Die Restriktionen klingen streng. Die Hochrisikozone, ein Umkreis von drei bis vier Kilometern um den Fundort des ASP-infizierten Schweinekadavers, wird am Sonnabend ein Elektrozaun gezogen. Für dieses Gebiet, das vor allem die Gemarkung Bomsdorf, einem Gemeindeteil von Neuzelle betrifft, herrscht ein absolutes Betretungsverbot.
Dramatische Folgen hat der Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest (ASP) aber auch in dem sich anschließenden gefährdeten Gebiet, dem zweiten Teil der Restriktionszone. Der reicht mindestens bis 15 Kilometer um den Fundort. In Oder-Spree, so Amtstierärztin Petra Senger am Freitag in einer Pressekonferenz, wird sie aber erweitert. Betroffen sind etliche Dörfer, die zur Stadt Friedland zählen, Grunow und Dammendorf im Schlaubetal, auch die Stadt Eisenhüttenstadt und sogar das nördlich davon gelegene Ziltendorf und Wiesenau. Und auch einige Dörfer im Kreis Dahme-Spreewald sind betroffen, damit sind mittlerweile drei Landkreise in das ASP- Geschehen involviert.

Jagdverbot für alle Tierarten

Die Ausweitung der Zone, so Senger, habe mit der Grenzlage zu Polen und bekannten Wildwechseln zu tun. In diesem Gebiet, das spätestens Anfang kommender Woche in einer Allgemeinverfügung bekannt gemacht wird, herrscht dann ein Jagdverbot auf alle Tierarten. In dem Bereich gehaltene Schweine dürfen nur noch vor Ort geschlachtet und vermarktet werden, auch Schweinefleischprodukte darf man nicht ausführen. Betroffen, so Petra Senger, sind davon zwölf Schweinehalter. Rund 4000 Mastschweine stehen in dem Gebiet, außerdem ein Bestand mit 500 Muttersauen und Ferkeln.
Nicht nur Tierhalter sind betroffen, auch die Feldbewirtschaftung wird beschränkt. Mais darf nicht mehr geerntet werden, selbst die Verwertung von Heu und Gras ist eingeschränkt, Waldbesitzer erhalten eine Nutzungsuntersagung, dürfen beispielsweise keine Bäume fällen.Ein Ziel dieser Einschränkungen ist, dass Wildtiere in dem Gebiet zur Ruhe kommen, nicht umherziehen. Damit soll eine Virusverbreitung der ASP unterbunden werden.

Kadaver war stark verwest

Wie stark verbreitet dieses Virus im Moment in der Region ist, kann niemand sagen. Die Verwesung bei dem infizierten Kadaver sei schon recht weit fortgeschritten, so Petra Senger. Deshalb müsse man davon ausgehen, dass es schon länger liegt, das ASP-Virus also bereits vor geraumer Zeit in die Region eingeschleppt wurde. Sie rechnet deshalb mit weiteren Falltierfunden. Denn nach totem Wild wird in den kommenden Wochen verstärkt gesucht.
Mit den Jägern aus der akut betroffenen Region gab es dafür bereits am Donnerstag Absprachen. Diese würden die Wildeinstellungsgebiete in ihren Revieren am besten kennen. Sie sollen nun suchen. Teile der zweiten Zone sollen zudem mit Drohnen und Wärmebildkameras abgesucht werden. Alle toten Tiere, so Petra Senger, müssten so schnell wie möglich aus dem Wald und über die Tierkörperbeseitigungsanlage entsorgt werden. Natürlich nach Beprobung und Untersuchung auf die Seuche.

Unfallwild wird beprobt

Das, erinnerte Landrat Rolf Lindemann auf der Pressekonferenz, mache der Landkreis schon seit längerer Zeit. Fall- und Unfallwild werde seit rund zwei Jahren auf ASP untersucht. Bislang seien alle Ergebnisse negativ gewesen. Die Tests seien eine Maßnahme des Kreises um Vorsorge gegen die ASP-Ausbreitung zu treffen. Außerdem fördere der Kreis mit einem Zuschuss die Direktvermarktung von Wildschweinfleisch, 50.000 Euro wurden allein in diesem Jahr ausgegeben. Der Kreis verzichtet auch auf die Gebühren aus der Trichinenschau.

Beeskow

Die Wildschwein-Jagdstrecke, so Senger, sei im vorigen Jahr von 5000 auf 7000 Tiere im Kreis gestiegen. Daraus schließe man auf einen Wildschweinbestand im Landkreis von rund 70.000 Tieren. Hinzu kommen insgesamt 100 Schweinehalter, die rund 5000 Zuchtsauen halten und bis zu 25.000 Schweine mästen.

Fleischverwertung schwierig

Was aus diesen Tieren wird, ist im Moment völlig unklar. Selbst wenn die Hausschweine weiter gehandelt werden dürfen, stehe es schlecht um die Absatzchancen. Immer mehr Länder verbieten die Einfuhr von Schweinefleisch aus Deutschland. Selbst Südkorea und Mexiko gehören bereits dazu. Und ab wann wieder Wildschweinfleisch aus den Restriktionszonen vermarktet werden kann, sei auch völlig offen. Im schlimmsten Fall könne es sein, dass selbst das gesunde geschossene Schwarzwild zunächst entsorgt werden müsse. Eine Vorsichtsmaßnahme.

Kernzone und gefährdetes Gebiet


Für den Landkreis Oder-Spree sind folgende Gemarkungen in das gefährdete Gebiet aufgenommen:

Die Gemeinden: Grunow-Dammendorf, Mixdorf, Siehdichum, Schlaubetal, Neuzelle, Neißemünde, Lawitz, Eisenhüttenstadt, Vogelsang, Ziltendorf Wiesenau.

Stadt Friedland mit den Ortsteilen: Günthersdorf, Lindow, Wichensdorf, Groß Muckrow, Klein Muckrow, Chossewitz, Groß Briesen, Reudnitz Oelsen.

Die Kernzone mit einem Durchmesser von 3 Kilometer wird die Gemarkungen Bomsdorf (OT Gemeinde Neuzelle) einschließlich der Kolonie Steinsdorf bis zur Bundesstraße 112 umfassen.