Blumen in Königs Wusterhausen: Warum der Valentinstag im falschen Monat liegt

Es müssen nicht immer Rosen sein: In Deutschland gibt es eine enorme Blumenvielfalt, weiß Blumenerzeuger Jacob Fels.
Jule Frommelt- Zossener Erzeuger kritisiert Valentinstag: kaum regionale Schnittblumen im Februar.
- Vorschlag: Termin in den Juni verlegen – mehr regionale, nachhaltige Auswahl.
- „All The Flowers“ (seit 2024) liefert Firmensträuße, ohne Chemie, aus Zossen.
- Kritik an Importblumen: soziale/ökologische Probleme, Pestizide, CO2, Wasserschäden.
- Kauf-Tipp: Tulpen aus Holland, besser Fairtrade/Bio, Florist nach Herkunft fragen.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Wäre es nicht toll, wenn wir Feste so legen könnten, wie wir wollen? Ostern, Himmelfahrt und Pfingsten wären dann auf jeden Fall besser übers Jahr verteilt und Karneval würde definitiv im Sommer stattfinden. Genauso wie der Valentinstag – zumindest, wenn es nach Jacob Fels ginge.
Doch Fels wünscht sich das nicht einfach so, sondern aus gutem Grund: wegen all der Schnittblumen aus Übersee, die zum Valentinstag verkauft werden. Neben Deutschlands größter Teeplantage, dem Unternehmen „Growing Karma“, betreibt er mit seinem Geschäftspartner Marc Schmidheiny in Zossen bei Königs Wusterhausen eine, wie sie es nennen, „Farm“ für Schnittblumen. Und zwar ohne den Einsatz von chemischen Pflanzenschutz- oder Düngemitteln. „Der Valentinstag liegt in einer Zeit, in der es eigentlich nichts Regionales gibt. Am besten wäre es, ihn auf den Juni zu verlegen, dann könnten die Leute regionale Blumen kaufen.“
Jacob Fels erzählt beim Besuch, was den nachhaltigen Blumenanbau sowie den konventionellen Blumenmarkt ausmacht und worauf man bei Blumen zum Valentinstag achten kann, auch wenn man keine fairen oder biozertifizierten Präsente kaufen möchte.
Blumen aus Zossen: Angebot für Unternehmen
2024 haben Fels und Schmidheiny „All The Flowers“ gegründet. Seitdem bieten sie Unternehmen Sträuße im Wochen-Abo an. „Das Tolle an der Geschichte unseres Unternehmens ist eigentlich, dass auf unserem Grundstück in Zossen schon immer eine Gärtnerei für Schnittblumen und Topfpflanzen war, schon zu DDR-Zeiten“, holt Fels aus.
Was die Gründer nicht wussten: Dass die etwa einen halben Hektar große Gärtnerei in einer feuchten Senke liegt. Was, wie bei den Zimmerpflanzen zu Hause, Pilzwuchs mit sich bringt. Nur sprühen die Gärtnerinnen von All The Flowers eben keine Fungizide.

Die All-The-Flowers-Farm in Zossen, nahe Königs Wusterhausen. Die Beete sind ungefähr 25 Meter lang und einen Meter breit.
Jacob FelsStattdessen pflanzen sie die Pflanzen weiter auseinander, haben Windschneisen gebaut und die Vegetation drumherum gekürzt, sodass der Wind besser durchgehen kann und die Erde schneller abtrocknet. Daneben werden von Pilz befallene Blumen schnell aus der Erde gezogen. Auch mit Woodchips, also Hackschnitzeln, hätten sie experimentiert. „Man muss einfach viele kleine Sachen ausprobieren und auch schauen, welche Pflanze hier gut wächst“, erklärt der Unternehmer.
Um 52 Wochen lang lieferfähig zu sein, würden sie bei All The Flowers gerade im Winter mit Produzenten zusammenarbeiten, die auf Zweige und Gehölze spezialisiert sind. Zudem würden sie ein Kaltgewächshaus betreiben und derzeit versuchen, es mit Fotovoltaik-Wärme zu beheizen. Das sei aber erstaunlich schwierig, da es das so bisher nicht auf dem Markt gebe.
Gartenbau sei im Grunde Handarbeit, fährt er fort, auch konventioneller. „Du läufst durchs Beet und schaust, welche Blumen jetzt gerade fertig sind? Wo ist die Knospe so, dass sie zur richtigen Zeit beim Kunden aufgeht? Und das lässt sich relativ schlecht maschinell machen.“
Ob das aufwendig ist? „Ja, sehr“, gibt Fels zu. Deshalb gebe es in Deutschland kaum noch Unternehmen, die Blumen anbauen. Auf dem Berliner Großmarkt etwa gebe es keinen einzigen Erzeuger mehr. Ohne es belegen zu können, behaupte er immer, All The Flowers gehöre zu den fünf Letzten in Brandenburg.
Auf dem Blumenmarkt herrscht extremer Preisdruck
Das sei auch der Grund, warum Blumen heute hauptsächlich in Kenia und Uganda sowie Zentral- und Mittelamerika angebaut werden würden. Rosen beispielsweise kämen sehr häufig aus Ecuador. Im Blumenbusiness herrsche extremer Preisdruck:„ Die Leute wollen zwar viele Rosen haben, aber wenig ausgeben.“ Und die Arbeitskosten außerhalb von Europa seien natürlich ganz andere.
Doch der Blumenanbau in Übersee ziehe Probleme nach sich: einerseits soziale, andererseits ökologische. „Eine Floristin hat mir mal erzählt, eine typische Floristenkrankheit sei, dass sich das Nagelbett auflöse. Weil die den ganzen Tag mit relativ stark belastetem Material arbeiten“, erklärt der Unternehmer.

