Der geforderte Testbetrieb eines 10-Minuten-Taktes bei der S2 in Bernau ab 2021 – es wird ihn nicht geben. Am Donnerstag ist die Landtagsfraktion von BVB/Freie Wähler unter dem Bernauer Abgeordneten Péter Vida mit ihrem Antrag knapp im Parlament in Potsdam gescheitert. Sie erhielten Unterstützung von Linken und AfD. Die Koalitionsparteien – bestehend aus SPD, CDU und Grünen – stimmten dagegen.

Koalitionsantrag ohne Zeitplan

Stattdessen ist das Koalitionspapier von SPD, CDU und den Grünen, das die Entwicklung aller Außenäste der Berliner S-Bahn zum Ziel hat, einstimmig angenommen worden. Der Antrag sieht unter anderem vor, einen 10-Minuten-Takt „mit der vorhandenen Infrastruktur“ zu den Hauptverkehrszeiten prüfen zu lassen – allerdings ohne Zeitvorgabe.

10-Minuten-Takt in Bernau „günstig zu haben“

Vida hatte während der zum Teil hitzigen Debatte für den Testbetrieb in Bernau geworben, weil ein 10-Minuten-Takt hier „günstig zu haben ist“. Es brauche keine Zweigleisigkeit, betonte er, die nötige Infrastruktur sei vorhanden. Reichen würde außerdem ein einziger, acht Wagen umfassender Zug. Den Koalitionsparteien warf er vor, ihrerseits einen Prüfantrag „ohne erkennbaren Zeitplan“ vorzubringen.

Vorwurf des „Inselantrags“

Vida wiederum musste sich bei der Aussprache im Landtag unter anderem den Vorwurf anhören, einen „Inselantrag“ gestellt zu haben, der lediglich den eigenen Wahlkreis im Blick habe. „Für uns ist es wichtig, nicht nur auf eine Strecke zu schauen – auf allen Ästen stiegt der Bedarf“, meinte der SPD-Angeordnete Sebastian Rüter. „Alle heißt alle“, sagte auch Nicole Walter-Mundt (CDU), die den Antrag federführend für die Koalition in den Landtag eingebracht hatte.

Kritik am fehlenden Zeitplan „stimmt vielleicht“

Interessant ist in diesem Zusammenhang die Aussage des Grünen-Abgeordneten Clemens Rostock. Er meinte an Vida gerichtet: „Unser Antrag beinhaltet ihren ja schon.“ Er meinte damit die angedachte Prüfung eines 10-Minuten-Taktes mit der vorhandenen Infrastruktur. Allerdings räumte er zugleich ein: „Dass da ein Zeitplan fehlt, diese Kritik stimmt vielleicht.“ Als Abgeordnete habe man aber die Möglichkeit, so Rostock, die Regierung zu treiben.

Änderungsantrag ebenfalls abgelehnt

BVB/Freie Wähler hatten auch einen Änderungsantrag zum Koalitionspapier eingebracht – als Erweiterung. Darin forderten sie, dass auf den Außenästen, die zur Realisierung eines 10-Minuten-Taktes keine Errichtung eines zweiten Gleises benötigen, einen Testbetrieb bereits im Jahr 2021 zu favorisieren und einzufordern. Vida betonte, ihm gehe es dabei nicht nur um die S2, sondern auch um andere Außenäste, auf denen dies möglich sei. Auch dieser Antrag wurde abgelehnt.

Unterschriften-Aktion geplant

Pendler aus Bernau und Panketal fordern seit Jahren eine Taktverdichtung bei der S2. Das gleiche gilt für sämtliche kommunale  Parteien – von den Linken bis zur CDU. Bislang wird der Abschnitt zwischen den Stationen Bernau, Bernau-Friedenstal, Zepernick und Röntgental nur im 20-Minuten-Takt bedient.
Péter Vida kündigte direkt nach der Sitzung an, nicht locker lassen zu wollen.  Bereits bei der kommenden Sitzung des Ausschusses für Infrastruktur am 8. Oktober werde das Thema der S-Bahn-Anbindung erneut auf der Tagesordnung stehen, ließ er wissen. Zudem sei am 28. September eine weitere Unterschriftenaktion von BVB/Freie Wähler am Bahnhof Bernau geplant. „Es gilt, den Druck jetzt weiter zu erhöhen“, so Vida.