Tierheim Märkisch Buchholz: Kater Jamie hat Katzen-Aids – wer gibt ihm ein Heim?

Jamie wartet im Tierheim Märkisch Buchholz auf seine neuen, persönlichen „Dosenöffner“. Außer, dass er FIV hat, ist er ein ganz normaler Kater, der seine Kuscheleinheiten braucht.
Jens OlbrichÄußerlich sieht man Jamie seine tödlich verlaufende Krankheit nicht an. Der mehr Grau als Braun getigerte Kater ist laut Tierpflegerin Sara-Marie Hellwig eine sehr lebhafte, total verschmuste und menschenbezogene Samtpfote. Und er sei sehr verfressen. „Obendrein ist er außerordentlich aktiv, benötigt sehr viel Bewegung, braucht halt Leute, die sich viel mit ihm beschäftigen.“
Als Fundtier sei der zirka 2020 geborene Jamie ins Tierheim gekommen. Abgeliefert hat ihn das Ordnungsamt Lieberose-Oberspreewald am 17. Januar dieses Jahres. Bei der Eingangsuntersuchung stellt Tierärztin Romy Lehmann neben etwas Zahnstein fest, dass Jamies Maul komplett entzündet ist und ihn blutig-eitrige Wunden quälen. „Jamie sah ganz schlimm aus“, erinnert sich die Veterinärin. „Und er hat fürchterlich gestunken.“ Der Kater sei aber so brav gewesen, dass er alles mit sich machen ließ.
Tierärztin Märkisch Buchholz bestätigte Verdacht auf FIV
Romy Lehmanns Kollegin, Tierärztin Fabienne Gutschwager, sei mit der Behandlung beauftragt worden. Neben der Zahnbehandlung, Wundreinigung und Schmerzmittelverordnung hätte sie dann den Verdacht geäußert, dass Jamie Aids haben könnte. „Eben weil alles so entzündet war“, berichtet die Landtierärztin. Ein Bluttest hätte den Verdacht dann bestätigt: Jamie ist FIV positiv.
Eine Übertragung auf Menschen, Hunde und andere Tiere sei nicht zu befürchten, beruhigt Romy Lehmann. „Eine Übertragung der Infektion erfolgt nur auf Katzenartige“, erklärt die Frau vom Fach. Und auch da reiche ein einfacher Körperkontakt nicht aus. Vorsichtshalber sollten infizierte Katzen dennoch einzeln gehalten werden. Übrigens – wer eine FIV positive Katze nur streicheln würde, bräuchte sich hinterher keine Sorgen machen, andere Katzen durch Anfassen anzustecken.
Tierheim Märkisch Buchholz: Gefährdet sind alle Katzenartigen
Gefährlich wird es laut fachkundiger Auskunft von Landärztin Lehmann für andere Samtpfoten erst, wenn sich Jamie, oder wenn sich eine andere FIV-positive Katze, mit ihnen beißt. Für alle Katzenartigen übrigens, auch wenn es in Brandenburg eher unwahrscheinlich sei, ebenso für Löwen, Tiger und Gleichartige. Übertragen wird die Virusinfektion durch den Austausch von Körperflüssigkeiten, erklärt Romy Lehmann, hauptsächlich über das Blut. Und da hauptsächlich bei Kämpfen unter Katern.

Im Tierheim Märkisch Buchholz weiß man, dass Katzen-Aids nur für Katzen gefährlich ist. Tierpflegerin Sara-Marie Hellwig und ihre Kolleginnen kümmern sich liebevoll um Jamie.
Jens OlbrichKater Jamie interessiert das im Moment weniger. Ihm geht es gut, meint Sara-Marie Hellwig. Abgesehen davon, dass er sich mit den Einschränkungen der gewohnten Eigenständigkeit als Freigänger abfinden müsse, schränkt sie ein. Dieser Spaß müsse irgendwie kompensiert werden. Futter sei eine Möglichkeit. „Er ist, wie gesagt, sehr verfressen. Für Futter macht er alles“, erklärt die Tierpflegerin. „Sobald man mit der Schale kommt, steht er auf zwei Beinen an der Tür, macht Männchen.“
Vorschlag der Tierpflegerin: Klicker-Training für Jamie
Ein Klicker-Training wäre zum Beispiel möglich. Damit könne man Jamie gut beschäftigen und ihm zudem Tricks beibringen. „Jamie ist total menschenbezogen“, meint Tierpflegerin Hellwig. „Er ist gelehrig, auch intelligent, ist ein super toller, netter und total verkuschelter Kater.“ Regelmäßig Medikamente müsse Jamie auch nicht einnehmen. Trockenfutter sei jedoch nichts mehr für ihn, da er kaum kauen würde. Im Tierheim Märkisch Buchholz gäbe es für den Kater daher nur noch hochwertiges, getreidefreies Senioren-Nassfutter.
Tierärztin zur Lebenserwartung von Katzen mit FIV
Jamie sei etwas für Menschen, die solchen Tieren noch ein gutes Leben bieten möchten. „Genau das wünschen wir Jamie, wünschen wir allen Tieren im Tierheim“, sagte Sara-Marie Hellwig. Zu Jamies Lebenserwartung befragt, erklärt Landtierärztin Romy Lehmann: „Die Krankheit ist vergleichbar mit menschlichem Aids. So merkt man Jamie nichts an. Er ist anfälliger für alle möglichen Infekte, die dann auch gerne bei Stress ausbrechen. Bis sein Immunsystem irgendwann zusammenbricht.“ Durchschnittlich hätten FIV-Katzen eine Lebenserwartung von fünf Jahren. Mal sei es mehr, mal weniger.
Kontakt Tierheim Märkisch Buchholz
Am Tierheim 1, 15757 Halbe, Tel.: 033765 80689, E-Mail: tierheim@tierschutzverein-kw.de



