ist die Verbindung der LP-Auflage zur Außenwelt nur ein schmaler, langer und relativ straff gespannter Flachriemen, der direkt um den Teller gelegt wird. Die Rotation wird auf diesen von einem Antriebs-Pulley übertragen, der hinten links sitzt und mit dem an der MDF-Platte montierten Gleichstrommotor verbunden ist. Teller und Tonarm dagegen sitzen am durch das Washi-Papier getrennten Oberteil aus besagtem künstlichen Marmor.

Funktionell und ansehnlich. Der obere Aufbau besteht aus schwarzem Kunstmarmor.

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Neben zusätzlicher Masse bringt der Acryl-Teller noch eine weitere Eigenschaft mit: Er besteht aus einem ähnlichem Werkstoff wie die Schallplatte selbst und hat daher gute triboelektrische Eigenschaften. Das vermeidet ein Aufladen beider Kunststoffe bei Reibung miteinander. So simpel die Antriebseinheit auf den ersten Blick ausschauen mag, so raffiniert ist sie jedoch auf den zweiten. Denn ein optischer Sensor, unter dem Plattenteller montiert, überwacht die tatsächliche Drehzahl desselben und greift regulierend ein. Damit sollen eine stets akkurate Geschwindigkeit und damit stabiler Klang garantiert werden. Alle unsere Hörversuche haben hier nichts Gegenteiliges feststellen können.

Tonarm als Kunstwerk der Feinmechanik

Die Eliminierung unerwünschter Vibrationen als auch der absolute Gleichlauf der Platte sind natürlich nichts ohne die entsprechende Abtasteinheit. TEAC spendiert dem hauseigenen Klassenprimus einen ebenfalls traditionellen japanischen S-förmigen Tonarm, der von SEAC entwickelt wurde. Die machten sich vor allem zur Hochzeit des Vinyls vor mehr als drei Dekaden einen Namen unter audiophilen Plattenliebhabern. Für die vertikalen Bewegungen ist der Arm auf einer Edelstahl-Messerkante gelagert, weswegen er zur Kategorie der Messer-Tonarme gerechnet wird.

Geringstmöglicher Widerstand. Die Tonarmauflage entwickelt von SAEC.

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Die geringe Auflagefläche auf der Kante ermöglicht eine hochsensible und zuverlässige Abtastung der Rille. Für die horizontalen Bewegungen hält dann ein japanisches Präzisionskugellager her, das gleich an zwei Punkten unterstützt. Da es sich beim Tonarm um eine komplett offene Konstruktion handelt, kann dieses kleine Kunstwerk der Feinmechanik bei der Arbeit auch in Aktion bewundert werden. Nicht zuletzt lässt sich der Arm in der Höhe um bis zu sechs Millimeter verstellen, was dem Nutzer eine große Freiheit bei der Verwendung von Head-Shell und Tonabnehmern bietet.

Neutrale, detailreiche Wiedergabe

Apropos: TEAC montiert werksseitig mit dem Ortofon 2M RED ein bekanntes und weltweit im Einsatz befindliches MM-System, das von Hause aus schon sehr gut klingt. Obwohl der Brot- und Butter-Tonabnehmer der dänischen Hersteller zu den eher preiswerteren im Portfolio gehört, darf man sich über einen durchaus neutralen und in den Höhen fein herausgearbeiteten Klang freuen. Insofern passt der Red perfekt zum TN-5BB. Denn das sind auch dessen hauptsächliche Klangeigenschaften. Gleichwohl hierin Fluch und Segen liegen. Denn die Japaner schummeln nichts hinzu, lassen aber auch nichts weg. Das stellt sowohl an die Wiedergabekette als auch an die Qualität des Vinyls Anforderungen, will man die Möglichkeiten des Laufwerkes voll ausschöpfen. Die exzellente Hochtonauflösung kommt dabei vor allem jenen zugute, die ohnehin übers komplette Frequenzband hinweg bedient werden wollen. Aber auch jene profitieren, deren Schallwandler vielleicht von Hause aus etwas mehr bassorientiert sind.

Bewährte Abtastung. Mit dem Ortofon 2M Red ist der Analogspieler schon von Hause aus sehr gut bestückt.

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Wer allerdings echte Studiomonitore wie etwa die von B&W aus der 800-er Serie zum Einsatz bringt, muss mit allem rechnen. Bei guten Aufnahmen und Pressungen spielt der TEAC weit, weit über seiner Preisklasse. Kommt die Quelle aber qualitativ nicht so gut daher, wird dies gnadenlos offengelegt. Im direkten Vergleich mit dem eigentlich überlegeneren MC-System, wie es im preislich vergleichbaren Cambridge Audio Alva TT verbaut ist, kann der Japaner locker mithalten, hat mitunter gar in Sachen Auflösung die Rot-Nase vorn.

