Drachenboot in Biesenthal
: 20 Jahre Wukey's – von der Schnapsidee zum Team

Einen Schlachtruf haben sie nicht, doch es geht schon seit 20 Jahren ohne. Die Wukey's aus Biesenthal feiern ihren Vereinsgeburtstag. Alles begann mit einem Fun-Rennen.
Von
Hans Still
Biesenthal
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Mit kraftvollen Zügen dabei - beim Drachenbootrennen kommt es besonders auf das synchrone Paddeln an.

Die Wukey's aus Biesenthal: Mit kraftvollen Zügen dabei - beim Drachenbootrennen kommt es besonders auf das synchrone Paddeln an.

Annett Henke

Parallelwelten gibt es viele – ob Reiter, Biker, Kegelbrüder oder Funker, überall kommen Menschen mit Herz und Leidenschaft für ein bestimmtes Hobby zusammen. Nicht anders war es beim Biesenthaler Andreas Kalle, der vor 20 Jahren mit einigen Freunden auf die verrückte Idee kam, bei einem Drachenboot-Rennen in See stechen zu wollen.

„Das war ein Fun-Rennen, purer Spaß brachte uns auf die Idee“, erzählt der 66-jährige Rentner aus Biesenthal von den Anfängen der Wukey’s. Inzwischen steht der Name für einen quirligen Biesenthaler Verein, der nicht nur 96 Mitglieder hat, sondern auch einen ziemlich guten Ruf.

Fahrplan für die große Festveranstaltung steht

Kalle ist der Präsident des Vereins und verfügt dieser Tage über wenig Zeit.  Auf dem Vereinsgelände neben dem Strandbad am Großen Wukensee sind Zelte aufgebaut worden, eine Tribüne lädt zu großen Reden ein - der Fahrplan für die interne Festveranstaltung (24. August) des Vereins steht. „Wir feiern 20 Jahre Wukey’s und sind ziemlich stolz darauf“, bestätigt Gründungsmitglied Kalle.

Der Spaß ist den Paddlern in 20 Jahren nicht abhandengekommen. Dennoch braucht das Wukey's-Rennboot aus Gründen der Fairness bei Fun-Wettbewerben nicht mehr anzutreten. „Wir trainieren ziemlich aktiv und fahren Freizeitmannschaften mittlerweile in Grund und Boden“, so Kalle, ohne dabei großspurig wirken zu wollen. „Es gibt ja das jährliche Drachenbootrennen in Zerpenschleuse. Da würden wir sicher mit zehn bis 15 Sekunden Vorsprung gewinnen. Das wäre für andere Teams demotivierend“, ordnet der Präsident seine Aussage ein.

Tatsächlich gibt es eine vitale Drachenboot-Rennszene, die an jedem Wochenende zu Wettbewerben einlädt. Ob in Riesa, Halle oder Cottbus, dort treffen die Wukey’s zuweilen auf Gegner, mit denen nicht gut Kirschenessen ist. „Die richtigen Profis trainieren Tag für Tag ihre Fitness, gehen laufen, absolvieren Krafttraining und entwickeln eine Stärke, gegen die wir auf dem Wasser nicht immer ankommen können“, gibt sich Andreas Kalle realistisch.

In zwei Jahrzehnten etliche Pokale errungen

Dennoch konnten die Wukey’s in den vergangenen zwei Jahrzehnten etliche Pokale gewinnen und gelten bei Indoor-Wettkämpfen durchaus als ernstzunehmender Gegner. „Beim Indoor geht es wie beim Tauziehen zu, nur dass nicht gezogen, sondern geschoben wird. Sechs oder acht Paddler sitzen im Boot und dann wird gegeneinander gepaddelt“, beschreibt der Biesenthaler den Ablauf der Wettkämpfe im Becken.

Im Wettkampf mit der Konkurrenz - das Wukey's-Team kämpft sich in Richtung Spitze.

Im Wettkampf mit der Konkurrenz - das Wukey's-Team kämpft sich in Richtung Spitze.

Annett Henke

Besonders freut ihn nach 20 Jahren Vereinstätigkeit, wie breit die Wukey’s inzwischen aufgestellt sind. Es bestehen die Sektionen Kinder und Jugend, mit dem „Werkstatt-Team“ eine Handicap-Mannschaft und daneben das Wettkampfteam „Wukey’s“. Im Wettkampfboot sitzen dann 16 oder 20 Paddler, die nicht immer jung und kräftig sein müssen. „Das A und O beim Drachenboot ist das zeitgleiche Paddeln aller. Vorn wird der Takt vorgegeben, der Trommler zeigt den Takt an und jeder Sportler blickt auf den Vordermann, sodass im Idealfall total synchron und kraftvoll gepaddelt wird“, beschreibt Kalle die Theorie.

Dabei sind die Mannschaften bunt gemischt. Von der Pflegekraft bis zum Geschäftsführer reicht das berufliche Spektrum der Frauen und Männer, die sich mit viel Begeisterung im Boot verausgaben. „Es sind wirklich viele Berufsgruppen vertreten. Auffallend ist allerdings, dass wir keinen Paddler ohne Arbeit in unseren Reihen haben“, heißt es überraschend. Dabei sorgt der Verein mit Bedacht dafür, dass mit 90 Euro jährlich der Beitrag der Erwachsenen überschaubar bleibt.

Ein festes Vereinsheim wäre ein Traum

Zum Geburtstag gibt es natürlich auch Wünsche. Ein Vereinsheim wäre beispielsweise schön, mit festen Räumen, die ganzjährig nutzbar sind. „Wir haben ja Zelte auf dem Vereinsgelände, aber ein Vereinshaus wäre ein Traum für uns“, unterstreicht Andreas Kalle. Gern könnten auch noch mehr Interessenten zum Verein dazu stoßen.

Jüngere Paddler etwa, die sich für den Wassersport begeistern könne. „Bei mir war es aebenfalls so, ich war jahrelang Rettungsschwimmer, weil Wassersport mir nun einmal Freude bereitet“, erinnert sich der Biesenthaler, der zum Vereinsjubiläum natürlich auch Sponsoren eingeladen hat. TZMO und die Hoffnungsthaler Werkstätten gehören beispielsweise zu den Spendern im Hintergrund, die das rege Vereinsleben mit ihren Hilfen ermöglichen.

Eine Besonderheit verdient übrigens zusätzliche Aufmerksamkeit: „Bei uns paddelt der Vorstand mit“, heißt es verschmitzt bei Andreas Kalle, der bis zu seiner Pensionierung Werkzeugmacher in den Hoffnungsthaler Werkstätten war. Und schließlich kommt die Rede auf einen Schlachtruf. Den gibt es seit 20 Jahren nicht. „Auf Wukey’s reimt sich nichts, was griffig klingt“, beklagt der Präsident. Erzwingen will er aber nichts. „Dann paddeln wir eben ohne Schlachtruf weiter, vielleicht fällt uns in 20 Jahren zur Feier etwas ein“, heißt es abschließend