Gegen 4 Uhr am Sonntagmorgen (18. Juli) ging es los: Neun Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Zepernick haben sich auf den Weg gemacht nach Nordrhein-Westfalen. Ihr Ziel: die kleine Stadt Erftstadt. Die Partnerstadt der Panketaler Gemeinde Zepernick ist aktuell besonders stark vom Hochwasser betroffen. Die Barnimer Feuerwehrleute helfen nun direkt vor Ort. Es ist ihnen Herzensbedürfnis.

Vor vier Jahren war Panketal ein Krisengebiet

Bereits am Freitag sagte Thomas Bielicke, Panketals Gemeindewehrführer, im Gespräch mit der MOZ, dass man nur noch auf das ‚Go’ der Einsatzleitung vor Ort warte, um zum Hilfseinsatz aufzubrechen. Dieses kam dann am Sonnabendnachmittag.
Die Panketaler sind es gewohnt, aufzuräumen und zu helfen. Nach einer Windhose vor vier Jahren war die eigene Gemeinde Krisengebiet. Hunderte Bäume waren auf Häuser und Grundstücke gestürzt und waren zu beräumen. Tagelang waren die Feuerwehren Schwanebeck und Zepernick im Einsatz. Bei großen Waldbränden der vergangenen Trockensommer half Feuerwehrchef Thomas Bielicke selbst im Stab der Sondereinheit mit, die der Landkreis Barnim entsandt hatte. Heute sagt der 48-jährige Zepernicker: „Wir haben von unserer stellvertretenden Bürgermeisterin Cassandra Lehnert grünes Licht. Die Gemeinde unterstützt uns.“
Am Sonnabend wurde das neue Tanklöschfahrzeug gepackt, der Hänger mit Notstromaggregat und Schmutzwasserpumpe – angeschafft wegen der Überflutungen in Schwanebeck und nach einem großen Wasserrohrbruch im Bahnhofsgebäude vor einem Jahr – wurde bepackt. Bis Dienstag helfen die neun Panketaler Kameraden, die am Sonntagfrüh um 4 Uhr losgefahren sind, danach werden sie voraussichtlich ausgetauscht. „Es kommen auch Einsatzkräfte aus Schwanebeck mit“, sagt Bielicke. Die Belastung vor Ort wird groß, deshalb denken die erfahrenen Kräfte schon voraus.

Besondere Beziehung nach Erftstadt

Auch Cordula Ditz, Verwaltungsmitarbeiterin für die Feuerwehr Panketal, hat eine besondere Verbindung nach Erftstadt: Nach der Wende hat sie dort ihre Ausbildung absolviert und wurde gar verbeamtet, ehe sie nach Panketal zurückkehrte. Auch sie fiebert wie die neun Kameraden mit, die nun vor Ort helfen wollen.
Der Kontakt zu den Freunden in Nordrhein-Westfalen ist bewegend. Bielicke: „Es ist schwierig wegen der Funkverbindungen. Aber sie sind alle seit Tagen vor Ort im Einsatz, obwohl ihre eigenen Häuser zerstört und überflutet sind. Das muss man sich mal vorstellen. Wir stellen uns auf das Schlimmste ein.“

Bernauer machen sich auf den Weg nach Meckenheim

Ein Notstromaggregat und vier Kameraden machten sich um 16.45 Uhr am Sonntag von Bernau bei Berlin auf den Weg in das Katastrophengebiet. Wie Bernaus Bürgermeister André Stahl informiert, war das Gerät eigentlich für den Rathaus-Neubau angeschafft worden. Nun schickte er seine Mannen samt Technik los. „Ich habe mit dem Bürgermeister von Meckenheim telefoniert, der dankbar mein Angebot annimmt. Die Stadt ist von einem totalen Stromausfall betroffen.“
Meckenheim ist seit 1990 Partnerstadt der Niederbarnimer. Unweit von Königswinter bei Bonn hat die Überschwemmung auch diese Gegend erreicht.

Werneuchener Hilfsaufruf folgen Hunderte Familien

Derweil folgen unzählige Familien dem Aufruf von Stadtverwaltung Werneuchen, dem Serwester Hof aus Chorin und der Freiwilligen Feuerwehren der Stadt Werneuchen. Dinge des täglichen Bedarfs, konfektionierte Lebensmittel und Spielzeuge gehen auf die Reise zu den Flutopfern in Nordrhein-Westfalen in Ahrweiler. Viele sprechen von Gänsehautgefühl, denn die Not vor Ort lässt im Barnim niemanden kalt.
Wie Brandenburg den Hochwasser-Opfern hilft, lesen Sie hier.