Störche bei Wriezen
: Feuerwehr rettet verletzten Storch aus luftiger Höhe

Ein Tierfreund aus Rathsdorf bei Wriezen hat zwei verletzte Störche zu einer Auffangstation gebracht. Warum die Feuerwehr ausrücken musste und wie es jetzt mit den Tieren weitergeht.
Von
Felix Krone
Rathsdorf
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Tierfreund Reiner Wartenberg mit dem geretteten Storch in Rathsdorf bei Wriezen.

Tierfreund Reiner Wartenberg mit dem geretteten Storch in Rathsdorf bei Wriezen. Gut sichtbar: das geschwollene Bein des Storches.

Felix Krone
  • Feuerwehr Wriezen rettet verletzten Jungstorch mithilfe einer Drehleiter aus einem Turm in Rathsdorf.
  • Storch mit geschwollenem Bein wird nach Behandlung im Storchendorf Papendorf versorgt.
  • Zweiter verletzter Storch aus Hohenwutzen ebenfalls dorthin gebracht – mögliche Zerrung.
  • Beide Tiere sollen nach Genesung in Papendorf freigelassen werden.
  • Tierfreund Wartenberg bittet Bürger, verletzte Störche zu melden.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Am Freitagmorgen mussten zwei Kameraden der Wriezener Feuerwehr kurz nach 8 Uhr zu einem ungewöhnlichen Einsatz nach Rathsdorf ausrücken. Eine im wahrsten Sinne des Wortes tragende Rolle spielte dabei ihr Feuerwehrfahrzeug mit Drehleiter. Doch der Reihe nach.

Reiner Wartenberg, der seit vielen Jahren ehrenamtlich beim Storchenmuseum in Rathsdorf arbeitet, das von der Stadt Wriezen betrieben wird, entdeckte am Donnerstag einen verletzten, etwa acht Wochen alten Jungstorch auf dem Turm. Das Tier hatte ein angeschwollenes Bein und humpelte sichtbar. „Wenn wir noch ein paar Tage warten, wird er da oben kaputtgehen“, fürchtete Reiner Wartenberg, der sich deshalb an die Stadt Wriezen wandte.

Storchenrettung bei Wriezen ohne Feuerwehr unmöglich

Denn ohne eine Drehleiter wäre die Rettung nicht realisierbar gewesen. „Wir kommen ja nicht anders ran“, sagte Wartenberg. Doch nach Ankunft der Feuerwehr blieb die Leiter vorerst eingefahren – der verletzte Storch durfte noch sein Frühstück einnehmen, bevor er vom Turm geholt wurde. Das Tier war dort oben nicht allein, es teilte sich den Turm mit einem Artgenossen.

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Mit einer Drehleiter der Feuerwehr Wriezen konnte der Storch vom Turm geholt werden.

Felix Krone

Dieser flog von dannen, als sich Wartenberg und ein Feuerwehrmann mit der Drehleiter dem Storchenturm näherten – ganz so, als habe er den Rettungseinsatz zugunsten seines verletzten Nestnachbarn nicht behindern wollen. Direkt nach der Rettung des anderen Storches kehrte er in sein Nest zurück. Die Rettung des humpelnden Storches klappte indes problemlos, das Tier ließ sich ohne Aufhebens vom Turm in den Korb der Drehleiter befördern.

Wieder unten angekommen, hatte Wartenberg Gelegenheit, sich das verletzte Bein des Storches genauer anzuschauen. „Wenn es nicht gebrochen ist, kriegt es der Tierarzt wieder hin“, lautete seine Einschätzung. Über die Ursache der Verletzung konnte er nur spekulieren. Der Storch sei mit seinen acht Wochen in einem Alter, in dem üblicherweise die ersten Flugversuche stattfänden.

In Rathsdorf konnte das Tier allerdings nicht behandelt werden. Daher wurde es von Reiner Wartenberg ins Auto verladen und zum Storchendorf Papendorf in Mecklenburg-Vorpommern gebracht, wo das Tier mithilfe tierärztlicher Versorgung buchstäblich wieder auf die Beine kommen soll – über 100 Störche leben in der Einrichtung. „Es ist ein Jammer, dass es so wenig Auffangstationen für verletzte Tiere gibt“, bedauert Wartenberg. „Wir haben unser Möglichstes getan mit der Rettungsaktion und hoffen, dass das Bein wieder gesund wird“, betont der Tierfreund aus Rathsdorf.

Verletzter Storch in Hohenwutzen gefunden

Auf dem Weg gen Norden machte Wartenberg noch in Altglietzen bei Doreen Stecker halt. Denn bei der Storchenbeauftragten befand sich ein Storch, der am Donnerstag (17. Juli) ebenfalls einen Unfall erlitten hatte – das Tier war in Hohenwutzen gegen einen Zaun geflogen. Glücklicherweise hätten die Anwohner Petra und Denny Vogel den Storch gefunden und Kontakt mir ihr aufgenommen, berichtet Doreen Stecker.

Äußerlich habe sie dem Tier keine Verletzungen angesehen, jedoch sei es denkbar, dass es eine Zerrung erlitten habe. „Wenn wir den wieder auf das Nest gesetzt hätten, hätte es sein können, dass er wieder herunterfällt“, sagt die Storchenbeauftragte.

Sanft in eine Decke gehüllt: der verletzte Storch in Hohenwutzen

Sanft in eine Decke gehüllt: der verletzte Storch in Hohenwutzen

Felix Krone

Mit den beiden Störchen im Gepäck kam Wartenberg gegen Mittag bei dem Storchendorf an. „Die Fahrt haben sie gut überstanden“, erklärt er in Hinblick auf seine beiden gefiederten Passagiere. Er ist optimistisch, dass beide Tiere wieder vollständig genesen. In Hinblick auf ihr neues Refugium sagt er: „Da sind sie wirklich in guten Händen“.  In ein paar Tagen wolle er sich bei der Einrichtung nach dem Befinden der beiden Störche erkundigen.

Wenn alles klappt, werden die beiden Zugvögel nach ihrer Genesung vor Ort wieder freigelassen. Dass der Bewohner des Storchenturmes zurück nach Rathsdorf kehrt, sei dann mehr als unwahrscheinlich – „der kommt nicht mehr wieder“, erklärt Wartenberg.

Er bittet Bürger, die einen verletzten Storch beobachten, mit der Storchenbeauftragten Doreen Stecker Kontakt aufzunehmen.