Kennt sich wirklich gut mit Blumen aus: Einer der All-The-Flowers-Gründer Jacob Fels.
Jule Felice FrommeltDas Spritzen von Chemikalien habe natürlich auch Auswirkungen auf die Umwelt: „Auf Blumen kannst du halt draufhauen, was du willst. Die Richtlinien sind nicht so streng.“ Das verursache zum Beispiel auch eine starke Wasserverschmutzung vor Ort.
Rund um den Viktoriasee, den größten See des afrikanischen Kontinents, lägen etwa viele Blumenfarmen. Um das Pflanzenwachstum zu fördern, würde dort mit Nährstoffen gedüngt, die wiederum in den See gelangen und das Algenwachstum anregen. Das sehe aus wie ein riesengroßer grüner Teppich und zerstöre das ganze Ökosystem. Daneben entstehe durch den Transport der Blumen nach Europa auch CO2.
„Und dann stellen wir uns da so einen Chemiestrauss hin“
Fels wird nachdenklich: „Das ist schon komisch, wenn man sich vorstellt, der Strauß, den wir uns auf den Tisch stellen, hat jemanden schon mal mit Pestiziden belastet und gesundheitlich geschädigt. Wir achten sonst so auf unsere Ernährung, oder darauf, dass wir gesunde Kosmetik oder Kleidung verwenden. Und dann stellen wir uns da so einen Chemiestrauss hin.“
Was und wo kann man also zum Valentinstag kaufen – schließlich bietet „All The Flowers“ keine Blumen für Endkunden an? Das Wichtigste sei, rät Fels, sich des Problems am Valentinstag bewusst zu werden und eher doch die Tulpen aus Holland zu kaufen. Noch besser seien zertifizierte Fairtrade- oder Bio-Blumen.
Was auch gut sei: Die Floristin oder den Florist zu fragen, wo die Blumen herkämen, und so eine Sensibilität für das Thema zu schaffen. „Davon erhoffen wir uns, dass Unternehmen angeregt werden, doch eine regionale Gärtnerei zu finden. Also über die Nachfrage das Angebot auszurichten.“
Auch jenseits des Valentinstages müsse es ja vielleicht auch nicht immer die Rose oder eine exotische Blume sein. In Deutschland gebe es eigentlich eine große Blumenvielfalt. So gebe es beispielsweise viele verschiedene Dahlien-Sorten, „die total crazy aussehen“. Auch Iris und Lilien fallen ihm ein: „Die sehen ultra exotisch aus, und du würdest manche Sorten niemals als solche erkennen, gehören aber zur jeweiligen Familie.“
MOZ-Valentinswoche
Zum Valentinstag erscheint vom 9. bis zum 14. Februar jeden Tag eine Geschichte rund um das Thema Liebe in Königs Wusterhausen. Hier geht es zu den anderen Texten:
- 9. Februar: Dating in Königs Wusterhausen – was eine Singlefrau erlebt
- 10. Februar: Queer in Königs Wusterhausen – Ist es schwer für Schwule, einen Partner zu finden?
- 11. Februar: Liebe in Königs Wusterhausen – Kann Liebeskummer das Herz krank machen?
- 12. Februar: Liebe in Königs Wusterhausen – Paar und Partei – wie Familie Lazarus-Möbus das managt
- 13. Februar: Blumen in Königs Wusterhausen – Warum der Valentinstag im falschen Monat liegt
- 14. Februar: Liebe in Königs Wusterhausen – Paartherapeutin enthüllt das Geheimnis glücklicher Paare


