Die Burg Storkow sei der schönste Ort, den sie bisher für ihre Lesungen erlebt habe, schwärmte am Sonntag die Hamburger Literaturkritikerin Annemarie Stoltenberg. Sie hatte hier mit einer Vorstellung ihrer Anthologie „Magie des Lesens“ den Veranstaltungsreigen der 7. Storkower Herbstpoesie geschlossen.
„Unsere Stadtbibliothek trägt ein bisschen die Handschrift von ihr“, wurde die auch noch im Ruhestand für den NDR tätige Journalistin und Germanistin durch Petra Kather, Leiterin der Stadtbibliothek, vorgestellt. „Durch Annemarie Stoltenberg haben wir viele Bücher kennengelernt, auf die wir gar nicht von selbst gekommen wären“, gab sie zu.
Bei Kaffee und Kuchen konnte das Publikum in Storkow eine unterhaltsame Nachmittagsstunde erleben. Es erfuhr nicht nur etwas über die Erlebnisse, welche die Autorin mit so prominenten Menschen wie Günter Grass hatte, sondern konnte auch etwas darüber erfahren, welche Bedeutung Lesen für Kinder hat und wie sie dazu herangeführt werden können.
Dass Bücher nicht als Einschlafmittel im Bett missbraucht werden sollten, sondern in „hellwachen Stunden“, gelesen werden sollten, war ihr ebenso wichtig wie ihre Überzeugung: „Bücher müssen in den Umlauf. Man muss sie nicht selbst besitzen.“ Sehr sympathisch wurde auch Annemarie Stoltenbergs Aussage aufgefasst, dass sie sich nicht über ein Werk erhaben fühle, wenn sie es kritisiere. Sie urteile nie absolut, sondern gehe stets davon aus, wie ein Thema und die Sprache, wie es abgehandelt wird, sie ganz persönlich ansprechen.
Es war eine richtige Salon-Atmosphäre, „eine private Atmosphäre im kleinen Rahmen, passend zum Herbst, wenn die Zeit beginnt, sich mit einem guten Buch und Tee gemütlich hinzusetzen“, war Nicola Riesberg aus Grünheide zufrieden. Sie gehörte zu denen, die am Schluss nicht gleich aufbrachen, sondern das Gespräch suchten. „Es ist nicht so anonym hier, man kann mit den Künstlern und den Vortragenden sprechen und hat Kontakt zu den Organisatoren, von denen man merkt, dass sie mit Herzblut dabei sind.“
Seit vier Jahren ist Nicola Riesberg, von Beruf Waldpädagogin in Berlin, regelmäßig Besucherin der Herbstpoesie. „Das ist hier ein kulturelles Kleinod mit sehr schönen, ausgesuchten Werken und Autoren in großer Brandbreite von Berühmtheiten bis zu weniger in der Öffentlichkeit stehenden Protagonisten“, war ihr wichtig.
Auch die Organisatoren von der Burg Storkow waren glücklich. Unter Leitung von Veranstaltungsmanagerin Stefanie Lemcke sie von Freitag bis Sonntag ein Programm mit acht hochkarätigen Veranstaltungen zusammengestellt, von dem lediglich die Lesung von Walter Plathe wegen Krankheit des Autors aufs nächste Jahr verschoben werden musste. Rund 800 Tickets waren verkauft worden, davon für die zwei Kinderveranstaltungen rund 150.
„Das war ein wirklich toller Erfolg, unsere Erwartungen sind voll erfüllt“, freute sich Stefanie Lemcke. „Extrem schnell gebucht worden waren Wotan Wilke Möhring und Sönke Möhring, Walter Plathe und Isabel Varell. Die Varell passt gut zu Storkow, waren wir uns sicher, denn sie ist eine liebenswerte, lebensbejahende, fröhliche Frau“, erklärte die Veranstaltungsmanagerin die Wahl. Am Sonnabend habe diese „mitreißend gesungen, obwohl sie keine Sängerin ist“, so Stefanie Lemcke. Komplett ausverkauft waren die Möhring-Brüder; sie hatten mit ihrer unterhaltsam-humorvollen Art manchen Lacher hervorgelockt. „Das Publikum war bei allen Veranstaltungen begeistert und glücklich“, fasste Stefanie Lemcke zusammen.
Eine Besonderheit der Herbstpoesie sind die verschiedenen Veranstaltungsorte. Diesmal waren es mit der Burg und mit Schloss Hubertushöhe nur zwei, weil krankheitsbedingt der Rathaussaal kurzfristig nicht genutzt werden konnte. Durch coronabedingte Unsicherheit waren die Ortsteile diesmal nicht einbezogen worden, „aber im nächsten Jahr sind sie wieder dabei“, verspricht das Veranstaltungsteam.