Corona
: Das sagt eine Krankenschwester zur Situation im Klinikum Bernau

Eine Fachkrankenschwester im Immanuel Klinikum Bernau spricht darüber, wie Corona ihren Alltag bestimmt.
Von
Jenny Jörgensen
Bernau
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"Ich fühle mich auf der Intensivstation bei uns sicher": Fachkrankenschwester Anja Buchholz arbeitet seit mehr als 20 Jahren im Immanuel Klinikum Bernau.

Jenny Jörgensen

Frau Buchholz, wie haben Sie den Beginn der Pandemie erlebt?

Zunächst habe ich, wie vermutlich viele, in den Nachrichten verfolgt, was in den Ländern, besonders Italien und Spanien, im Zusammenhang mit Covid–19 passierte, wie es den Menschen dort ging und wie vor allem das Gesundheitssystem an seine Grenzen gekommen ist. Ich empfand die ganze Situation als sehr erschreckend und beängstigend. Dementsprechend habe ich versucht, mich darüber zu informieren, was auf uns zukommen könnte.

Und haben sich Ihre Befürchtungen bewahrheitet?

Wir haben in unserem Krankenhaus, bevor die ersten Patienten mit Verdacht auf Covid–19 aufgenommen wurden, dafür unseren Anbau eröffnet. Das bringt uns in die glückliche Lage, ausreichend Platz für Patienten zu haben und gleichzeitig einen ausreichenden Abstand — somit Schutz für alle anderen Patienten und auch Mitarbeiter.

Was hat sich für Sie in Ihrer Arbeit seit Covid–19 verändert?

In meiner eigentlichen Arbeit hat sich nicht wirklich viel verändert. Was sich verändert hat, sind die Umstände. Ich benötige insgesamt mehr Zeit — vor allem vor dem Betreten des Zimmers und beim Verlassen. Um die Schutzkleidung richtig anzulegen und auch im Nachhinein zu entsorgen, muss man immer konzentriert sein. Ebenfalls überlege ich sehr genau, was ich vor dem Betreten des Zimmers benötige, um meine Patienten zu versorgen. Eine gute Zusammenarbeit und gute Kommunikation mit den Kollegen in diesem Bereich ist unerlässlich! Ein großer Unterschied zu der Versorgung von Patienten außerhalb der Pandemiezeit ist das Fehlen der Angehörigen oder Zugehörigen der Patienten. Es ist ein nicht unerheblicher Faktor in der Behandlung von Patienten im Krankenhaus und besonders auf einer Intensivstation. Die Motivation und Unterstützung von Familie und Freunden ist sehr wertvoll und hat großen Einfluss auf die Psyche und zur Prävention von Angst.

Wie geht es Ihnen in der aktuellen Situation?

In der aktuellen Situation geht es mir gut, ich fühle mich sicher bei uns auf der Intensivstation. Wir befinden uns in der glücklichen Lage, bisher ausreichend Schutzmaterialien zu erhalten. Ich bin sehr stolz darauf, dass wir als Team der Intensivstation – Ärzte, Pflegende, Atmungstherapeuten und alle anderen – wirklich gut miteinander und auch füreinander arbeiten. Bisher haben wir alle Situationen gut zusammen meistern können. Was die nächsten Tage und Wochen bringen werden, kann ich nicht sagen. Dennoch bin ich froh, nicht diese Situationen erleben zu müssen, die derzeit in Italien, Spanien, Großbritannien oder den USA herrschen.

Was wünschen Sie sich als Pflegekraft  von der Gesellschaft für die Zeit nach der Corona–Pandemie?

Ich würde mir wünschen, uns als Pflegende im Gesamten, unerheblich, wo wir tätig sind, in dem gleichen Licht zu sehen, wie jetzt in der Krisenzeit. Ich würde mir wünschen, dass mehr Menschen den Stellenwert der Pflege erkennen und auch mehr junge Menschen einen Beruf in der Pflege erlernen möchten. Wir brauchen auch in Zukunft eine gute und ausreichende medizinische Versorgung, im Sinne von Pflegenden, Ärzten, Physiotherapeuten, Psychologen, Atmungstherapeuten und vielen mehr. Von Seiten der Politik erwarte ich dazu  mehr Unterstützung  — nicht „Bettenabbau“ in den Krankenhäusern, sondern Ausbau und Förderung. Ich wünsche mir auch noch mehr Möglichkeiten der Spezialisierung und Weiterbildungen in der Pflege und die Förderung von Fähigkeiten — nicht Zeitdruck und den Abbau von Stellen.

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