700 Jahre Melchow
: Warum der Ort mehr als nur Bahnhof der Deutschen Bahn ist

Melchow feiert 700 Jahre. Bürgermeister Ronald Kühn spricht beim Festakt über den Zuzug von Familien und erklärt, warum das Dorf eine „glückliche Kindheit‟ verspricht.
Von
Kai-Uwe Krakau
Melchow
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Festakt zum 700-jährigen Jubiläum von Melchow

700 Jahre Melchow: Der langjährige ehrenamtliche Bürgermeister, Wolfgang Lindt (M.), wurde von Landrat Daniel Kurt (SPD, l.) mit der Ehrenmedaille des Landkreises Barnim angezeichnet. Rechts der heutige Bürgermeister Ronald Kühn.

Kai-Uwe Krakau

Im Jahr 2000 wurde das 625-jährige Bestehen der Gemeinde zünftig gefeiert, folglich dürfte Melchow erst 649 Jahre alt sein. Doch Ortschronist Frank Waschkowski stieß vor einiger Zeit auf eine Urkunde über ein Treffen früherer Bürgermeister von Bernau und Eberswalde.

Dieses fand auf neutralem Boden in Melchow statt  ‒, und zwar am 18. April 1324. Das Dorf wurde auf einen Schlag 51 Jahre älter. 700 Jahre nach der Begegnung gab ein Festakt in der Dorfkirche den Startschuss für die diesjährigen Jubiläumsfeierlichkeiten.

„Wir wachsen langsam, aber stetig“, sagte Bürgermeister Ronald Kühn in seiner Rede. Viele Wünsche von Familien, die sich im Dorf ansiedeln möchten, könne man leider nicht erfüllen. Melchow sei mehr  „als nur der Bahnanschluss“, wie vielleicht einige denken mögen. „Unsere Gemeinschaft zeichnet sich durch gegenseitige Unterstützung aus“, betonte der Bürgermeister.

Vor allem für die Kinder sei in den vergangenen Jahren viel getan worden. Kühn nannte den Anbau für die Kita „Zu den sieben Zwergen“, aber auch die Gründung des Schulverbandes. „In die Grundschule wird auch weiterhin noch viel Geld fließen“, kündigte der Bürgermeister an. Der Nachwuchs könne in Melchow „eine glückliche Kindheit verleben‟. Aber auch die älteren Mitbürger würden nicht vergessen. Es gebe zahlreiche Möglichkeiten, sich in Vereinen zu betätigen, so Kühn.

Radweg nach Eberswalde noch nicht realisiert

Der ehrenamtliche Bürgermeister erinnerte an einen Workshop im Jahr 2015. Damals ging es darum, bestimmte Vorhaben zu erarbeiten, die für die Einwohner besonders wichtig sind. „Die Mobilität sollte verbessert, der Karpfenteich saniert und ein Radweg zwischen Biesenthal und Eberswalde gebaut werden“, so Kühn.

Einiges habe man bereits erreicht, doch der Radweg lasse immer weiter auf sich warten. Auch bei den noch vorhandenen „Sandpisten‟ stehe man vor großen finanziellen Herausforderungen. „Das Wichtigste ist aber, dass wir füreinander einstehen“, betonte der Bürgermeister abschließend.

Landrat Daniel Kurth bestätigte dem Ort eine „tolle Entwicklung“ und lobte vor allem das rege Vereinsleben in Melchow. Es sei schön, wenn sich die Menschen gegenseitig helfen und Projekte gemeinsam umsetzen, so der SPD-Politiker. Der Bundestagsabgeordnete Jens Koeppen sprach davon, dass es in Melchow gelungen sei, ein aktives Dorfleben zu gestalten.

Dies habe durchaus mit dem kommunalpolitischen Engagement von Menschen zu tun, so der Christdemokrat. Der Amtsdirektor von Biesenthal-Barnim, André Nedlin, bescheinigte den Melchowern, „immer dranzubleiben, wenn sie etwas wollen‟. Dies sei zwar für die Verwaltung nicht immer einfach, zeige aber durchaus Erfolge, so Nedlin.

Wolfgang Lindt erhält Ehrenmedaille des Landkreises Barnim

Einer von denen, die immer „nervten‟, war Wolfgang Lindt. Der Melchower betrieb viele Jahre einen Mini-Markt, versorgte die Einwohner mit allem, was sie brauchten und war von 1993 bis 2014 ihr ehrenamtlicher Bürgermeister. Er sei ein freundlicher, ehrlicher Mensch, der immer ansprechbar war, lobte

Landrat Kurth den Melchower, der in diesem Jahr seinen 80. Geburtstag feiern wird. In seiner Amtszeit seien das touristische Begegnungszentrum entstanden, ein Neubau für die Feuerwehr errichtet und Straßenzüge saniert worden. Der einzige Ehrenbürger von Melchow wurde von Kurth mit der Ehrenmedaille des Landkreises Barnim ausgezeichnet.

Im Festakt wurde auch das „Urgestein“ der Freiwilligen Feuerwehr Melchow in den Ruhestand verabschiedet. Andreas Beier war 30 Jahre dabei, wenn es etwas zu löschen gab oder bei einem Unfall die Fahrzeuge geborgen werden mussten.

Zwölf Jahre war Beier Ortswehrführer von Melchow. „Er hat immer mit Ruhe und Besonnenheit geholfen, war stets freundlich und kompetent“, beschrieb Kühn den Feuerwehrmann. Beier erhielt eine Ehrenurkunde und drückte anschließend seine Hoffnung aus, dass sich auch die „neuen“ Melchower in der Feuerwehr engagieren.

Bäckerei Haupt in Melchow gibt es heute noch

Attila Weidemann, als „rasender Reporter“ und Wetter-Mann bekannt, hatte die Aufgabe übernommen, den Gästen in der Kirche die Geschichte des Dorfes etwas näherzubringen. Er berichtete von den Anfängen, als 13 Gehöfte um den Friedhof lagen, von „rauchenden Trümmerhaufen“, nachdem die Siedlung den Hussiten zum Opfer gefallen war und von Brandschatzungen während des Dreißigjährigen Krieges.

Im Jahr 1866 gab es die ersten Gasthöfe, 1904 wurde die Bahnstation eröffnet, 1928 die Post-Hilfsstelle. Handwerker wie eine Tischlerei oder Schmiede siedelten sich an, die Bäckerei Haupt gibt es noch heute. „Es ist eine herrliche Landschaft“, schwärmte Weidemann und versprach wiederzukommen. Musikalisch wurde der Festakt von Anna Mittner, einer geborenen Melchowerin, und Christoph Bornheimer umrahmt.

Abschließend rief Bürgermeister Kühn die Gäste in der Dorfkirche auf, bei den kommenden Wahlen zu den Kommunalvertretungen, dem Europaparlament und zum Landtag Brandenburg ihr Stimmrecht wahrzunehmen. „Eine Partei nur aus Protest zu wählen, wäre nicht so schön“, erklärte der Melchower.

Am 1. Juni steht ein großes Kinder- und Vereinsfest auf dem Programm der Feierlichkeiten, die Freiwillige Feuerwehr Melchow begeht am 13. Juli ihren 100. Geburtstag. Das Festwochenende findet dann vom 6. bis 8. September statt. Am 7. September gibt es den Festumzug.

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