Einzelhandel
: Bon-Pflicht und Bon-Frust im Barnim

Kunden halten die seit Anfang des Jahres geltende Pflicht zum Ausdrucken der Bons für unsinnig und umweltschädlich.
Von
Olav Schröder
Bernau
Jetzt in der App anhören
  • Bon für Bon: Saskia Rast von der Bäckerei Franke in Biesenthal nimmt das neue Gesetz auch mit Humor. Denn mancher Kunde findet es schon lästig, wenn er immer wieder gefragt wird, ob er einen Bon wünscht.

    Bon für Bon: Saskia Rast von der Bäckerei Franke in Biesenthal nimmt das neue Gesetz auch mit Humor. Denn mancher Kunde findet es schon lästig, wenn er immer wieder gefragt wird, ob er einen Bon wünscht.

    Sergej Scheibe
  • Und noch einer: Bäckerei Rathay in Klosterfelde bietet ebenfalls eine Ablage für nicht gewollte Bons an.

    Und noch einer: Bäckerei Rathay in Klosterfelde bietet ebenfalls eine Ablage für nicht gewollte Bons an.

    Sergej Scheibe
1 / 2

Es fallen deutliche Worte, wenn es um die seit Anfang des Jahres geltende Kassenbonpflicht geht. Die vom Bundestag bereits vor drei Jahren beschlossene Einführung des Gesetzes wird zwar von den Verkaufseinrichtungen, in denen sich die MOZ umsah, eingehalten. Doch die Umstellung wird von der großen Mehrheit der Kunden zum Beispiel bei Bäckereien als unsinnig und umweltschädigend angesehen.

Seit Anfang des Jahres müssen Händler, die über ein elektronisches Kassensystem verfügen, einen Bon ausdrucken, unabhängig davon, ob es der Kunde wünscht oder nicht. So sollen alle verkauften Waren registriert und Steuerbetrug verhindert werden. Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) spricht von Milliardenbeträgen, die jährlich durch Umsatzsteuerbetrug verloren gehen.

„Beim Bäcker brauche ich keinen Bon“, erklärt Monika Lange, die in der Bäckerei Rathay in Klosterfelde gerade einkauft. In einem Lebensmittelmarkt mit einer langen Liste sei das anders. Doch sonst sei die Bonpflicht „umweltfeindlich“. Volker Fengler steht neben ihr und nennt den Papierverbrauch eine „Umweltsünde. Man schmeißt den Bon doch einfach weg“. Eine weitere Kundin stimmt dem zu: Bei größeren Einkäufen oder wenn man den Bon für die Garantie bei Elektrogeräten benötigt, ist das etwas Anderes“, erklärt sie.

Das Umweltargument hat das Kölner EHI-Institut des Handels bestätigt: Es rechnet mit 5,7 Millionen Kilogramm zusätzlichem Kassenpapier im Jahr. Dafür müssten 8500 Fichten gefällt werden.

Die elektronische Speicherung würde doch genügen, da die Bons meist nur weggeworfen werden, sagt ein Kunde. Das ist aber auch keine Lösung. Zumindest nicht, wenn es sich um Thermopapier mit einer Bisphenol A-Beschichtung handelt, gehört der Bon nicht zum Altpapier, sondern in den Restmüll. Der Schadstoff kann durch Hautkontakt aufgenommen werden und das Hormonsystem belasten, warnen Hersteller und Bundesumweltamt.

Auch vor dem Jahreswechsel haben Kunden in der Bäckerei Rathay oder im Café zum Schlossberg der Bäckerei Franke in Biesenthal schon einen Bon erhalten, wenn sie es denn wollten. „Mancher Kunde fühlt sich jetzt aber belästigt, wenn er bereits das dritte oder vierte Mal gefragt wird, ob er einen Bon haben möchte“, hat Saskia Rast von der Bäckerei Franke festgestellt. Dort wie auch in Klosterfelde und in der Bernauer Bäckerei Cornelius stehen eine Schale beziehungsweise ein Papierkorb bereit, in dem die Kunden den zwangsweise ausgedruckten Bon mit der Mini-Quittung gleich fachgerecht entsorgen können. "Die Kunden sind wirklich genervt, sie wollen ihn nicht“, begründet Verkäuferin Renate Grüttner die Vorsorgemaßnahme. Jan Nagel, der mit seiner Familie gerade einen Einkauf erledigt hat, bestätigt das und gibt darüber hinaus zu bedenken, dass die Regelung Zeit kostet, gerade wenn mehrere Kunden im Laden sind. Den Umweltaspekt schätzt er im Vergleich zu anderen Belastungen als weniger gravierend ein.

Umbau mit Warteliste

Mit der Einführung des Gesetzes ist der Aufwand für den Handel nicht abgeschlossen. Die Kassen erhalten eine Technische Sicherheitseinrichtung (TSE) aus Sicherheitsmodul, Speichermedium und digitaler Schnittstelle. So können aufgezeichnete Daten nicht verändert oder gelöscht, aber von der Finanzbehörde geprüft werden. „Die TSE-Technik ist aber noch nicht verfügbar“, sagt Danuta Wieland, Inhaberin der Klosterfelder Bäckerei Rathay. „Wir haben sie bestellt, stehen auf der Warteliste.“ Die Einbaufrist sei bis September verlängert worden. Zum Umbau müsse die Kasse eingeschickt werden. „Bis wir sie zurückbekommen, ist jedes verkaufte Brötchen aber anders zu erfassen“, sagt Danuta Wieland.