Erntedank 2023 Rüdnitz
: Wie ein zünftiges Fest ein Dorf verbindet und Menschen zusammenführt

„Jeder kann mitmachen“ ist eine Einstellung, die auf dem Dorf besonders zählt. Als gutes Beispiel kann Rüdnitz gelten. Dort packen gerade alle an, denn das Erntedankfest steht bevor. Was es bietet und wer die Macher sind.
Von
Hans Still
Rüdnitz
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  • Biobauernhof Nahs in Rüdnitz: Michelle und Christopher Nahs bereiten ihren Hof für das Erntedankfest vor, das am Wochenende zu erleben ist.

    Biobauernhof Nahs in Rüdnitz: Michelle und Christopher Nahs bereiten ihren Hof für das Erntedankfest vor, das am Wochenende zu erleben ist.

    Hans Still
  • Hübsch anzusehen: Strohpuppen kündigen das bevorstehende Erntedankfest in Rüdnitz an.

    Hübsch anzusehen: Strohpuppen kündigen das bevorstehende Erntedankfest in Rüdnitz an.

    Hans Still
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Wenn es doch überall so einfach wäre: „Jeder kann mitmachen“ lautet die Grundidee, die der Heimat und Landschaftsverein Rüdnitz besonders populär platziert hat. Im jüngsten Flyer des im Februar 2018 gegründeten Vereins bekommt dieser inhaltliche Ansatz einen hervorgehobenen Platz, um gleich entdeckt zu werden. „Wir wollen unsere dörflichen Strukturen erhalten. Uns geht es um heimatliches Brauchtum, um die Geschichte unseres Dorfes und um den Zusammenhalt“, antwortet Vereinsvorstand Christina Straube auf die Frage, welchen Zielen sich der junge Verein verschreibt. Das Thema steht nicht allein deshalb im Raum, weil Rüdnitz ein Ort mit bemerkenswertem Zuzug ist. Viele junge Familien finden neue Heimat im Ort, der mit einer Bundesstraße und einer Bahnlinie nach Eberswalde und Bernau/Berlin hervorragend angebunden ist.

Die Zuzügler wollen in Rüdnitz wurzeln und bekommen mit dem Verein das Angebot, sich einzubringen und dabei andere Einwohner kennenzulernen. Aus den 15 Gründungsmitgliedern von 2018 ist inzwischen eine Gemeinschaft von 42 Erwachsenen und zehn Kindern geworden. „Kein Verein ist jünger als wir, wir wachsen weiter“, heißt es daher mit Stolz.

Gelegenheit zum Anpacken und Kennenlernen

Am kommenden Wochenende bietet sich in Rüdnitz einmal mehr die Gelegenheit zum Anpacken und zum Kennenlernen neuer Einwohner. Das bevorstehende Erntedankfest wirft seine Schatten voraus. Im Ort sind die Vorboten unübersehbar. „Die Strohpuppen sind doch echt attraktiv geworden“, freut sich Christopher Nahs (32), Landwirt in Rüdnitz. In der Ferne sieht er auf der Dorfstraße eine Gruppe junger Männer heranschlendern, er nimmt sie mit Handschlag in Empfang. „Das sind Helfer, die gleich anpacken werden, denn wir müssen unseren Hof für das Erntedankfest vorbereiten“, erklärt Nahs dazu.

Noch steht ein Radlader mitten auf dem Hof, eine rote Schubkarre drängt sich ins Bild. Bis zum Sonnabend werden nicht nur diese Belege aktiver Landwirtschaft auf dem Hof des Familienbetriebes verschwunden sein. Michelle und Christopher Nahs haben einen Lageplan vor sich, der für sämtliche Stände einen Bestimmungsort vorgibt. „Der Innenhof kommt voller Stände und auch der hintere Bereich, wo jetzt die Hühner sind“, erzählt Christopher Nahs dazu. Bis dahin ist noch allerhand zu tun. Aufräumen, umstellen, aus dem Sichtfeld rücken, schließlich sollen die Gäste sich auf dem klassischen Vierseitenhof der Familie Nahs wohlfühlen.

