Die Fallwildsuche im Kerngebiet um den Fundort des ASP-infizierten (Afrikanische Schweinepest) Wildschweins hat weitere Funde gebracht. Ein Sprecher des Kreises Oder-Spree bestätigte, dass mehrere tote Wildschweine im Landkreis Oder-Spree entdeckt wurden. Nahe der Gemeinde Neuzelle im Landkreis Oder-Spree sind vier tote und ein erlegtes Wildschwein gefunden worden, bei denen das in Frankfurt (Oder) ansässige  Landeslabor am Dienstag die Seuche nachwies.
Dies gab Verbraucherschutzministerin Ursula Nonnemacher (Grüne) am Dienstagnachmittag auf einer Sondersitzung von zwei Landtagsausschüssen in Potsdam bekannt. Das Untersuchungsergebnis musste noch  vom Nationalen Referenzlabor auf der Ostseeinsel Riems bestätigt werden.

Tier wurden außerhalb der Kernzone gefunden

Die Ministerin verwies darauf, dass die neuen Funde außerhalb der seit Sonnabend mit einem Elektrozaun abgesperrten Kernzone, aber innerhalb der Gefährdungszone erfolgten, in der schon seit dem Wochenende jede landwirtschaftliche und forstwirtschaftliche Tätigkeit untersagt sind. Ob wegen der neuen Funde weitere Kernzonen eingerichtet und die Gefährdungszone ausgedehnt werden müssen, war zunächst unklar. Oberstes Ziel sei weiter, das Übergreifen der Seuche auf Nutztiere zu verhindern.
Die Ministerin gab bekannt, dass der bisherige Elektrozaun zur Abwehr von Wildschweinen an der Grenze zu Polen vom Kreis Spree-Neiße an bis zum Kreis Oder-Spree durch einen festen Zaun ersetzt werden soll. Sie bedauerte, dass es nicht wie vom Bund angekündigt, zum Bau von Zäunen am deutschen und polnischen Ufer von Neiße und Oder gekommen ist.

182 Landwirtschaftsbetriebe dürfen nicht säen oder ernten

Landwirtschaftsminister Axel Vogel (Grüne) ergänzte, dass sich  182 Landwirtschaftsbetriebe mit über 33.000 Hektar Nutzfläche im Lockdown befinden, also nicht ernten oder säen können. Dafür werde es trotz der angespannten Haushaltslage Hilfen vom Land geben, kündigte er an. Außerdem erwarte man Unterstützung vom Bund.
Laut Vogel wurden in der Jagdsaison 2019/20 in Brandenburg 100.000 Wildschweine erlegt. Dies sei ein Rekordwert seit 1990.
Bei dem in der vergangenen Woche gefundenen stark verwesten Tier handelte es sich nach Angaben des Landkreises Spree-Neiße um ein weibliches Tier der Altersklasse 2, also eine erwachsene Bache. Der Fundort des ersten Tieres liegt in unmittelbarer Nähe zur Kreisgrenze zwischen Oder-Spree und Spree-Neiße. Deshalb erstreckt sich die Kernzone, für die derzeit ein Betretungsverbot herrscht, auf Areale in beiden Landkreisen.

Beeskow

Die Mitteilung des ersten, gefundenen Tieres sorgte in sozialen Netzwerken für Diskussionen und Spekulationen. Das ein solches weibliches Tier allein unterwegs ist, wäre ungewöhnlich. Wildschweine leben in Rotten, zumindest Jungtiere hätten sich bei ihr aufhalten müssen und hätten dann wahrscheinlich das Schicksal der Mutter geteilt. Andererseits steht im selbst im Kerngebiet noch viel Mais. So lange der nicht vom Feld ist, kann dort auch nicht gesucht werden. Ähnlich ist es in den feuchten Uferzonen der Gewässer. Dort ist in vielen Fällen gar kein herankommen. Aber auch dort halten sich Wildschweine gern auf, weil sie viel Nahrung finden.

Gefährdete Zone wird ausgeschildert

Der Landkreis Oder-Spree ist nun in Zusammenarbeit mit den Ordnungsämtern der betroffenen Kommunen dabei, die zweite, die „gefährdete Zone“ auszuschildern. Auch dort gelten nach der am 15. September veröffentlichen Allgemeinverfügung zahlreiche Einschränkungen. Die Landwirte dürfen nicht auf ihre Felder, die Jagd auf alle Tierarten ist untersagt, Schweinefleischprodukte dürfen aus der Region nicht ausgeführt werden.
Das Jagdverbot und das Verbot der Feldarbeit sollen dazu beitragen, dass das Wild zu Ruhe kommt, nicht aufgeschreckt umherwandert. Wie lange die Verbote bestehen bleiben, ist offen. Zunächst wahrscheinlich für 14 Tage. Diese Zeit soll für die verstärkte Fallwildsuche genutzt werden. Danach könnte es sein, dass die Jäger sogar dazu aufgerufen werden, in dieser Region den Schweinen besonders intensiv nachzustellen. So hat man es auch in anderen europäischen Staaten gehandhabt. In den ASP betroffenen Zonen war es das Ziel, das Schwarzwild vollständig auszurotten. In Polen hat man dafür zeitweise sogar die Armee eingesetzt.

Zurückhaltung bei Spaziergängen

Rücksichtnahme erhofft sich der Kreis auch von der Bevölkerung. In der eingezäunten Kernzone gilt ein absolutes Betretungsverbot für Wald und Feld. In der gefährdeten Zone sind Waldspaziergänge und damit auch das Pilze suchen weiter erlaubt. Man solle aber genau abwägen, ob es nötig sei, heißt es aus der Verwaltung.

Wer bei einem Wald- oder Feldspaziergang auf ein totes Wildschwein trifft, muss dies umgehend melden. Der Landkreis hat dafür unter 03366 351934 eine Hotline geschaltet. Möglich ist die Meldung auch über ein Tierfundapp oder per E-Mail an fallwildmeldung@landkreis-oder-spree.de.