Grabungen: „Skelett“ sorgt für Aufsehen
In Eichwerder wurde wieder ein Skelett gefunden“, hat SPD–Fraktionschefin Jutta Werbelow in der letzten Stadtverordnetenversammlung vor der Wahl in Wriezen berichtet, sich allerdings viel mehr über die Lkw beschwert, die trotz Vollsperrung der Ortsdurchfahrt täglich bis zur Baustelle fahren. Um dann in teils abenteuerlichen Manövern zu wenden, wo eigentlich kein Platz dafür ist. Die Folge: Von den Anwohnern angelegte Grünflächen und neue Pflasterflächen werden zerstört, sagte Jutta Werbelow, die jetzt auch als Ortsvorsteherin von Eichwerder nicht noch einmal angetreten war.
Auf ihre Forderung nach Kontrollen durch das Ordnungsamt entgegnete Bürgermeister Karsten Ilm (CDU), dass die Stadt nur für den ruhenden Verkehr zuständig sei, er den Hinweis aber an die Polizei weitergeben werde.
Neue „Zeitstellung“
Grabungsleiterin Blandine Wittkopp ist unterdessen nicht glücklich darüber, dass über die neuesten Funde in Eichwerder geplaudert wird. Natürlich könne sie das nachvollziehen. „Aber das Skelett ist nun mal kein Skelett, wie wir es uns normalerweise vorstellen.“ Zu dem Treffen im einstigen Dorfkonsum und späteren Futtermittelhandel mitten im Ort, der den Archäologen mittlerweile seit drei Jahren als Arbeits– und Pausenraum dient, ist auch Martin Petzel, der für die Region zuständige Mitarbeiter des Brandenburgischen Landesamts für Denkmalpflege und Archäologisches Landesmuseum in Wünsdorf gekommen. „Wir haben hier keinen Schädel oder zusammenhängende Knochen“, erläutert er.
Der Fund sei, so Blandine Wittkopp, derart fragil, dass er sofort geborgen, gesichert und ins Brandenburgische Landesamt für Denkmalpflege und Archäologisches Landesmuseum nach Wünsdorf gebracht worden sei. „Es geht einfach darum, die Stoffreste zu erhalten“, sagt sie und bedauert fast selbst ein bisschen, dass die Untersuchungen in Eichwerder so lange dauern. „Das hatten wir wirklich nicht erwartet.“ Eichwerder sei wegen seiner Vielzahl an Funden aus der Stein– und Bronzezeit aber etwas Besonderes.
Vor zwei Jahren war bereits das Grab eines etwa 18–jährigen Kriegers gefunden worden, das für Aufsehen sorgte. Jetzt handele es sich eher um ein Frauengrab, erläutert die Archäologin und verweist auf eine neue „Zeitstellung"– die späte Slawenzeit. Sie datiert das Grab eher auf das 10. Jahrhundert und damit in die Zeit vor der Christianisierung.
Auch ehrenamtliche Helfer
Bereits im vergangenen Jahr war das teils durch ehrenamtliche Helfer unterstützte Grabungsteam auf slawische Siedlungsreste gestoßen. Sogar Schüler des Seelower Gymnasiums hätten bereits in Eichwerder gesiebt, ergänzt Martin Petzel und will an diesem Tag einen weiteren Schülereinsatz absprechen. Durch solche Aktionen und Vorträge sei das Verständnis auch in den Nachbarorten gewachsen, sagt Blandine Wittkopp. „Die Menschen nehmen ihren Ort und ihre Umgebung jetzt anders wahr. Sie sind aufmerksamer geworden und ziehen uns zum Beispiel beim Bau eines Schwimmteiches hinzu. Da war aber allerdings nichts.“

