Einsamkeit in Oder-Spree
: Sieben Künstler unterwegs auf den Spuren von de Bruyn

Was steckt hinter Vereinsamung und selbst gewählter Einsamkeit? Mögliche Antworten gibt es auf der Burg Beeskow.
Von
Olaf Gardt
Beeskow
Jetzt in der App anhören
Umgehen mit der Einsamkeit: Auf der Burg Beeskow wird das Thema künstlerisch bearbeitet, spätestens am Sonntag wird die Einsamkeit mit einer Ausstellungseröffnung im Salzhaus der Burg aufgebrochen.

Umgehen mit der Einsamkeit: Auf der Burg Beeskow wird das Thema künstlerisch bearbeitet, spätestens mit einer Ausstellungseröffnung im Salzhaus der Burg wird die Einsamkeit aufgebrochen.

Olaf Gardt
  • Burg Beeskow zeigt Einsamkeit künstlerisch – Ausstellungseröffnung am Sonntag um 11 Uhr.
  • Sieben Künstler arbeiten seit dem 31. August im Pleinair „Der Einsamkeit Gestalt geben“.
  • Anlass ist der 100. Geburtstag von Günter de Bruyn und seine gewählte Einsamkeit im Wald.
  • Ergebnisse sind im Salzhaus und Hof zu sehen, alle Künstler sind zur Eröffnung anwesend.
  • Amber und Eleonoar Hummel lesen Texte, Gespräch mit Wolfgang de Bruyn ist möglich.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Die zunehmende Vereinsamung ist ein tiefgreifendes gesellschaftliches und gesundheitliches Problem. Betroffen sind längst nicht mehr nur alleinlebende ältere Menschen in anonymen Großstadt-Wohngebieten. Immer mehr fühlen sich auch junge Menschen einsam.

Die Gründe sind vielfältig. Ältere Menschen klagen oft über körperliche Einschränkungen und ziehen sich deshalb aus dem öffentlichen Raum zurück. In ländlichen Regionen hat zudem dieser öffentliche Raum weniger zu bieten. Der Dorfkonsum ist lange zu, die Kneipe oftmals auch.

Bei jungen Menschen gibt es andere Ursachen. Instagram und TikTok sind für einige nicht nur eine Erweiterung für soziale Beziehungen, sondern werden zu einem ständig verfügbaren Ersatz für Gespräche, Streit und gemeinsames Lachen. Das verstärkt das Gefühl von Einsamkeit.

Viele Gründe, sich auch künstlerisch mit dem Thema zu befassen. Das geschieht aktuell auf der Burg Beeskow beim Pleinair des Landkreises Oder-Spree anlässlich des 100. Geburtstages von Günter de Bruyn. Das ist mit dem Titel „Der Einsamkeit Gestalt geben“ überschrieben.

Suche nach guten Seiten der Einsamkeit auf Burg Beeskow

De Bruyn hat für sein literarisches Schaffen die Einsamkeit in der alten Schäferei an der einstigen Blabbermühle selbst gewählt. Ist Einsamkeit also doch gar nicht so ein Problem? Vielleicht kann man ihr ja doch auch gute Seiten abgewinnen, Mittel und Wege finden, ihr zu entfliehen.

Antworten zu geben, versuchen auf der Burg sieben Künstler. Den Organisatoren ist es gelungen, verschiedene Generationen vom jungen Paul Banause bis zur äußerst erfahrenen und renommierten Ulla Walter zusammenzubringen. Großstadtbewohner und Dörfler sind auf der Burg versammelt. Maler, Autoren, Mental-Künstler, Fotografen arbeiten auf der Burg.

Der Einsamkeit ihrer Ateliers sind sie schon entflohen, der Arbeitsort Burghof wird tagtäglich von vielen Menschen besucht, die auch in die drei Pavillons der Burgbühne schauen, um zu sehen, was dort geschieht.

Der Einsamkeit Gestalt geben

Seit dem 31. August ist die Burg Beeskow ein Atelier: Paul Banause, Berlin/Frankfurt (Oder) – Malerei, Street-Art, Collagen; Jasmin Brückner, Halle – Spoken Word; Jan M. Petersen, Pfaffendorf – Metallkunst, Plastik; Wenke Seemann, Berlin – Freie Kunst, Sozialwissenschaft; Sven Gatter, Hannover – Fotografie; Amber Hummel, Halle – Malerei, Video, Fotografie und Ulla Walter, Schöneiche – Malerei, Video, Installation machen sich anlässlich des 100. Geburtstages von Günter de Bruyn (1926–2020) auf dessen Spuren. Thematisch anknüpfen werden sie dabei an de Bruyns selbst gewählte Einsamkeit in seinem Refugium im Wald bei Görsdorf.

Die Arbeitsergebnisse werden ab dem 13. September im Salzhaus und auf dem Hof der Burg Beeskow gezeigt. Die Ausstellungseröffnung unter Anwesenheit der Künstler beginnt um 11 Uhr.

Endgültig aufgebrochen wird die Einsamkeit am Sonntag. Um 11 Uhr wird die Ausstellung mit den Arbeitsergebnissen des Pleinairs im Salzhaus der Burg eröffnet. Alle Künstler werden dabei sein.

Als Sahnehäubchen, so Burgchefin Stephanie Lubasch, werden Amber und Eleonoar Hummel, die diesjährigen Abseits-Stipendiaten, die in den vergangenen zwei Monaten die Blabber-Einsamkeit nacherlebt haben, aus den in dieser Zeit entstandenen Texten lesen. Auch mit Wolfgang de Bruyn, der die nach seinem Vater benannte Stiftung leitet, kann man ins Gespräch kommen.