Tiere in Beeskow
: Kleine Katzen vor Tod gerettet – warum das kein Einzelfall ist

Eine Familie hat in Beeskow zwei junge Katzen vor dem Tod bewahrt. Wöchentlich werden in der Kreisstadt Katzenbabys gerettet.
Von
Marcel Gäding
Beeskow
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Noch haben die beiden jungen Katzen, die in Beeskow gerettet wurde, keine Namen. Ihr schlechter gesundheitlicher Zustand ist ihnen anzusehen.

Noch haben die beiden jungen Katzen, die in Beeskow gerettet wurden, keine Namen. Ihr schlechter gesundheitlicher Zustand ist ihnen anzusehen.

Marcel Gäding

Ganz vorsichtig greift Lisa Odoy in die kleine Box, die sie gerade aus der Quarantäne geholt hat. Erst ein Fellknäuel, dann das andere. Die junge Frau nimmt die beiden Katzenkinder auf dem Arm. Eines der beiden Weibchen mauzt ganz leise, das andere versteckt sich. Die Augen der beiden jungen Katzen sind verklebt, die Samtpfoten wirken noch sichtlich benommen. Vermutlich sind es die starken Medikamente, die müde machen.

Mindestens zwei Wochen müssen die noch namenlosen Katzenkinder isoliert bleiben. Familie Odoy hat eine Quarantänezone eingerichtet, damit sich die anderen Katzen auf ihrem Grundstück in Beeskow nicht mit dem Katzenschnupfen infizieren. Keine 24 Stunden ist es her, dass die Schützlinge in ihr vorübergehendes Zuhause einzogen und erst einmal etwas zu fressen bekamen. Ihr Alter wird auf zwölf Wochen geschätzt.

Katzen im Skaterpark Beeskow entdeckt

„Mein Mann war mit unserem Sohn im Skaterpark am Kiefernweg“, berichtet Lisa Odoy. Sie kam später dazu, als erst eines der abgemagerten Katzenkinder, dann das andere auftauchte. Dass mit den Tieren etwas nicht stimmt, sah die Tierfreundin, die im Dezember mit anderen Mitstreitern die Beeskower Tierschutzinitiative gründete, sofort. Die verklebten Augen waren ein sicheres Anzeichen dafür, dass die jungen Katzen schwer krank sind. Mit Geduld gelang es, die kleinen Katzen einzufangen.

Noch am selben Tag fuhr Lisa Odoy mit den beiden offenbar herrenlosen und ausgesetzten Katzen zum Tierarzt. Der anfängliche Verdacht bestätigte sich. Die Katzenkinder leiden unter Katzenschnupfen und hohem Fieber. Werden die Symptome nicht behandelt, bedeutet das für die kleinen Samtpfoten den sicheren Tod.

Lisa Odoy engagiert sich für den Tierschutz in Beeskow. Weil Pflegestellen fehlen, übernimmt sie die Versorgung der kleinen Katzen selbst.

Lisa Odoy engagiert sich für den Tierschutz in Beeskow. Weil Pflegestellen fehlen, übernimmt sie die Versorgung der kleinen Katzen selbst. Allerdings bringt sie und ihre Familie das Engagement an die Grenze der Belastbarkeit.

Marcel Gäding

Mit Antibiotika und Salben werden die Katzen jetzt behandelt. „Dazwischen gibt es jede Menge Streicheleinheiten“, berichtet Lisa Odoy. Die Samtpfoten zeigen sich zwar aktuell etwas schlapp, sind jedoch zahm und auf Menschen fixiert.

Beeskow: Tierschützer finanzieren Arbeit auf privater Tasche

Die bis zur Vermittlung anfallenden Kosten für Tierarzt und Futter von mehr als 100 Euro trägt Lisa Odoy privat. Denn zwischen den zuständigen Behörden auf Landkreis- und Stadtebene sowie den Mitgliedern der Beeskower Tierschutzinitiative gibt es immer wieder unterschiedliche Auffassungen, wer das Geld für die Rettungsaktionen aufbringt. Im aktuellen Fall haben die Tierfreunde die lebensrettende, tierärztliche Notfallbehandlung (mal wieder) selbst bezahlt.

Mehrmals in der Woche werden die Tierschützer derzeit um Hilfe gebeten, um sich herrenloser Streunerkatzen anzunehmen. „Meist wird nur ein Tier gemeldet, wenn wir ankommen, sind es schon mal sechs bis sieben“, berichtet Lisa Odoy.

Die Vermutung: Bei den Streunern handeln es sich um ausgesetzte Katzen, die von Höfen in der Region stammen. Dort vermehren sich unkastrierte Katzen. Die Stadt Beeskow stellte vor einigen Wochen 4500 Euro aus dem Bürgerbudget bereit, um einen Teil der Tierarztkosten zu begleichen, die bei einer Sterilisation der Tiere anfallen.

„Die Sache mit den unkastrierten Katzen ist ein Fass ohne Boden“, sagt die Tierschützerin. Eine Katzenschutzverordnung mit Kastrationspflicht wäre gut, würde aber nur bedingt Abhilfe schaffen. „Im Gespräch mit Katzenbesitzern hören wir oft den Satz: Greifen Sie mal einem nackten Mann in die Tasche.“ Die Herausforderung ist einerseits, uneinsichtige Katzenbesitzer davon zu überzeugen, ihre Tiere unfruchtbar zu machen. Andererseits werden dringend Pflegestellen für herrenlose Katzen und deren Nachwuchs gesucht, die mutmaßlich ausgesetzt wurden.

Schattenseite des Tierschutzes: Kranke Katze überlebt nicht

Erst vor einer Woche brachten die Tierfreunde im Beeskower Ortsteil Bornow sieben Katzen in Sicherheit. Durch das schnelle Handeln blieb den Tieren ein qualvoller Tod erspart. Nur in Groß Lindow kam vor einigen Wochen jede Hilfe für ein Katzenkind zu spät. Bis auf die Knochen abgemagert, die Augen komplett verklebt, taumelte die Samtpfote dort durchs Dorf. Ihr konnte nicht mehr geholfen werden. Sie starb.

Die beiden Neuzugänge bei Odoys werden, sobald sie gesund sind, vermittelt. Für die junge Familie ist die Pflege der herrenlosen Katzen eine Herausforderung. Denn eigentlich sind Ferien, eines der Kinder feiert demnächst Einschulung, und da muss noch einiges für das große Fest vorbereitet werden. Immerhin hofft Lisa Odoy, weitere Unterstützer zu finden. Auf einige Aufrufe, sich in einem künftigen Tierschutzverein zu engagieren, meldeten sich mittlerweile Interessenten.

Pflegestellen gesucht

Die Tierschutzinitiative Beeskow sucht dringend Pflegestellen. Wer privat herrenlose, mitunter kranke Tiere bis zu ihrer Vermittlung betreuen und versorgen will, sollte neben einem sauberen, räumlich angemessenen Zuhause über Kenntnisse, Einfühlungsvermögen und Verständnis für Katzen verfügen. Interessenten melden sich unter Tel. 0173 6444015.