Fast 200 Menschen verfolgen am Sonnabendnachmittag das Testspiel der Kreisligisten vom SV Biesenthal und dem SV Rüdnitz/Lobetal. Ein heißer Sommertag. Endlich wieder Fußball auf dem Sportplatz am Heideberg. Die Stimmung ist gut, aber kurz vor dem Anpfiff wird es für einen Moment mucksmäuschen still auf der Anlage. Kurz vor dem Anpfiff ruft Biesenthals Vereinsvorsitzender Andreas Koepke-Daum Spieler und Gäste zu einer Schweigeminute für die Opfer der Flutkatastrophe in Westdeutschland auf. Man kann sprichwörtlich das Gras wachsen hören. So leise wird es trotz der vielen Gäste auf dem Platz.

Eintritt wird gespendet – die Zuschauer zahlen üppig

Doch nicht nur dieser Moment ist beeindruckend an diesem Nachmittag in Biesenthal. Schon eine halbe Stunde zuvor staunen Anreisende über die gläserne Spendendose, über die Mandy Tirok und Janine Rost vom SV Biesenthal am Eingang zum Sportplatz wachen. Es ist keine normale Testpartie. Die beiden Vereine haben sie zum Benefizspiel zu Gunsten der Hochwasseropfer erklärt. Der Eintritt wird gespendet. Die Zuschauer sollen selbst festlegen, was sie zahlen. Und sie sind großzügig. Sehr sogar. Durch das Glas schimmern nicht nur 20- und 50-Euro-Noten. Es sind sogar ein paar Zweihunderter dabei. Janine Rost trägt alles in eine Liste ein. Schon 30 Minuten vor dem Anpfiff liegen fast 3000 Euro im Glas.

„Das ist Wahnsinn“

Fast drei Stunden später wird eine noch viel größere Summe verkündet werden. Exakt 66.359 Euro können nun aus Biesenthal in die besonders vom Hochwasser betroffene Verbandsgemeinde Altenahr im Kreis Ahrweiler (Rheinland-Pfalz) überwiesen werden. Davon sind allein am Sonnabend 10.000 Euro zusammengekommen. „Das ist Wahnsinn, damit haben wir nicht gerechnet“, zeigt sich Tobias Michelson, linker Außenverteidiger beim SV Rüdnitz/Lobetal, tief beeindruckt. Der 33-Jährige hatte die Idee für das Benefizspiel. „Das Schicksal der Menschen hat mich bewegt. Gerade Ahrweiler hat es schlimm getroffen.“ Es gab dort etwa 50 Tote. Viele Häuser wurden zerstört. „Bei Instagram habe ich gesehen, dass andere kleine Vereine Benefizspiele organisieren. Da dachte ich, warum machen wir das nicht auch?“

„Wir waren sofort Feuer und Flamme“

Michelson schrieb seine Idee in den Gruppenchat der Mannschaft. Verein und Mitspieler waren sofort dabei. Auch der SV Biesenthal sagte zu, dass Testspiel war ohnehin schon angesetzt. „Wir waren sofort Feuer und Flamme“, erzählt der SV-Vorsitzende Koepke-Daum. „Wir kleinen Vereine halten zusammen und helfen in der Not. Und wir zeigen, dass wir unseren Beitrag leisten können, dass es in den Menschen in den betroffenen Gebieten irgendwann wieder besser geht.“ Gastronomen, Firmen und auch andere Vereine aus der Gegend seien auf den Zug aufgesprungen und hätten die Aktion ebenfalls unterstützt.

Wukeys spenden 500 Euro

So taucht auch Andreas Kalle vom Biesenthaler Drachenbootsportverein „Wukeys“ am Sonnabend bei den Fußballern auf. Mit dabei hat er einen Scheck über 500 Euro auf. „Natürlich unterstützen wir die Initiative. Das Geld kommt aus der Vereinskasse“, sagt er.

Michels Gruppe steuert mehr als 50.000 Euro bei

Beeindruckt von derlei Engagement zeigt sich in Biesenthal auch Kai-Uwe Michels, Chef des familiengeführten Michels Gruppe, die unter anderem die Brandenburgklinik in Bernau betreibt. „Das ist gelebte Solidarität“, lobt Michels über das Stadionmikrofon. „Wir schließen uns gern an.“ Danach überreicht er einen Spendenscheck über mehr als 56.000 Euro. 50.000 Euro kommen von der Eigentümerfamilie Michels. Das übrige Geld haben Mitarbeitende der zum Konzern gehörenden Kliniken und Hotels gesammelt. „Das wird noch mehr“, sagt Michels. „Unser Aufruf läuft noch.“

„Jeder kann vom verdammten Klimawandel betroffen sein“

Als die Sturzfluten ganze Ortschaften zerstörten, habe sich für die Unternehmerfamilie nicht die Frage gestellt, ob sie helfe, sondern wie. „Jeder kann vom verdammten Klimawandel betroffen sein, egal in Nord, Süd, Ost oder West.“ Mit der großzügigen Spende wolle man nicht nur das Engagement der beiden Barnimer Sportvereine würdigen, sondern das aller ehrenamtlichen Initiativen im Land.

Geld geht nach Altenahr in Rheinland-Pfalz

Und wohin geht nun das Geld aus Biesenthal? „Uns war wichtig, das wir konkret helfen und das Geld nicht irgendwo versickert“, sagt Fußballer Tobias Michelson. Roman Stasik, der beim SV Biesenthal kickt, hat bei der Suche geholfen. „Das Geld wird in die Verbandsgemeinde Ahrweiler gehen“, sagt Stasik. „Die dortige Feuerwehr hat zwei Spendenkonten eingerichtet. Eines für die Familie eines im Hochwassereinsatz tödlich verunglückten Feuerwehrmannes. Und eines, mit denen auch anderen Opfern geholfen wird. Jetzt, wo so viel Geld zusammengekommen ist, kann ich mir vorstellen, dass wir auf beide Konten überweisen.“ Das Benefizspiel gewann der SV Rüdnitz/Lobetal übrigens mit 8:2.
Wie Brandenburg den Unwetter-Opfern hilft, lesen Sie auf einer Themenseite.

Spendenaktion der MOZ

Die Märkische Oderzeitung und die Lausitzer Rundschau rufen in Kooperation mit dem Landkreis Märkisch-Oderland zur Spendenaktion „Wir helfen“ auf.
Landkreis Märkisch-Oderland,
IBAN: DE39 1705 4040 0020 0662 95,
Stichwort: Spenden Hochwasserhilfe 2021