Hofgeschichten aus Storkow: ARD-Projekt in Brandenburg – Fischereimeister im Rampenlicht

Eine ungewohnte Herausforderung kam auf Fischer Sander Fuhrmann vom Naturgut Köllnitz zu, der für gewöhnlich ganz allein auf dem Wasser unterwegs ist, in der letzten Zeit aber oft begleitet wurde.
Patricia CorniciucWenn Sander Fuhrmann mit seinem Boot auf den Großen Schauener See hinausfährt, dann ist er für gewöhnlich ganz allein auf dem Wasser. Doch in diesem Herbst ist es vorbei mit der friedlichen Stille des Brandenburger Naturparks. Ein Fernsehteam vom Rundfunk Berlin-Brandenburg begleitet den jungen Mann schon seit Wochen bei der Arbeit.
In einem Ruderboot schippern zu dritt die Journalistin, ein Kamera- und ein Tonmann über den ruhigen See, umkreisen ihren Hauptdarsteller und filmen aus dem wackligen Kahn heraus, wie Fuhrmann seine Stellnetze für die großen Karpfen und Zander ausbringt und eine Reuse einholt, in der an diesem erfolgreichen Tag einige Aale zappeln.

Fischereimeister Sander Fuhrmann vom Naturgut Köllnitz beim Räuchern von frischem Fisch – welcher bei den Kunden sehr beliebt ist.
Patricia CorniciucFang wird über mehrere Jahre kalkuliert
Die Aufnahmen vom Fischer und seinem Fang sind jetzt im Ersten zu sehen. Am 23. Oktober startet die ARD-Reportagereihe „Hofgeschichten – Ackern zwischen Alpen und Ostsee“ mit 20 neuen Folgen, die immer werktags um 16.10 Uhr ausgestrahlt werden. Bildgewaltig und authentisch erzählen die Reportagen vom Leben auf zwölf landwirtschaftlichen Höfen in ganz Deutschland, deren Betreiber eines gemeinsam haben: Sie betrachten ihren Beruf als Passion, so wie Sander Fuhrmann vom Naturgut Köllnitz.
Zurück an Land erklärt der 26-jährige Fischereimeister, warum er bei diesem Fernsehprojekt dabei sein wollte. „Ich bin der Meinung, dass die Fischerei in Deutschland einmal aus dem Schatten heraustreten sollte, um den Leuten klarzumachen, was fischereiliche Bewirtschaftung überhaupt bedeutet“, sagt er im Gespräch mit der „Märkischen Oderzeitung“. Was er unter Nachhaltigkeit versteht? „Wir holen ja nicht raus, raus, raus, bis eines Tages nichts mehr da ist, sondern kalkulieren über Jahre, was wir dem Gewässer entnehmen können und was nachkommt.“
Klischee vom wortkargem Eigenbrötler wird widerlegt
Für das Fernsehen ist Fuhrmann „ein großartiger Protagonist“, sagt in der Drehpause die Reporterin Patricia Corniciuc. „Er widerlegt das Klischee vom Fischer als wortkargem Eigenbrötler.“ Der gebürtige Berliner habe eine „unglaubliche Freude“ daran, den Menschen „von seiner Leidenschaft zu erzählen“, auch über Instagram, wo ihm seine größten Fans folgten.
Aus journalistischer Sicht mache ihn interessant, dass er „viele Widersprüche in sich vereint“. Fuhrmann übe einen traditionellen Beruf aus, aber er lege ihn „total modern“ aus. Er widme sich dem Job „mit Haut und Haaren“, genieße es aber als Angestellter, seine Freizeit zu haben und am Kottbusser Tor in Berlin-Kreuzberg Basketball zu spielen. Nur auf dem Land zu leben, sei nicht sein Ding, er brauche auch die Stadt. Fuhrmann, so Corniciuc, habe sie „jeden Tag aufs Neue überrascht“.
In den Kopf von Zander und Karpfen hineindenken
Insgesamt 13 Drehtage konnte die Journalistin den Fischer mit der Kamera begleiten. Ihre Filme zeigen nicht nur, mit welchen Tricks Fuhrmann Fische fängt, sondern wie er sie auch schlachtet und verarbeitet, im Dry-Aged-Reifeverfahren zu Schinken veredelt oder über Buchen- und Erlenspänen räuchert, um sie sonntags im angeschlossenen Hofladen zu verkaufen. Wenn noch Zeit übrig war, sprang er bei Bedarf in der Hofgärtnerei ein, um im Gewächshaus bei der Tomatenernte zu helfen, oder er besprach mit dem Koch des Restaurants „Köllnitzer Hofküche“, was sich aus seinen Zulieferungen alles zubereiten lässt.
Kein Tag sei vergangen, meint die Reporterin begeistert, an dem sie nicht Neues gelernt hätte. Zum Beispiel müsse ein Fischer auch etwas von Meteorologie verstehen und zusätzlich ein Seegrundexperte sein. Er müsse eine Vielzahl von Faktoren kombinieren und sich quasi „in den Kopf von Zander und Karpfen hineindenken, damit sie ihm ins Netz gehen“. Schon das Stellen der Netze sei ein „taktischer Vorgang, abhängig von Jahreszeit, Wetter und Bestand“. Fischen sei „jedes Mal wieder ein neues Spiel“.
TV-Formate wie die „Hofgeschichten“ könnten dazu beitragen, den abwechslungsreichen Beruf des Fischers „für junge Leute attraktiv zu machen“, hofft Sander Fuhrman. Er habe einen „großartigen Job in einem 1000 Hektar großen Naturschutzgebiet, wo einen niemand stört“. Jedenfalls die meiste Zeit des Jahres.
Naturgut Köllnitz
Groß Schauener Hauptstraße 31, 15859 Storkow OT Groß Schauen, Tel. 033678 41774


