Die Abteilungen 1 und 2 aus Bernau sollen dem OSZ II Barnim in Eberswalde zugeschlagen werden. Dessen Bezeichnung wird in "Oberstufenzentrum Barnim" geändert. Am Standort Bernau soll lediglich das Berufliche Gymnasium, "ergänzt um ein allgemeinbildendes Angebot", verbleiben. Das geht aus einem Beschlussantrag vor, den der Kreistag in seiner Juni-Sitzung behandeln sollte.

Corona verhindert Tagung des Kreistags

Doch dazu wird es erst einmal nicht kommen. Der Vorsitzende des Kreistages, Othmar Nickel (CDU), hat es abgelehnt, die Vorlage ohne Behandlung in den Fachausschüssen auf die Tagesordnung des Plenums zu nehmen. Doch die kommen wegen der Corona-Krise schon seit Wochen nicht mehr zusammen und werden wohl auch in den nächsten Wochen nicht tagen. Damit ist der für diesen Sommer avisierte Termin der Auflösung des OSZ I erst einmal hinfällig. Doch schon jetzt bringen sich Bernaus Kommunalpolitiker in Stellung.
Als die Fraktionsspitzen der Stadtverordnetenversammlung jüngst im Hauptausschuss zusammen kamen, wurde das Thema erstmals öffentlich. Daniel Sauer (CDU) brachte es zur Sprache. Ihm sei die geplante Auflösung des OSZ I "zu Ohren gekommen", sagte er. "Ich höre das zum ersten Mal und bin total überrascht", erklärte Cassandra Lehnert (SPD). Doch diejenigen Mitglieder des Gremiums, die auch ein Kreistagsmandat haben, wussten offenbar Bescheid. "Es ist dem Vorsitzenden des Kreistages zu verdanken, dass das Umlaufverfahren gestoppt wurde", lobte Péter Vida (BVB/Freie Wähler) Othmar Nickel (CDU). "Das Vorhaben der Kreisverwaltung war es, die Vorlage im Mai/Juni durchzuwinken", setzte Vida hinzu.
Aufgrund seines Amtes könne er sich dazu nicht äußern, erwiderte Nickel, bekräftigte aber: "Diese Vorlage wird definitiv nicht im Juni behandelt, weil die Mitbestimmung des Kreistages nicht möglich ist." Und dann setzte er noch hinzu: "Hier geht’s um die gesamte Bildungslandschaft im südlichen Barnim!"

Bernaus Bürgermeister André Stahl protestiert

Auch Bürgermeister André Stahl (Linke) kündigte für die Stadt an: "Wir stellen uns einer etwaigen Zusammenlegung der beiden Oberstufenzentren entschlossen entgegen!" Es gehe um eine nachhaltige Berufsbildungslandschaft im Niederbarnim, betonte er. Wenn es am Standort Bernau keine Berufsbildung mehr gebe, dann würden die Schüler gleich nach Berlin-Weißensee abwandern. "Da haben sie Berufsschule und Ausbildungsbetrieb gleich beieinander", prophezeite er.
Ganz falsch dürfte der Rathauschef mit dieser Prophezeiung nicht liegen. Denn entsprechende Erfahrungen, was passiert, wenn eine Abteilung des OSZ von Bernau nach Eberswalde verlagert wird, sind im Niederbarnim noch gut in Erinnerung. Erst zum Schuljahr 2018/19 war die Abteilung 3 (Sozialwesen) aus dem Niederbarnim in die Kreisstadt abgezogen worden. Daraufhin hatte sich beispielsweise eine Reihe von angehenden Erzieherinnen und Heilerziehungspflegern aus dem Niederbarnim in Richtung Berlin orientiert.