Wenn am Sonnabend (30. September) ab 10 Uhr in der Dorfstraße 15 das Hoftreiben beginnt, dürfen die Gäste das Profil des Familienbetriebes intensiv kennenlernen. Dazu gehören beispielsweise 60 Galloway–Rinder, die an verschiedenen Standorten auf der Weide stehen. Monatlich wird ein Rind verwertet, was nichts anderes bedeutet, als dass die Fleischerei Ortlieb in Althüttendorf das hochwertige Galloway–Fleisch zu Wurst und anderen Spezialitäten verarbeitet. „Es sind biozertifizierte Produkte“, merkt Nahs dazu an. Weit über Rüdnitz hinaus ist Nahs als einer der Barnimer Hühnerbauern bekannt, der mit einem sogenannten Hühnermobil arbeitet. 8000 Eier legen die 300 Hennen monatlich, davon verkauft er allein 6000 Eier direkt auf dem Hof. „Das Dorf kauft bei uns ein, so wird es auch ab Sonnabend sein“, sagt Nahs voraus. Fleisch und Wurst seiner Rinder, seiner Kamerunschafe, aber auch Obst und Gemüse vom Biohof Eichhorn, frische Säfte, Honig aus dem Ort und andere Bioprodukte wird es am Sonnabend und am Sonntag auf dem Hof geben. „Daneben veranstalten wir sehr viel für Kinder. Und das sind nicht nur die Hüpfburgen und Kremserfahrten“, präzisiert Christopher Nahs. Natürlich werden der Grill angezündet und ein Fass Frischbier angezapft, zumal am Samstagabend ab 18 Uhr ein zünftiger Erntetanz zur flotten Bewegung einlädt.

Der Sonntag beginnt, wie es sich auf dem Dorf gehört, mit einem Gottesdienst in der Kirche (Beginn 9 Uhr). Die Erntekrone, sagt Nahs voraus, muss vor der Kirche geweiht werden, denn sie passt wegen ihrer opulenten Größe nicht durch den Rahmen der Tür. Nach dem Gottesdienst und der Weihe durch Pfarrer Christoph Brust gibt es einen kleinen Traktorenumzug durch das Dorf. Ziel ist die Gaststätte „Zum fröhlichen Gustav“. Dort wird gegen 10.30 Uhr die Erntekrone aufgezogen. Danach geht es fröhlich auf dem Biobauernhof Nahs weiter. Frühshoppen, Kuchenbasar, Kinderspiele und Kuschelzeit für Pferde und Schafe — mit diesen Angeboten wollen die Rüdnitzer Eltern und Kindern beim Erntedank eine schöne Zeit bieten.

Mit der Ente 2023 nicht unzufrieden

Bleibt schließlich die Frage an den Landwirt, wie die Ernte 2023 überhaupt ausgefallen ist. Die Antwort ist eher positiv, als von Sorgen geprägt. „Es fehlte anfangs etwas Regen, aber insgesamt verlief der Sommer bei Weitem nicht so trocken wie in den Vorjahren. Wir konnten auf dem Grünland einen guten zweiten Schnitt machen, um Futter für unsere Tiere reinzuholen. Und auch bei den Kartoffeln sind wir nicht unzufrieden. Unser Getreide dient komplett als Futter, auch in dieser Sparte passt es für uns.“

Somit bestehen für Christopher Nahs Mutter Nanett sowie für seine Frau Michelle gute Gründe, zufrieden Erntedank zu feiern. „Wir treffen unsere Rüdnitzer Bürger und viele Geschäftspartner an diesem Wochenende. Kurzum, wir freuen uns darauf“, blickt Nahs voraus. Und auch Vereinsvorstand Christina Straube steckt voller Vorfreude: Das Erntedankfest gehört für den Verein zu den Vorhaben, die unter die Grundidee „Jeder kann mitmachen“ fallen.

Nachhall - Das Barnim-Echo der Woche
Freitag um 16.30 Uhr
Was bewegt den Barnim? Was bewegt sich zwischen Bernau und Eberswalde? Im Nachhall des Barnim-Echos greifen wir jeden Freitag die wichtigsten Themen der Woche auf und setzen Akzente für die kommende Woche.