Was ist ein Krieg? Was ist eine Friedenstaube: An der Salvador- Allende-Schule Wriezen haben sich die Zweitklässler mit Lehrerin Annette Becker mit diesen Themen auseinandergesetzt. Kindgerecht wurde darüber gesprochen, was derzeit der Ukraine passiert. Die Kinder bastelten Friedenstauben. An der Fachklinik und dem Moorbad Bad Freienwalde hat eine besondere Solidaritätsaktion begonnen. Dort sind zwei Fachärzte und eine Verwaltungsangestellte ukrainische Staatsbürger.
Die Fachklinik hat die von ihr angemietete Pension Villa Regina zur Verfügung gestellt. Dort kommen in Kürze 20 Verwandte dieser drei Kollegen an. Mit dabei sind auch neun Kinder im Alter zwischen neun Monaten bis 14 Jahren. Verpflegt werden sie durch die Küche in der Pension, informiert Yvonne Kretschmer, Ansprechpartnerin für diese Aktion.
Friedenstauben gebastelt : Die Zweitklässler der Wriezener Allende-Schule haben sich mit Lehrerin Annette Becker kindgerecht mit dem Ukraine-Krieg beschäftigt.
Friedenstauben gebastelt : Die Zweitklässler der Wriezener Allende-Schule haben sich mit Lehrerin Annette Becker kindgerecht mit dem Ukraine-Krieg beschäftigt.
© Foto: Annette becker

Enormes Echo auf Hilfsaufruf

Der von der Kurklinik dazu verfasste Hilfsaufruf brachte spontan so viel Spielzeug, Kinderkleidung und Hygieneartikel zusammen, dass es ausreiche, so Yvonne Kretschmer. „Dafür bedanken wir uns ganz herzlich“, erklärte Verwaltungsleiterin Kristin Schröder-Kolew. Der Musiker Torsten Riemann, der im Kurmittelhaus eine Praxis hat, hat nach Bekanntwerden dieser Aktion sofort ein Benefizkonzert zu Gunsten der Geflüchteten organisiert. Gemeinsam mit dem Kulturverein wird es am 18. März ein Konzert des Musikers und seines Chores geben. „Um 17 Uhr geht es dort los. Wer helfen will, sollte kommen“, so Torsten Riemann.

Hilfstransporte von „Wir packen’s an“ rollen in die Republik Moldau und nach Polen

Nach erfolgreicher Sondierung an der polnisch-ukrainischen Grenze wird der Bad Freienwalder Verein „Wir packen’s an“ auch gleich mit gezielten Hilfsmaßnahmen aktiv: Am Mittwoch, 2. März, rollte der erste Transport mit Hilfsgütern im Wert von 20.000 Euro an diese Grenze. Die Hilfslieferung versorgt Menschen mit Nahrung und Wärmedecken, die von der Ukraine über die polnische Grenze in die EU fliehen.
Die nächste Hilfslieferung startet bereits am Freitag, 4. März, informierte die Vize-Vorsitzende Miriam Tödter. Diesmal gehe es in Richtung Republik Moldau. Vereinsvorsitzender Andreas Steinert und Axel Grafmanns fahren selbst den Hilfstransport. Start ist vom Lager des Vereins in Biesenthal.

Republik Moldau mit Aufgabe überlastet

„In Polen unterstützen wir die Menschen, die tagelang in der Warteschlange vor dem Grenzübergang nach Polen bei Minustemperaturen stehen. Die Lage in Moldawien ist eine sehr andere. Wir werden uns um die Nahrungsversorgung der Menschen kümmern. Als sehr armes und kleines Land in Europa ist die Republik Moldau erst Recht überlastet mit so vielen Menschen in Not“, erklärt Steinert. In den vergangenen Tagen seien zehntausende Flüchtende in der Republik Moldau am Schwarzen Meer angekommen, die teilweise direkt aus den Kriegsgebieten in der Ukraine stammen.
Viele seien traumatisiert und von den Kriegshandlungen noch sehr mitgenommen. Ein kostenfreier Bahntransport wie in Polen existiere für sie nicht. Es werde berichtet, dass zehntausende Menschen zu Fuß weiter Richtung Rumänien laufen, viele bleiben aber auch im Land selbst, so Steinert. „Es gelte erst einmal, die Grundbedürfnisse abzudecken.
Friedenszeichen der Jüngsten: Die Zweitklässler der Wriezener Allende-Schule befestigen ihre Friedenstauben am Zaun.
Friedenszeichen der Jüngsten: Die Zweitklässler der Wriezener Allende-Schule befestigen ihre Friedenstauben am Zaun.
© Foto: Annette Becker

Erfahrung bei der Versorgung vieler Menschen

„In Polen unterstützen wir punktuell an Grenzübergängen. In der Republik Moldau wird unser Support viel grundlegender sein. Als gelernter Koch, der auch schon in Katastrophengebieten tätig war, weiß ich, wie eine große Anzahl an Menschen mit Nahrung zu versorgen ist. In unserem 7,5-t-Lkw haben wir alles dabei, um schnell aktiv werden zu können, von Kochstellen, kompaktem Essen bis hin zu großen Zelten, um die Nahrung unterzustellen“, so Steinert weiter. „Den Rest kaufen wir vor Ort und unterstützen so auch die lokale Wirtschaft. Das ist nur möglich durch die überragende Spendenbereitschaft der Menschen in Berlin, Brandenburg und darüber hinaus“, berichtet Steinert.

Kontakte zu polnischen Nachbargemeinden

In einigen Städten haben die Bürgermeister bereits Kontakte zu ihren polnischen Nachbarbargemeinden geknüpft, wie in Seelow. Bürgermeister Jörg Schröder (parteilos) dazu: „Die Stadt Seelow hat sich entschieden mit der Partnerstadt Kostrzyn/Küstrin etwas gemeinsam zu machen. Wir werden Geldspenden in Sachspenden umsetzen. Gerade Medikamente, Hygieneartikel, Esskonserven und Schuhwerk werden gebraucht. Wir als Stadt möchten das gerne koordinieren und brauchen dafür Geldspenden“, ruft er zur Spenden-Aktion am 8. März in Seelow auf.
Wriezens Bürgermeister Karsten Ilm hat dem Kreis MOL bereits mögliche Quartiere für Flüchtende gemeldet. Auch er will sich um Kontakt zum polnischen Partnerort Mieszkowice/Bärwalde kümmern, um Hilfe zu koordinieren.
Aktuelles zum Krieg in der Ukraine haben wir in einem Liveticker zusammengestellt.