Schloss Freienwalde: Wertvolle Stühle kehren zurück

Zurück im Schloss: Reinhard Schmook, Leiter der Walther-Rathenau-Gedenkstätte im Schloss Freienwalde, präsentiert die Neuerwerbung der Michael-Linckersdorff-Stiftung. Am 20. September um 16 Uhr werden die Stühle erstmals der Öffentlichkeit gezeigt. Im Hintergrund ein Bild von Königin Friederike Luise, die das Schloss erbauen ließ.
Steffen Göttmann- Schloss Freienwalde zeigt vier originale Stühle aus 1798 erstmals am 20. September.
- Stühle wurden von der Michael-Linckersdorff-Stiftung für eine hohe Summe erworben.
- Walther Rathenau richtete das Schloss wie Königin Friederike Luise ein.
- Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Schloss geplündert und leer gelassen.
- Jubiläumsfeier am 20. September mit Kindermalwettbewerb und Kaffeetafel.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Schloss Freienwalde war nach dem Zweiten Weltkrieg leer, zwei Plünderungen hatte das preußische Königsschloss erlebt. Zuerst räumten die Nazis das Refugium des von ihnen verhassten und ermordeten Walther Rathenau (1867-1922) aus, weil er Jude war.
Der Rest verschwand in den Kriegswirren. Viele Menschen, die nach der Flucht nach Bad Freienwalde zurückkehrten und ihre Wohnungen leer oder zerstört vorfanden, bedienten sich mehr oder weniger offiziell im Schloss.
Stühle stammen aus der Bauzeit des Hauses
Ab und an taucht ehemaliges Mobiliar aus dem preußischen Königsschloss wieder auf. Zuletzt wurde Reinhard Schmook, Geschäftsführer der Walter-Rathenau-Stift gGmbH und Leiter der Rathenau-Gedenkstätte, eine Vase überreicht, die vermutlich zum Inventar des Schlosses gehörte.
Jetzt habe ein Antiquitätenhändler Michael Linckersdorff, Initiator und Begründer der Michael-Linckersdorff-Stiftung, vier Stühle aus Schloss Freienwalde zum Kauf angeboten, berichtet Schmook. Die Stiftung, seit Januar 2023 Eigentümerin des Schlosses, habe auf Anraten des Gedenkstättenleiters die vier Berliner Stühle aus dem Jahr 1798 für eine hohe Summe erworben. „Die Stühle seien in einem sehr guten Zustand, sicher ist das Sisal-Geflecht für den Sitz erneuert worden“, freut sich Schmook über den Zuwachs des Original-Mobiliars in der Gedenkstätte.
Inventarverzeichnis bestätigt Herkunft der Sitzmöbel
Dass die Stühle tatsächlich im Schloss standen, lasse sich dem von Hermann Schmitz 1927 herausgegebenen Inventarverzeichnis zweifelsfrei entnehmen, berichtet Schmook. Dort ist sogar ein Foto zu sehen. Die Stühle standen zu Walther Rathenaus Zeit (1909-1922) im Obergeschoss des Hauses. Der Außenminister der Weimarer Republik hatte das Schloss genauso eingerichtet wie Königin Friederike Luise (1751-1805), die das Schloss 1798/99 bauen ließ. „Er lebte wie in einem Museum“, betont Schmook. Rathenau litt zeitlebens unter den Diskriminierungen, die er als Jude über sich ergehen lassen musste. Mit dem Kauf des Schlosses und seiner Einrichtung wollte er zeigen, wie sehr er sich als Preuße fühlte.
Ulrich Engel, Leiter des Oderlandmuseums in Bad Freieinwalde, einer der Vorgänger Schmooks habe bereits zwischen 1947 und 1951 versucht, Mobiliar ins Schloss zurückzuholen, so der heutige Museumsleiter. Von dem ein oder anderen Stück habe er gewusst, wo es sich befand. Geld hatte Engel kaum zur Verfügung, deshalb habe er die Kleinode getauscht. Dass Stücke aus dem Schloss bei Antiquitätenhändlern auftauchen, ist nichts Neues. Schmook waren in den neunziger Jahren zwei Stühle aus dem chinesischen Zimmer angeboten worden, an deren Unterseite eine Inventarnummer aus dem Schloss klebte. Der Händler habe nichts zur Herkunft verraten wollen. Zehn Tage gab er Schmook Zeit, den Kaufpreis in Höhe von damals 10.000 Mark aufzutreiben. Mithilfe großzügiger Spender gelang der Deal. Die Stühle sind in der ständigen Ausstellung zu bewundern und befinden sich im Besitz des Oderlandmuseums.
1926 übergaben die Schwester von Walther Rathenau und ihre vier Kinder das Schloss an den damaligen Kreis Oberbarnim, mit der Auflage, das Gebäude als einziges Andenken an Walther Rathenau der Öffentlichkeit zugänglich zu machen und zu erhalten. Nach dem Zweiten Weltkrieg stand das Haus leer, die Fenster standen offen. Die Gesellschaft für Deutsch-Sowjetische Freundschaft in der DDR nahm sich des Schlosses an und nutzte es als Puschkinhaus für kulturelle Zwecke. Die Naturschützerin Erna Kretschmann (1912-2001) habe großen Anteil daran gehabt, so Schmook. Diese Nutzung habe das Schloss gerettet, es wäre sonst sicher abgerissen worden, ist er sich sicher.
Jubiläumsfeier mit Kaffeetafel auf der Schlossterrasse
Die gemeinnützige Michael-Linckersdorff-Stiftung als Schlossherrin lädt am 20. September zu einem Doppeljubiläum ein: zum 275. Geburtstag des königlichen Architekten David Gilly vor einem Jahr, Erbauer des Schlosses Freienwalde, das jetzt 225 Jahre alt wird. Nach der Eröffnung um 14 Uhr werden die Ergebnisse des im Juni ausgerufenen Kindermal– und Zeichenwettbewerbs im Schloss präsentiert. Um 14.30 Uhr gibt es eine große Kaffeetafel auf der Schlossterrasse, die von Musik des Jugendorchesters Bad Freienwalde umrahmt wird. Um 16 Uhr präsentiert der Stiftungsvorstand erstmals die vier Möbelstücke, die ins Schloss zurückgekehrt sind, der Öffentlichkeit.


