Investition: Streit um Millionen für Kurtheater Bad Freienwalde
Grund für das Zerwürfnis ist die Investitionssumme von aktuell 2,7 Millionen Euro und die Ungewissheit, wie viele Fördermittel der Stadt zur Verfügung stehen werden. Zwar hat die Stadtverwaltung die Kosten reduziert. Da das Haus nur noch für „Basisdienstleistungen“ und nicht mehr für Theatervorstellungen gedacht ist, fielen die Kosten für die Beschallungs– und Beleuchtungsanlage von 730 000 Euro auf 200 000 Euro sowie die Planungskosten für die Bühnentechnik von 135 000 Euro auf 30 000 Euro.
Kein drittes Theater
„Wir wollen den Saal des Kurtheaters für Basisdienstleistungen renovieren, aber kein drittes konkurrierendes Theater in der Stadt installieren“, sagte Detlef Malchow, Vorsitzender der Fraktion Wählervereinigung 2019/FDP/Wählergruppe Inselgemeinden. Das Haus solle Vereinen für Veranstaltungen dienen. „Die Verwaltung ist aber auf keinen unserer Vorschläge eingegangen“, monierte er. Der Betrag für die Sanierung des Saals sollte nicht mehr als eine Million Euro kosten. „Ich bin erstaunt über die Summe von 2,7 Millionen Euro, die sich über drei Jahre verteilt“, ergänzte Malchow. Der Saal sei mit einer Million Euro herzustellen, forderte Malchow. Der Antrag sei nun so formuliert, dass die Kosten explodiert seien. "Das Kurtheater sollte verkauft werden, für die Stadt ist es nicht finanzierbar“, forderte Wolfgang Schure (FDP) und Mitglied der gleichen Fraktion. AFD–Fraktionsvorsitzender Lars Günther schlug in die gleiche Kerbe: Das Kurtheater sei angesichts der bevorstehenden Wirtschaftskrise für die Stadt zu teuer.
„Ohne Förderung gibt es keine Sanierung“, betonte Bürgermeister Ralf Lehmann (CDU). „Ich erinnere mich nicht, dass wir ein Limit von einer Million Euro gesetzt haben“, ergänzte das Stadtoberhaupt. „Die Zahl von einer Million Euro höre ich zum ersten Mal“, erklärte Olaf Schröder (CDU). Die Zahl sei zudem völlig unrealistisch, weil allein der Brandschutz im Saal eine Million Euro kosten werde. „Wenn wir es mit einer Million Euro nicht schaffen, sollten wir es gar nicht erst machen“, beharrte Malchow auf seiner Forderung.
Die Fronten zwischen der Stadtverwaltung und Teile der Stadtverordnetenversammlung sind verhärtet. Der Stadt stehen nach den Diskussionen um die Alte Post und den Bahnhof weitere harte Auseinandersetzungen bevor. Die von Malchow gegründete Wählervereinigung 2019 hat sich auf die Fahnen geschrieben, die großen Investitionsprojekte der Stadt unter die Lupe zu nehmen und gegebenenfalls zu verhindern. Unterstützung erhält sie von der FDP und Wählergruppe Inselgemeinden, mit der sie eine Fraktion gebildet hat wie auch von der AFD– und zunehmend von der SPD–Fraktion.
Saal steht im Vordergrund
Zuerst soll der Saal auf Vordermann gebracht werden, denn er dient vielen Vereinen, vor allem der Freienwalder Karnevalsgesellschaft (FKG), als Veranstaltungsraum. Weil dieser Saal die Auflagen des Brandschutzes nicht mehr erfüllt, darf er als solches nicht mehr genutzt werden. Zuletzt durfte noch eine limitierte Zahl von Narren unter den strengen Augen der Feuerwehr feiern.
Vor den einst veranschlagten Kosten in Höhe von 400 000 Euro für den Brandschutz kapitulierte der vorherige Eigentümer. Die Stadt kaufte das Haus im Sommer 2016 für rund 150 000 Euro zurück, weil sie es als Veranstaltungsort erhalten wollte. Das Ziel, ein großes Veranstaltungshaus mit überregionaler Ausstrahlung mit 90–prozentiger Förderung zu entwickeln, ließ sich nicht verwirklichen.


