Im Mittelpunkt des Streits steht auf der einen Seite Torsten Hoske, ein Berliner, der seit 2005 eine Parzelle auf der Anlage besitzt. Auf der anderen Andreas Sauer, der Vereinsvorsitzende.
Beide liegen seit Jahren im Clinch. Zum ersten großen Krach kam es, als der Vorstand der Tochter von Hoskes Lebensgefährtin den Pachtvertrag für eine Parzelle verweigert haben soll – trotz angeblicher mündlicher Zusage. "Wir hatten dem Vorpächter dafür schon 10 000 Euro bezahlt – alles weg", sagt Hoskes Partnerin Sylke Hahl. Schon damals landete der Streit vor Gericht (MOZ berichtete). Und nun gibt es einen neuen juristischen Zwist.
Den Streitpunkt bilden diesmal zwölf Gartenparzellen auf einem Flurstück mitten auf der Anlage, das nicht zum Eigentum der Stadt gehört. Es war schon zuvor in privater Hand. Als der Eigentümer starb, übernahm ein Drittel der Verein, zwei Drittel blieben zunächst bei einer Erbengemeinschaft. Doch dann kam Familie Hoske-Hahl ins Spiel – und kaufte die zwei Drittel von den Erben.
Sie sind nun Mehrheitseigentümer und haben ein Problem mit den Gartenparzellen. Ihrer Ansicht nach verstoßen die Pächter gegen das Bundeskleingartengesetz. "Es gibt keine kleingärtnerische Nutzung", sagt Hoske. So seien die Lauben zu groß, zum dauerhaften Wohnen ausgebaut und die Flächen für den vorgeschriebenen Obst- und Gemüseanbau oft zu klein. Hoske habe deshalb von den Pächtern gefordert, dies in Ordnung zu bringen. Doch es habe sich nicht getan. Daraufhin habe er Andreas Sauer, den Vereinschef, aufgefordert, die Parzellenpächter abzumahnen. Der habe sich geweigert. Daraufhin setzte Hoske dies gerichtlich durch. Zudem klagt er nun darauf, dass der Zwischenpachtvertrag für die betreffenden Grundstücke entzogen wird.

Amtsgericht mit Ortstermin

Dazu muss man wissen: Der Verein ist nur Unterpächter. Zwischenpächter ist der Bezirksverband Bernau, der in der Umgebung insgesamt 33 Kleingartenanlagen verwaltet. Er hat die Verträge mit der Stadt Werneuchen geschlossen.
Beim heutigen Ortstermin wird das Amtsgerichts sich selbst ein Bild von den Parzellen machen. Weder VdK-Chef Sauer noch der Bezirksverband Bernau wollten sich im Vorfeld zu den Streitigkeiten äußern.
Klar ist: Sollte Hoske Recht bekommen, wären die aktuellen Pachtverträge ungültig, sie müssten neu verhandelt werden. Böse Zungen behaupten  daher, Hoske will durch seine Klage einen Weg finden, um mehr Geld aus den Parzellen rauszuholen. Der streitet dies ab. "Darum geht es nicht." Hoske geht es um Grundsätzlicheres, sagt er. Er spricht sich dafür aus, die gesamte VdK-Kolonie umzuwandeln – von einer Kleingartenanlage in Erholungsgrundstücke. Denn: Auch die anderen mehr als 140 Parzellen würden nicht den Anforderungen des Bundeskleingartengesetzes entsprechen. Er selbst hat, das gibt er offen zu, in seiner Gartenhütte eine Küche, eine Dusche und einen Schlafraum.
Hoske argumentiert, eine Umwandlung hätte vor allem für die Stadt als größten Eigentümer einen finanziellen Reiz. "Momentan beträgt die Pacht zehn Cent pro Quadratmeter. Wenn die Stadt die Kleingärten in eine Erholungsanlage umwidmet, könnte sie einen Euro nehmen." So würden die jährlichen Einnahmen von 6500 auf  65 000 Euro steigen.

CDU für Umwidmung der Anlage

Pikant ist: Das Thema mit der Umwidmung hat längst die politische Ebene in Werneuchen erreicht. Im jüngsten Bauausschuss Mitte August hatte der stellvertretende Fraktionschef der CDU, Oliver Asmus, eine Vorlage eingereicht, die vorsieht, die Kleingartenanlage zu einer Erholungsanlage beziehungsweise Wochenendsiedlung umzuwandeln. Zuvor hatte er sich – natürlich – mit Hoske getroffen.
Als der Vorstand des Kleingartenvereins von der Vorlage hörte, war die Entrüstung offenbar groß. Mehrere Mitglieder machten mobil und kamen zur Sitzung. Sogar der Bezirksverband schaltete sich ein. In einer Stellungnahme hieß es, man sei erstaunt darüber, dass das Vorhaben der CDU, das tief in die Verträge der Stadt mit dem BV eingreife, "nicht mit uns besprochen wird".
Beide Vorstöße zeigten Wirkung. Asmus milderte die Vorlage schließlich ab. Nun heißt es, die Verwaltung solle eine Umwidmung lediglich prüfen.
Auch dem Rathaus sind die Streitigkeiten nicht verborgen geblieben. Man wolle handeln, heißt es auf Nachfrage. Dazu ist unter anderem im September ein Ortstermin auf der VdK-Anlage geplant, zu einer Bestandsaufnahme. Der Ausgang: völlig offen.