Kurzarbeit hier, Existenznöte bei Selbstständigen dort – durch die Corona-Pandemie ist die Gefahr für viele Menschen, in finanzielle Nöte zu geraten, eher gewachsen als gesunken. Ein letzter Rettungsanker könnte da der Gang zur Schuldnerberatung sein, doch das Problem ist: Eine solche gibt es im Landkreis Barnim seit 1. Januar 2021 offiziell nicht. Das bestätigt die Kreisverwaltung nun auf Nachfrage.

Kündigung zum 31. Dezember 2020

Vorausgegangen waren gescheiterte Verhandlungen mit dem bisherigen Träger, der AWO, über die zukünftige Finanzierung (MOZ berichtete). Die AWO, die in Bernau und Eberswalde jeweils eine Schuldnerberatung angeboten hatte, hatte den bestehenden Vertrag wegen des Zwists zum 31. Dezember 2020 gekündigt. Und einen Plan B, den gab und gibt es beim Kreis auf die Schnelle nicht.
Statt direkt einen Nachfolger für die Schuldnerberatung präsentieren zu können, folgt jetzt das, was in solchen Fällen immer folgt: eine Ausschreibung. Sie werde derzeit vorbereitet, teilte der Referent des Landrats, Richard Bloch, mit. Gleiches gelte für die notwendige Beteiligung der Gremien.

Neue Schuldnerberatung – nur ab wann?

Auf die Frage, warum die Ausschreibung nicht bereits zu einem früheren Zeitpunkt erfolgt ist, zumal die Kündigung der AWO nach MOZ-Informationen schon länger bekannt war, heißt es von Kreis-Seite: „Es gab längere Verhandlungen mit der AWO, mit dem Bemühen, aufeinander zuzugehen.“ Leider seien diese gescheitert. Insofern sei eine frühere Ausschreibung nicht erfolgt, so die Kreisverwaltung.
Laut Sozialgesetzbuch ist der Landkreis dazu verpflichtet, eine Schuldnerberatung anzubieten. Wie lange es dauert, bis es wieder eine gibt, lässt sich nicht sagen. „Schnellstmöglich“ will man einen neuen Träger finden, teilt Referent Bloch mit. Die Kreisverwaltung verweist jedoch darauf, dass bei der Ausschreibung – wie auch sonst üblich – entsprechende Fristen und Modalitäten zu wahren seien.

Corona könnte Beratungsbedarf erhöhen

Immerhin: Dass die Zeit angesichts der Corona-Pandemie drängen könnte, hat man beim Kreis auf dem Schirm. Coronabedingt sei in den nächsten Monaten ein Anwachsen des Beratungsbedarfes möglich. Man bemühe sich daher, rasch eine neue Lösung zu erbringen.
305 Menschen haben nach Angaben des Kreises im Jahr 2019 die Schuldnerberatung der AWO aufgesucht. Das höre sich nicht nach viel an, allerdings sei „für jeden individuellen Fall eine Beratung sehr wichtig“, betont die Kreisverwaltung. Für 2020 würden noch keine Zahlen vorliegen.

AWO: Forderung nach mehr Geld

Der Kreisverband der AWO hatte indirekt den Landkreis Barnim für das Aus der Schuldnerberatung verantwortlich gemacht. Knackpunkt war das Geld. Die AWO hatte vom Kreis gefordert, die jährlichen Zuwendungen zu erhöhen, um die Mitarbeiter der Anlaufstellen in Eberswalde und Bernau nach Tarif bezahlen zu können. Bislang flossen vom Landkreis jährlich rund 10.000 Euro. Hinzu kamen über die Sparkasse 67.000 Euro.
Beim Kreis heißt es, der beantragte Mehraufwand der AWO habe sich auf etwa 48.000 Euro belaufen. Diese erforderlichen Mittel seien allerdings nicht im Kreishaushalt geplant worden und auch nicht Grundlage der Ausschreibung gewesen. Zudem sei eine Beteiligung der Gremien des Kreistags erforderlich.

Kaum Alternativen in Bernau

Laut Kreisverwaltung gab es Versuche, einen Ausgleich über eine zunächst pauschale Entgelterhöhung zu erreichen, um dann im Haushalt 2022 die Tarifeinführung auch für die Mitarbeiter der Schuldnerberatung umzusetzen, heißt es. Für Kita-Mitarbeiter und die Familienberatungsstelle gebe es sie bereits. Das war für die AWO, die nach eigenen Angaben bereits seit drei Jahren über eine Erhöhung der Zuwendungen für die Schuldnerberatung verhandelt hat, aber offenbar nicht tragbar.
Und nun? Gibt es in Eberwalde vorerst keine öffentlich finanzierte Schuldnerberatung. In Bernau bestehen zwar zwei Alternativen mit dem Verein SIN e.V. und dem Arbeitslosenservice – allerdings sind die Sprechzeiten jeweils stark begrenzt.