Hund in Beeskow
: Abgemagert und abgeschoben – Drama um Wotan

Tierschützer haben in Beeskow einen Hund gerettet. Wotan war bis auf die Knochen abgemagert. Die Behörden sind alarmiert.
Von
Marcel Gäding
Beeskow
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Wotan nach seiner Rettung in Beeskow. Der Hund bringt nur ein Bruchteil des üblichen Normalgewichts auf die Waage.

Wotan nach seiner Rettung in Beeskow. Der Hund bringt nur ein Bruchteil des üblichen Normalgewichts auf die Waage.

Lisa Odoy

Es ist ein Wunder, dass Wotan noch so viel Vertrauen hat. Die vergangenen Monate müssen für den Rottweiler-Boxer-Mix die schlimmsten in seinem jungen Leben gewesen sein. Und doch sucht der Vierbeiner die Nähe zum Menschen. Diana Daubitz und Lisa Odoy von der Beeskower Tierschutzinitiative übernahmen das bis auf die Knochen abgemagerte Tier. Gleichzeitig schalteten sie wegen eines möglichen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz die Behörden ein.

Vergangenes Wochenende erhielt Lisa Odoy eine Nachricht von einem Mann aus Beeskow, der auf Wotans Schicksal aufmerksam machte. Wie sich herausstellte, hatte er den Hund aus seiner eigenen Zucht an einen neuen Halter abgegeben, der ebenfalls in Beeskow zu Hause ist. „Er hat das Tier bei ihm herausgeholt“, berichtet Lisa Odoy. Entkräftet und abgemagert übernahm er Wotan, bis er schließlich an die Tierschützerinnen übergeben wurde.

Hund in Beeskow: unterernährt, ängstlich und verunsichert

Wotan ist ein junger Hund, nicht einmal ein Jahr alt. Andere Tiere dieser Rasse wiegen gewöhnlich in dieser Phase der Entwicklung zwischen 35 bis 40 Kilogramm. Doch Wotan brachte nicht einmal die Hälfte des Gewichts auf die Waage, als er von den Tierschützerinnen in Obhut genommen wurde. „Offenbar war sein Besitzer völlig mit ihm überfordert“, vermutet Lisa Odoy. Er sei am Tag der Übergabe ängstlich und ein wenig verunsichert gewesen, habe aber schnell Vertrauen zu seinen Retterinnen gefasst.

Sie mussten umgehend handeln, sagt Lisa Odoy, die am Wochenende alles in Bewegung setzte, um Wotan in Sicherheit zu bringen. Allein seine gesundheitliche Verfassung zwang die Tierfreunde, keine Zeit verstreichen zu lassen. „Uns lagen Informationen vor, dass er kein Futter bei sich behielt“, erinnert sich Lisa Odoy. Parallel wandten sie sich an Veterinäramt und die Ordnungsbehörde der Stadt Beeskow.

Abgemagerter Hund ist inzwischen in Sicherheit

Inzwischen ist Wotan in Sicherheit. Er lebt bei einer Beeskower Familie. Erledigt ist der Fall damit allerdings nicht. Unklar ist bis heute, warum der Züchter von Wotan das von ihm vermittelte Tier nicht zurücknahm. Stammt der Hund womöglich aus einer illegalen Schwarzzucht? Und warum wurde er allem Anschein nach beim neuen Halter nicht artgerecht gehalten?

Das Veterinäramt des Landkreises Oder-Spree hat sich sofort nach Bekanntwerden des Falls eingeschaltet, teilt Amtstierärztin Petra Senger mit. Nur eine Stunde nach Eingang der Meldung habe es eine unangekündigte Vor-Ort-Kontrolle gegeben: „Ein Tierhalter konnte nicht angetroffen werden und weitere Schritte zur Kommunikationsaufnahme und Überprüfung wurden umgehend eingeleitet.“

Veterinäramt Oder-Spree ermittelt in Beeskow

Noch befinden sich die Ermittlungen im Anfangsstadium. Die Behörde könne daher keine weiteren Details mitteilen, „da die Ermittlungsarbeiten sonst gefährdet werden könnten“. Dem Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamt lägen über Dritte Informationen vor, wonach eine Hundezucht vermutet werde. Dafür gebe es aktuell jedoch weder Indizien noch Beweise.

Wer Hunde gewerbsmäßig züchten oder mit ihnen handeln darf, regelt das Tierschutzgesetz. Demnach verfügen aktuell in Oder-Spree nach Angaben der Behörde 23 Hundehalter über eine entsprechende Erlaubnis, zwei davon sind in Beeskow gemeldet. In diesem Jahr habe es zwei Verdachtsmeldungen wegen nicht erlaubter Hundezucht gegeben. 2022 und 2023 waren es insgesamt neun Meldungen. Bei zwei Fällen leitete die Behörde entsprechende Verwaltungsverfahren ein, erklärt die Amtstierärztin.

Hunde in Not

Das Veterinäramt Oder-Spree stellte vergangenes Jahr 42 Hunde sicher, 2022 waren es 9. Gründe waren nach Angabe der Behörde eine unzureichende Versorgung, unzumutbare Haltungsumstände oder der Tod des Halters bzw. der Halterin. Wer einen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz vermutet, erreicht das Amt unter Tel. 03366 35-1901 oder im Internet.

In der Kreisstadt Beeskow sind nach Informationen des Ordnungsamtes aktuell 730 Hunde gemeldet. Als gefährlich im Sinne der Hundehalterverordnung Brandenburg gelten demnach 14 Hunde. Im vergangenen Jahr wurde einem Halter eines sogenannten gefährlichen Hundes die Haltung untersagt.