Hund in Märkisch Buchholz
: Wolfi blutend auf Feld gefunden – so geht es ihm

Tierquälerei ist nicht auszuschließen, die Verletzungen des Wolfhund-Mix Wolfi zeugen von einer schlimmen Vergangenheit. So geht es dem Hund im Tierheim. Wer gibt ihm ein Zuhause?
Von
Jens Olbrich
Märkisch Buchholz
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Wolfshund-Mix Wolfi wurde schwer verletzt auf einem Feld bei Golßen gefunden. Dank tierärztlicher Behandlung und liebevoller Pflege im Tierheim Märkisch Buchholz ist der Rüde wieder wohlauf.

Wolfhund-Mix Wolfi wurde schwer verletzt auf einem Feld bei Golßen gefunden, mit teils schrecklichen Verletzungen. So geht es dem Hund jetzt.

Jens Olbrich
  • Wolfhund-Mix Wolfi wurde schwer verletzt auf einem Feld bei Golßen gefunden.
  • Tierpflegerin Manuela Budich berichtet von schweren Verletzungen und schrecklichen Schmerzen.
  • Wolfi wurde vermutlich während der Corona-Zeit angeschafft und dann vernachlässigt.
  • Trotz seiner Vergangenheit zeigt Wolfi großes Vertrauen zu Menschen.
  • Wolfi sucht nun ein neues Zuhause und hat sich im Tierheim gut erholt.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Die Fotos sind nicht für schwache Nerven – zumindest die Bilder von jenem Tag Anfang Juni 2024, als das zuständige Ordnungsamt den zirka vier Jahre alten Wolfhund-Mix als Fundhund im Tierheim Märkisch Buchholz (Dahme-Spreewald) abgab.

Tierpflegerin Manuela Budich warnt eindringlich, sich die Foto-Dokumentation über Zustand und Verletzungen des Hundes anzusehen. Allein die mündliche Beschreibung der Wunden reiche aus, sich die Qualen des Tieres überaus anschaulich vorzustellen.

Seinen Namen erhielt Wolfi, der Tierheimtradition folgend, in Märkisch Buchholz. Der ursprüngliche Name war in seinem Fall auch nicht bekannt. Die unübersehbaren Wolfhund-Gene (siehe Hintergrund am Ende des Textes) hätten die Aufgabe jedoch leicht gestaltet, der Name Wolfi lag also nicht fern, erklärt die Tierpflegerin.

Gefunden worden sei der Hund auf einem Feld bei Golßen, Landkreis Dahme-Spreewald. Die linke Halsseite sei verletzt gewesen, aus einem provisorischen Verband sei Blut gesickert und hätte das dichte, grau Fell rot gefärbt.

Halsband war bei Hund Wolfi eingewachsen

„Wolfi muss riesige Schmerzen gehabt haben“, schätzt Manuela Budich ein. Überdies Luftmangel, denn das Halsband sei so eng gewesen, dass es bereits eingewachsen gewesen sei. Als junger Hund müsse Wolfi es umgelegt bekommen haben, aber „es wurde nie abgemacht“.

Das Halsband sei operativ entfernt worden, eine Brustwunde mit großer Wundtasche sowie diverse Verletzungen der Haut seien zu behandeln gewesen, die offene Wunde mit einer Drainage. Schmerzmittel, Blutstiller und Antibiotika seien ebenfalls verabreicht worden.

Ob nun das zu enge Halsband ursächlich sei für die Wunden, ein Biss oder ob sich Wolfi losgerissen und dabei verletzt hat, könne nicht geklärt werden, meint Manuela Budich. Möglich sei einiges, eben auch, dass der Wolfhund-Mix der Misshandlung durch Vernachlässigung entfloh, sich losriss. Dabei hätte er allerdings den Karabinerhaken der Leine sprengen müssen, denn einen Leinenrest hätte er nicht am Halsband gehabt.

Wolfi ist vermutlich ein „Corona-Hund“

„So richtig weiß man halt nicht, was letztendlich passiert ist“, erklärt die Tierpflegerin. Und die ehemaligen Besitzer könne man nicht fragen. Der Hund sei zwar gechippt, aber leider nicht registriert. Auch Nachforschungen des Ordnungsamts seien ins Leere gegangen.

Sehr wahrscheinlich ist, dafür spräche das geschätzte Geburtsjahr, dass Wolfi ein „Corona-Hund“ sei. Wenn das zutrifft, sei er vermutlich angeschafft worden, um das Vakuum der Corona-Zeit zu füllen. Sehr viele Hunde dieser 2020-er Generation werden nach Auskunft der Tierpflegerin in Tierheimen abgegeben.