Beim Ton geht noch mehr

Und es geht noch mehr. Denn TEAC bietet einige einfache Möglichkeiten, den Sound ordentlich zu pimpen. Zum einen ist das Headshell mit einer SME-Kupplung ähnlich einem Bajonett-Verschluss versehen, was den Austausch des Tonkopfes ohne große Bauarbeiten ermöglicht. Wir haben probeweise den viermal so teuren Ortofon 2M Bronze zum Einsatz gebracht und tatsächlich geht in jede Richtung noch einiges. Nicht nur die Bühne wird breiter, auch die Bässe kommen satter. Bei den Höhen steigert sich vor allem der Detailreichtum. Doch ein Pickup für den Preis, den andere in einen ganzen Plattenspieler investieren, macht natürlich nur Sinn, wenn Vor- und Endverstärker sowie Boxen im High-End-Bereich angesiedelt sind.

Sound-Booster. Neben den Chinch bietet der Plattenspieler auch symmetrische XLR-Ausgänge für störungsfreie Signalübertragung.

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Es gibt allerdings eine deutlich preiswertere Methode der Qualitätssteigerung. Denn TEAC bietet nicht nur die gewohnten Cinch-Ausgänge an, sondern auch symmetrischen XLR-Buchsen. Wer entsprechende Gegenstücke an seinem Verstärker hat, sollte unbedingt diesen Signalweg nutzen. Nicht nur, dass die Verwendung des Massekabels entfällt, da XLR defacto alle Störungen eliminiert, die Performance ist insgesamt ausgewogener. Nicht etwa nur lauter, sondern satter im Auftritt.

Ein echter Halbautomat

Neben dem exquisiten Klang bietet der TN-5BB noch ein weiteres Feature, das ihn aus seiner Preisklasse herausragen lässt. Denn er ist einer der wenigen Halbautomaten. Am Ende der Platte hebt der Tonarm automatisch ab und der Motor stellt seinen Dienst ein. Interessanterweise dreht sich der Plattenteller dann aber wieder, wird der Arm in die Arretierung zurückgeführt. Natürlich erfolgt auch das Absenken der Nadel automatisch. Es gibt dafür vorn rechts einen großen Alu-Knopf, der dies veranlasst. Ein zweiter dient der Vorauswahl der Umdrehungen. TEAG bedient hier die gängigen von 33, 45 und gar 78.

Einfache Handhabung. Ein Schalter für die Umdrehungen, einer für die Bedienung des Tonarmes.

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Der Analog-Dreher steht auf vier groß dimensionierten und Stoß absorbierenden Füßen felsenfest. Die Anpassung der Spannung für den Gleichstrommotor erfolgt direkt im Netzteil, das eine ca. 1,5 Meter lange Zuführung mit Steckverbindung bietet. Auf der Rückseite des Spielers befindet sich ein zusätzlicher Ein-/Ausschalter, der allerdings nur den Motor und die Punktbeleuchtung der Knöpfe reguliert. Der Tonabnehmer steht immer unter Strom, sobald das Netzteil eingesteckt ist.

Test-Fazit: Für Auge und Ohr

Erst hat sich TEAC jahrzehntelang gar nicht um Plattenspieler bemüht, dann gleich einen ganzen Strauß preiswerter Analogdreher auf den Markt gebracht. Mit dem TN-5BB nun machen die Japaner einen Schritt Richtung Premium. Knapp 1500 Euro sind zwar viel Geld, angesichts der Preise für Abspielgeräte im wieder boomenden Vinylmarkt allerdings eher nur Midrange. Was der Musikfreund dafür klanglich geboten bekommt, liegt schon werksseitig deutlich darüber. Breite Bühne, feine Detailzeichnung und sehr offene Höhen, dazu eine detailgetreue Wiedergabe. Optionale XLR-Kabel lassen weitere Steigerungen zu, ebenso der Einsatz höherwertige Tonabnehmer. Nicht zuletzt ist der Plattenspieler ein echter Hingucker. Die optische Mischung aus dunklem künstlichem Marmor und den Feinmechanik-Elementen aus Alu bzw. Edelstahl sowie der transparenten Acrylabdeckung machen ihn zu einem kleinen Kunstwerk, das auch dank der Verwendung des traditionellen Washi-Papiers ein echtes Stück Handwerk darstellt.

TEAC TN-5BB

Der TN-5BB ist nicht nur ein Hingucker, sondern mit 14 Kilogramm auch ein echtes Schwergewicht. Bauart und Design dienen dabei komplett dem Klang. Und hier überzeugt der Plattenspieler auch in jeder Beziehung. Offene Bühne, feine Details, präzise Höhen - und das alles schon werksseitig, mit optionalen Steigerungsmöglichkeiten. Am Ende ein fast schon sensationelles Preis-Leistungs-Verhältnis.

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