„Wir wollen ja gern weiter gastieren, aber die Gemeinden wollen noch nicht, haben Angst vor Corona.“ Virginia Renz und ihre ganze Zirkusfamilie mitsamt Ponys, Ziege, Alpaka, Kaninchen und Hunden leben seit Mitte März notgedrungen an einer Stelle, im Friedländer Ortsteil Groß Muckrow. Obwohl sie als Circus Sensationell normalerweise den ganzen Sommer über durch Deutschland und Europa ziehen.

Corona hat eine ganze Saison geklaut

Von einem Gastspiel zum nächsten geht es da. Aber durch die Corona-Pandemie wurden alle Auftritte abgesagt. Als sie in Groß Muckrow ankamen, hatten sie Folgetermine in Neuzelle und Markgrafpieske. Doch Mitte März kam der Corona-Stopp. Letztlich ist für die Familie eine gesamte Saison ausgefallen.

Zirkus ohne Zelt

Im Sommer wurden Gastspiele zwar wieder erlaubt, aber nur unter strengen Abstand- und Hygieneregeln. „Unter diesen Bedingungen hätten wir nur zehn bis 15 Zuschauer in unser altes Zelt bekommen“, erklärt Renz. Einerseits lohne sich das für sie einfach nicht. Andererseits hatten sie schon im vergangenen Jahr ein neues, größeres Zelt bestellt. Das kleine Alte war nur ausgeliehen und ist mittlerweile abgeholt. Das große Neue können sie aber ohne Gastspiel-Einnahmen nicht bezahlen.
Artisten des Circus Sensationell traten in der Umgebung gelegentlich auf – mal zum Dorffest oder nach einer Einwohnerversammlung draußen. Für Spenden und ein bisschen Gage. Aber langfristig ist das keine Lebensgrundlage. So leben die eigentlich fahrenden Zirkusleute nun an einem Ort, beziehen Sozialleistungen. Die Kinder gehen in Friedland zur Grundschule.

Neugier und Hilfe nach zwei Monaten vorbei

Damals im März war dem Zirkus von der Stadt Friedland und dem Ortsteil Groß Muckrow zugesichert worden, dass er bis zum Ende der Corona-Krise hierbleiben kann. Nachbarn halfen aus mit Futter für die Tiere und Lebensmitteln für die Zirkusfamilie. Das Fernsehen berichtete, die Zeitungen schrieben. Aber jetzt zieht sich die Krise in die Länge. „Seit Anfang Mai ist niemand mehr dagewesen“, sagt Renz. Die Hilfe war von kurzer Dauer. Und die freudige Stimmung von damals ist vorbei.
Auch Ortsvorsteher Maik Koschack, der im März noch sagte, der Zirkus im Ort sei ein Segen für Groß Muckrow, ist das schwindende Verständnis in seinem Ort aufgefallen: „Die Hilfe ist nicht mehr so stark wie zu Beginn.“ Die Lage sei problematisch. Virginia Renz nimmt es ärger wahr: „Ich denke, sie sind froh, wenn wir bald weg sind.“

Probleme: Strom, Wasser, Heizung

Den Strom bekommt der Circus Sensationell noch von der Stadt, die Wasserkosten sollte ein Sponsor übernehmen. Derweil musste im Sportlerheim des FC Groß Muckrow 90 e.V. das Wasser abgestellt werden, damit die Anlagen durch Nachtfrost nicht beschädigt werden. Bald, ergänzt Koschack besorgt, müsse auch der Brunnen abgestellt werden.
Wo sie dann Nutzwasser herbekommen, kann sich Virginia Renz noch nicht recht erklären. Zumal der Bedarf ja auch durch die Tiere groß ist. Seitdem das Sportlerheim geschlossen ist, kaufe ihre Familie für sich Trinkwasser im Supermarkt. Aber seitdem die Nächte sich den Minusgraden nähern, sind noch mehr Schwierigkeiten aufgetaucht: kaputte Heizungen in den Wohnwagen beispielsweise.

Dringend Winterquartier gesucht

Aus all diesen unterschiedlichen Gründen sucht die Familie Renz mit ihrem Circus Sensationell nun bald ein Winterquartier: Am liebsten blieben sie in der Nähe, damit die Kinder in der Schule und die Unterstützungsanträge beim selben Amt bleiben können. Sie brauchen Platz für sich und die Tiere und beheizbare Räume.
Das Bitten und Suchen fällt Renz schwer. „Wir haben uns das ja nicht ausgesucht“, betont sie, „wir waren gezwungen hierzubleiben.“ Aber eines weiß sie auch sicher: Der Zirkus – „das ist unser Beruf, das wollen wir auch nicht aufgeben“.

Kontakt: Wer Ideen, Angebote hat oder einfach helfen will, kann den Circus Sensationell und die Frau Renz per Telefon unter 0177 4793770 oder über ihre Facebook-Seite kontaktieren: www.facebook.com/Circus-sensationell-2441537825891645