Dem sportlich und agilen Wolfshund-Mix Rüden Wolfi fehlt noch jede Menge Erziehung. Das Vertrauen in den Menschen hat trotz zugefügter Qualen nicht verloren.

Dem sportlich und agilen Wolfhund-Mix Rüden Wolfi fehlt noch jede Menge Erziehung. Irgendwann läuft er doch etwas ruhiger an der Leine bei Tierpflegerin Manuela Budich.

Jens Olbrich

Wenn dann, wie bei Wolfi, die Vermutung der groben Vernachlässigung hinzukommt, ist das strafbare Tierquälerei. Wolfi hat derweil „in der Tierklinik und hier im Tierheim alles super über sich ergehen lassen. Wundversorgung und auch sonst, alles lief ohne Probleme“, erinnert sich Manuela Budich. Es sei, als ob der geschundene Wolfhund-Mix aufleben würde und dankbar sei, jetzt im Tierheim zu sein. Das Vertrauen in den Menschen hätte er nicht verloren, sei wohl eher froh, „dass endlich jemand da ist, der sich um ihn kümmert.“

Das Vertrauen in den Menschen hat Wolfi trotz zugefügter Qualen nicht verloren. Sich auf dem Rücken liegend den Bauch kraulen zu lassen ist für einen Hund ein großer Vertrauensbeweis.

Das Vertrauen in den Menschen hat Wolfi trotz zugefügter Qualen nicht verloren. Sich auf dem Rücken liegend den Bauch kraulen zu lassen, ist für einen Hund ein großer Vertrauensbeweis.

Jens Olbrich

Gesundheitlich gehe es Wolfi inzwischen wieder gut. Durch sein ungebrochenes Vertrauen zu Menschen und sein anhängliches Wesen sei er auch für ambitionierte Hundeanfänger geeignet. Sportlich und agil wie Wolfi veranlagt ist, würden fehlender Grundgehorsam und eine stark ausbaufähige Leinenführigkeit die neuen Besitzer allerdings vor eine Herausforderung stellen, die es zu meistern gelte.

Wolfis Stress aufgrund verschmähter Liebe

Indes sei es jedoch gut für Wolfi, wenn er dem Stress des Tierheims entkommen würde. Denn Dankbarkeit hin wie her, gestresst sei Wolfi tatsächlich. Nicht durch die anderen Hunde allgemein und schon gar nicht durch die Tierpflegerinnen und -pfleger. Verschmähte Liebe sei es, die Wolfi an nichts Anderes denken ließe, als an die beiden Akita-Inu Hundedamen Shiva und Shogoun im Zwinger nebenan. Eine tragische Liebesgeschichte.

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● Am Tierheim 1, 15757 Halbe, Tel. 033765 80689, E-Mail: tierheim@tierschutzverein-kw.de

„Die beiden hat er angehimmelt“, erzählt Manuela Budich. Was er aber auch anstellte, es sei müßig gewesen, denn die beiden hätten ihm nur die kalte Schulter gezeigt, die Zuneigung beruhte nicht auf Gegenseitigkeit. „Seit Wolfi einen Kastrationschip bekommen hat, ist es besser, ist er ein bisschen ruhiger“, berichtet die Tierpflegerin abschließend. Jetzt würde der Rüde auch wieder fressen und etwas zunehmen.

Wolfhunde sind Züchtungen aus Wolf und Hund

Es gibt zwei offizielle Wolfhund-Rassen (ohne s): der aus den Niederlanden stammende Saarloos Wolfhund und der Tschechoslowakische Wolfhund. Beide Rassen sind erst im 20. Jahrhundert ganz bewusst aus Kreuzungen von Schäferhunden mit Wölfen entstanden. Weitere vom größten weltweiten Züchterdachverband FCI anerkannte Wolfhund-Rassen gibt es nicht.

Für Begriffsverwirrung sorgen Hybriden aus Hund und Wolf – entweder in freier Wildbahn überall dort, wo Wölfe auf Hunde treffen, auch in Brandenburg. Zudem gibt es die Modeerscheinung, ganz bewusst Wölfe mit Hunden zu kreuzen. Wer das tut, befindet sich aktuell in einer rechtlichen Grauzone. Auch diese Tiere werden oft als Wolf(s)hunde bezeichnet, dürften dann aber nicht vermittelt werden.

Die Begriffe Wolfshund (mit s) und Wolfhund (ohne s) werden im alltäglichen Sprachgebrauch munter vermengt. In der Hundefachwelt jedoch stehen sie für zwei komplett unterschiedliche Rasseausrichtungen. So ist der Irische Wolfshund (mit s) eine uralte Windhundrasse aus Irland. Das Wort „Wolf“ in diesem Namen kommt aus der Zeit, als die Iren diese Hunde zur Jagd einsetzten – zum Beispiel auf Wölfe. (tw)