Reinhard Keil ist das, was man einen Ur-Friedländer nennt. Seit anno 1670 leben die Keils im einstigen Ackerbürgerstädtchen vor den Toren Beeskows. „Hier ist mein Lebensmittelpunkt“, betonte der fast 70-jährige Keil. Deshalb kämpfe er seit vier Jahrzehnten um den Erhalt, die Sanierung und Nutzung der wunderschönen Streleburg, in der er einst zur Schule ging. „Bis in die 70er-Jahre hinein wohnte dort auch die Lehrerfamilie.“
Auf der Friedländer Burg, im 13. Jahrhundert entstanden, wurde Sonntag der Tag des offenen Denkmals im Landkreis Oder-Spree mit launigen Reden, Gästen aus der polnischen Partnerstadt Sulęcin, der Übergabe des Förderprojekts Burgmauer, mit Speis' und Trank und erfrischender Folk-Musik der dreiköpfigen „Familie Gerstenberg“ aus Frankfurt eröffnet.

Stadt- und Burgführungen durch Friedland

Reinhard Keil, den Bürgermeister Thomas Hähle mit Schalk in den Augen als Freiherr von Keil vorstellte, ist Mitglied des Burgfördervereins. Er lud zu Stadtführungen ein. Sein „Chef“ Lutz-Bodo Knöfel, „Burgfürst“ (O-Ton Strähle) und Vorsitzender des Vereins, zeigte Interessierten das Innere des alten Gemäuers. Mit dabei waren Jana und Dirk Holz. Das Ehepaar kam aus Müllrose angeradelt. „So einen Höhepunkt in der Region lassen wir uns nicht entgehen. Außerdem treffen wir uns hier mit Bekannten – bei aller gebotenen Corona-Vorsicht“, betonte die 54-jährige Sachbearbeiterin. „Auf dem Rückweg fahren wir zur Beeskower Burg. Da soll es ja auch interessante Führungen geben“, ergänzte Ehemann Dirk (56).

Denkmal als Chance begreifen

Eröffnet wurde der Tag durch Sascha Gehm, 1. Beigeordneter im Landkreis Oder Spree. Das Motto des Tages „Chance Denkmal: Erinnern. Erhalten. Neu denken.“ greife einen scheinbar konzeptionellen Widerspruch auf, erklärte der Jurist. Ein Denkmal, noch dazu ein gesetzlich geschütztes, sei in der Theorie Konservierung, ein Verharren in einem historischen Zustand. „Hierdurch können alte Handwerks-Techniken und traditionelle Bauweisen bewahrt und erlebbar gemacht werden.“ Und natürlich seien Denkmäler auch identitätsstiftend. „Wir wachsen mit ihnen auf, sie verankern unsere Erinnerungen an einen bestimmten Ort. Und sie legen Zeugnis ab über Erfolge und Rückschläge, Siege und Niederlagen, die unsere Vorfahren erlebt und erlitten haben. Und sie erinnern uns an Fehler und mahnen, diese nicht zu wiederholen.“

Zusätzlicher Stützpfeiler an Burgmauer errichtet

Aus Sulęcin, der Kleinstadt in der polnischen Woiwodschaft Lebus, war Vize-Bürgermeisterin Iwona Walczak angereist. Sie erfuhr, dass für die Wiederherstellung der Burgmauer nicht nur unzählige Ziegelsteine nach altem Vorbild verarbeitet wurden. Die Mauer hat zudem einen Pfeiler erhalten, der sie von außen stützt. Diesen Pfeiler hat es in der viele hundert Jahre überdauernden Geschichte nie gegeben, informierte Sascha Gehm. Von Iwona Walczak war zu erfahren, dass am Fuße der Sulęciner Weinberge auch fleißig saniert und gebaut wird. „Wie hier in Friedland schaffen wir, auch mit Hilfe von EU-Geldern, Anlaufpunkte für Bewohner und Gäste der Stadt, zu denen wir immer wieder gern auch Friedländer willkommen heißen.“ Bürgermeister Thomas Hähle legte nach: „Unsere Städtepartnerschaft ist jetzt 15 Jahre alt. 2021, nach Corona, wird dieses Jubiläum gefeiert.“

Rundgänge auf der Burg Beeskow

In der Burg Beeskow wurde am Tag des offenen Denkmals zu Führungen im Musikmuseum und Kunstarchiv eingeladen. Burg-Mitarbeiterin Christina Geisler fand bei Rundgängen über das Burggelände zahlreiche interessierte Zuhörer. Sie gewährte auch Einblicke in den 30 Meter hohen Bergfried und in das Salzhaus. „Ich war noch nie hier, erfuhr durch moz.de im Internet von diesem Angebot“, berichtete Kerstin Kluge aus Fürstenwalde. „Wenn derzeit auch manche Veranstaltung ausfallen muss: Das scheint hier dank Theater, Konzerten, Ausstellungen und Märkten eine Hoch-Burg für Kultur in der Region zu sein. Ich komme wieder.“