Das Jahr 2021 geht zu Ende. Zeit für eine Bilanz: Wie war das Jahr in der Stadt Wriezen? Und vor welchen Herausforderungen steht die Kommune in 2022. Nadja Voigt sprach darüber mit dem Bürgermeister der Stadt Wriezen, Karsten Ilm (CDU).

Herr Ilm, was waren Ihr schönster und Ihr traurigster Moment im Jahr 2021?

Karsten Ilm: Wie jedes Jahr, hielt selbstverständlich auch das Jahr 2021 die unterschiedlichsten emotionalen Momente bereit und war in diesem Sinne geprägt von Höhen und Tiefen. Neben dem allbeherrschenden Thema des Jahres, war aus meiner Sicht vor allem die Flutkatastrophe im Ahrtal eine Tragödie mit besonderer Tragweite. Und wie so oft im Leben, liegen gerade in diesem Fall die traurigsten und die schönsten Momente dicht beieinander. Bis heute konnten die durch die Flut entstandenen materiellen Schäden nicht beseitigt werden und weit schwerer wiegen die persönlichen Schäden der betroffenen Menschen, die unfassbare Ängste um das eigene Leben und das ihrer Angehörigen aushalten mussten. Mit über 130 Toten zählt diese zu den schlimmsten Flutkatastrophen, die Deutschland je erleben musste und die Bilder bewegen gerade die Menschen in unserer Region besonders, da wir wissen, wie sich die Bedrohung durch Hochwasser anfühlt.

Mitgefühl für die Menschen im Ahrtal besonders groß

Und an dieser Stelle entwickelte sich dann auch der Raum für einen der schönsten Momente in diesem Jahr. Die Anteilnahme der Menschen in unserer Region zeigte sich in einer beeindruckenden Spendenbereitschaft, zu der das Märkische Medienhaus, der Landkreis MOL und einige Bürgermeister der Region gemeinsam aufgerufen hatten. Mit über 900.000 Euro haben die Menschen, trotz eines für viele besonders schwierigen Jahres, ein deutliches Zeichen der Solidarität gesetzt. Die Mittel wurden unbürokratisch und transparent für unterschiedlichste Projekte in der betroffenen Region eingesetzt und konnten das Leid der Menschen etwas lindern.

Vor welchen Herausforderungen stand die Stadt im zu Ende gehenden Jahr?

Die Besonderheit in diesem Jahr bestand vor allem darin, die Gradwanderung zwischen notwendigen kontaktbeschränkenden Maßnahmen und der Aufrechterhaltung des gesellschaftlichen Lebens der jeweils aktuellen Situation anzupassen. So konnten leider viele geplante Veranstaltungen nicht stattfinden, wie der Deichtag, verschiedene Feste in unseren Ortsteilen, der Weltkindertag, der Karnevalsauftakt im November, das Anleuchten auf dem Altkietz, der Weihnachtsmarkt, sowie das Weihnachtssingen auf der Freilichtbühne.

Viele Veranstaltungen mussten abgesagt werden

Dennoch versuchten wir in diesem Jahr bis zum letzten Moment an den möglichen Veranstaltungen festzuhalten und einige Highlights sind uns gemeinsam mit den Veranstaltern, selbst unter diesen widrigen Bedingungen, gelungen. So erinnere ich mich gern an den Gesundheitslauf am 8. Juni auf dem Schützenplatz, die vielfältigen Konzerte auf der Freilichtbühne, viele kleinere Aktivitäten in unseren Ortsteilen, der St. Martinsumzug im November und nicht zu vergessen, die Lichterfahrt unserer Landwirte durch Wriezen.
Auch die Aufrechterhaltung des Services der Stadtverwaltung galt unter den Bedingungen des Jahres 2021 als eine besondere Herausforderung. Im Rückblick lässt sich sagen, dass es auch hier gelungen ist, den Rathausbetrieb mit Einschränkungen, jedoch ohne Unterbrechung, das gesamte Jahr aufrecht zu erhalten.

Wetterkapriolen, Corona und Fördermittel

Die Corona-Pandemie war das allbeherrschende Thema – was hat die Bürger aus Ihrer Sicht sonst noch bewegt?

Die Starkregenereignisse im Juli diesen Jahres verursachten große Schäden, gerade im Bereich um Biesdorf, wo ganze Wege durch die Wassermassen unpassierbar wurden. Hier und auch bei vielen anderen Einsätzen des Jahres zeigte sich wieder die Wichtigkeit der Einsatzbereitschaft unserer Kameradinnen und Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr. Um diese Einsatzbereitschaft auch zukünftig zu garantieren, galt es auch in 2021 ein besonderes Augenmerk auf die Organisation und Ausstattung unserer Feuerwehr zu legen und besonders erfreulich für mich war es, dass uns in diesem Jahr diverse Fördermittelbescheide erreichten, die uns in dieser Aufgabenbewältigung unterstützen.

Wriezen/Bad Freienwalde

Das Gleiche gilt an dieser Stelle auch für den Fördermittelbescheid zum Ausbau des Stadions, der uns in diesem Jahr nach langem Ringen endlich erreichte und die Grundlage bildet, den wichtigen Vereinssport in unserer Stadt voran zu bringen.

Gerätehaus der Feuerwehr als größte Investition

Welche Aufgaben liegen vor der Stadtverwaltung und den Stadtverordneten 2022?

Aus dem Erreichten in 2021 leiten sich auch automatisch die Aufgaben für das nächste Jahr ab: Die Umsetzung der unterschiedlichsten Investitionsmaßnahmen vom Gerätehaus der Feuerwehr, der Fahrzeugbeschaffung, über den Beginn des Stadionbaus, die Errichtung der Löschwasserzisternen in Biesdorf und Haselberg stehen im Mittelpunkt des nächsten Jahres.
Aber auch die konzeptionelle Entwicklung unserer Stadt erfährt in 2022 eine besondere Aufmerksamkeit. Im Einzelnen möchte ich an dieser Stelle die Erarbeitung des Radwegekonzeptes, die Überarbeitung des Flächennutzungsplans und die Überarbeitung des integrierten Stadtentwicklungskonzeptes erwähnen. Eine wichtige Voraussetzung für die Umsetzung all dieser Maßnahmen bildet eine motiviertes, qualifiziertes Rathausteam und da es uns gelungen ist, in 2021 die Voraussetzungen hierfür zu schaffen, schaue ich optimistisch auf die Aufgabenbewältigung des kommenden Jahres.

Rathauschef blickt optimistisch in 2022

Die zweite wichtige Voraussetzung für die erfolgreiche Erarbeitung und spätere Umsetzung der Konzepte ist die Einbeziehung und Mitwirkung unserer Stadtverordneten. Hier sind alle aufgefordert, diese Prozesse aktiv und mit Ideenreichtum zu begleiten und dabei auch immer die Ideen und Wünsche unserer Bürgerinnen und Bürger einzubringen.

Was wünschen Sie der Stadt und den Bürgern zum neuen Jahr?

Unserer Stadt und den Bürgerinnen und Bürgern wünsche ich einen guten Start ins neue Jahr. Ich wünsche mir, dass wir in 2022 die Pandemie soweit überwunden haben, dass wir wieder gemeinsam auch größere kulturelle und sportliche Veranstaltung erleben dürfen, dass das wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben wieder an Schwung gewinnt und dass die Menschen sich nicht ständig mit Themen beschäftigen müssen, die geprägt sind von der Sorge um ihre Nächsten oder um ihre oder deren Zukunft. Ich wünsche uns allen, dass wir weiter unser lebendiges Wriezen gestalten können.