Corona-Krise: Einkaufen für den Notfall ist in Bernau auch ohne Stress möglich
Ja, Brot werde gekauft, auch Brötchen, manchmal Kuchen. Aber Kaffee gehe bisher nur "to go“. Es ist Donnerstag, kurz nach zehn Uhr. Der Kaufpark Eiche, eines der größten Einkaufszentren in der Region, liegt (fast) im Dornröschenschlaf. „Ist ja wie eine Geisterstadt“, ruft die vorbeigehende Friseurin der Verkäuferin zu und winkt.
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Seit Mittwoch sind hier die meisten Geschäfte, wie in ganz Brandenburg, geschlossen. Doch es gibt Ausnahmen, auch in Eiche. Die Apotheke hat geöffnet, der Drogeriemarkt ebenfalls. Im Restaurant kann gefrühstückt werden, doch an den Tischen verlieren sich nur wenige Menschen. Eine Optiker-Filiale bietet einen „Notdienst“ von 12 bis 19 Uhr an. Sehtests würden nicht durchgeführt, auch mögen die Kunden mit Karte bezahlen, verkündet ein Schild.
In einem Süßwarengeschäft werden Schokohasen mit dreißigprozentigem Rabatt angeboten – und das drei Wochen vor dem Fest. Der große Elektronik-Markt hat die Gitter heruntergelassen, das Spielzeuggeschäft macht keinen Umsatz mehr und Reisen sind in diesem Jahr wohl auch kein Thema mehr.
„Wir haben mit Mitarbeitern des Ordnungsamtes Ahrensfelde einen Rundgang gemacht und auf die Verordnung hingewiesen“, sagt Frank Lemke vom Center-Management. Dabei sei man durchaus auf viel Verständnis gestoßen. „Die Maßnahmen sind einfach notwendig, das sehen inzwischen viele ein.“, so Lemke.
Im Kaufland sind am Vormittag acht Kassen geöffnet. Vor jeder stehen dicht hintereinander acht bis zehn Menschen – so wie immer. Von dem dringenden Rat, auch der Kanzlerin, untereinander wenigsten einen Abstand von 1,50 Meter bis zwei Meter einzuhalten, scheint hier noch niemand etwas gehört zu haben. Die Wagen sind gut gefüllt. Toilettenpapier ist dabei, aber vor allem Gläser und Konserven. „Man weiß schließlich nicht, wie lange man noch einkaufen kann“, sagt Frank Rudnik. Da sei es gut, einen kleinen Vorrat im Haus zu haben. „Ansonsten versuche ich, die Hygieneregeln einzuhalten“, so der Berliner.
Ein paar Kilometer weiter, in Werneuchen, funktioniert die „Abstands-Regel“ im Drogerie-Markt an der Poststraße bereits ganz gut. Die Kassiererin trägt Handschuhe, das Wechselgeld wird nicht mehr in die Hand gegeben, sondern auf ein kleines Tablet gelegt. "Bleiben Sie gesund“, verabschiedet sich eine ältere Frau von der Kassiererin.
Der Edeka-Markt auf der anderen Straßenseite ist gegen Mittag gut besucht. In den Regalen gibt es große Lücken, einige Waren werden aber durch Mitarbeiter aufgefüllt. Drei Kassen sind geöffnet, eine vierte kommt hinzu. Auch beim Discounter nebenan kaufen die Werneuchener ein. Besonders hektisch geht es dabei nicht zu, die Kunden verhalten sich unaufgeregt. Ein Mann wischt sich, nachdem er den Einkaufswagen abgestellt hat, die Hände mit einem Desinfektionstuch ab.
Blumen im Online-Shop
Im gedämpften Licht liegt die Bahnhofs-Passage Bernau. Die meisten Geschäfte sind auch hier geschlossen, etwa das Naturkaufhaus, der Juwelier und der Schuhladen. Im Reise-Center SRW sitzt zwar eine Mitarbeiterin am Computer, die Tür ist aber mit zwei Sesseln verstellt. "Wir sind traurig. Wir können nicht für Sie da sein. Wir helfen damit, die Coronaviren zu stoppen“, steht auf dem Schild am Shop eines Kaffeerösters.
Ein Blumengeschäft verweist auf sein Online-Angebot, der Gastronomie-Bereich auf der Brücke ist mit rot-weißem Band abgesperrt. Das Edeka-Center bietet das Bild, das wohl in diesen Tagen überall in der Republik zu beobachten ist – lange Schlangen, gut gefüllte Einkaufswagen und die bekannten Lücken im Sortiment. Ein Schild informiert die Bernauer: Bis zum 4. April ist nur noch von 8 bis 20 Uhr geöffnet.
Mittagessen nur noch „to go“
„Es kommen momentan schon weniger Kunden“, beobachtet Marc Kunert von „Zoo & Co.“ Das liege möglicherweise aber auch daran, dass viele nicht wüssten, dass das Fachgeschäft geöffnet habe. Es sei eben „ein bisschen dunkel“ in der Passage. Ansonsten gebe es aber keine Engpässe bei den Waren. "Alles, was der Tierliebhaber braucht, ist da“, versichert Kunert.
In der Bernauer Innenstadt sind am Nachmittag bedeutend weniger Menschen unterwegs als sonst üblich. In der Filiale der Sparkasse Barnim an der Brauerstraße wird Geld abgehoben, ein Schild erinnert an den „Sicherheitsabstand von 1,5 Meter“. Diesen Hinweis findet man auch bei „Nahkauf“ an der Brüderstraße. Den Mittagstisch, der gewöhnlich angeboten wird, gibt es zwar noch – allerdings nicht mehr vor Ort. Bereits seit Montag können die Gerichte nur noch nach Hause oder zur Arbeitsstelle mitgenommen werden.
Im Kaffeehaus „Jeanette“ gibt es Eis und Kuchen nur draußen. „Noch ist das Wetter ja angenehm“, meint Jennifer, die sich mit ihrer Freundin Nicole zu einem Plausch getroffen hat. Größere Angst vor dem Coronavirus haben die jungen Frauen nicht. "Wir sind jung und gesund, aber wir passen auch schon etwas mehr auf“.
Eine ältere Frau ist da nicht so optimistisch. "Wer weiß, was da noch alles auf uns zukommt“, sagt sie und fährt mit ihrem Rollator davon.


