„Ohne Akzeptanz ist es nicht möglich, solche Windprojekte zu realisieren“, sagt Andreas Schmitz bei seinem Baustellenbesuch in der Nähe des Vorwerks Albertshof. Der Geschäftsführer der Berliner Stadtwerke meint damit das derzeit größte Projekt des kommunalen Energieversorgers aus der Hauptstadt. Neun Windkraftanlagen errichten die Berliner Stadtwerke. Die ersten beiden Turmsegmente von den ersten vier Anlagen stehen bereits. Sie haben eine Höhe von 60 Metern. Die weiteren Segmente werden in den kommenden Wochen und Monaten aufgesetzt. Die Gesamthöhe der Windräder wird 200 beziehungsweise 212 Meter betragen. Genau diese Höhe soll dazu beitragen, dass die Akzeptanz der Stromerzeugung durch Windkraft erhöht wird. Denn technisch möglich wären auch Anlagen mit einer Gesamthöhe von 260 Metern. Festgeschrieben worden sei die Begrenzung der Höhe in einem städtebaulichen Vertrag.

Vergleich mit dem Liepnitzwald

An dem Standort in dem ausgewiesenen Windeignungsgebiet sehen die Berliner Stadtwerke auch keine Konflikte mit dem Naturschutz oder Waldschutz, wie dies beispielsweise im Liepnitzwald der Fall war. Dort wollte ein privater Investor auf Berliner Flächen Windmühlen aufstellen. Nach heftigen Protesten der betroffenen Gemeinden und der Bürgerinitiative „Rettet den Liepnitzwald“ hatte der Berliner Senat die Flächen für diesen Zweck nicht zur Verfügung gestellt.
Auf der windträchtigen Freifläche bei Albertshof werden die neun Anlagen insbesondere auf Flächen der Berliner Stadtgüter errichtet. Rund 50 Einzelgenehmigungen liegen dafür vor. Die durchzuführenden Ausgleichsmaßnahmen für den Eingriff in die Natur sollen noch mit den betroffenen Kommunen abgestimmt werden.

Fertigstellung im Dezember angepeilt

Baubeginn war Mitte September. Bereits im Dezember sollen die Anlagen stehen und Öko-Strom erzeugen. Dabei stehen die neun Vestas-Windmühlen keineswegs allein da. Auf dem großen Areal zwischen Bernau und Albertshof entstanden 1997 die erste Südwind-Anlage. Weitere folgten. Vor sechs Jahren wurden die ersten wieder abgerissen und durch neue ersetzt. Das Repowering begann. Heute können dort 55 Windmühlen von verschiedenen Betreibern gezählt werden. Die Berliner Stadtwerke sind noch nicht darunter, ihre neun Anlagen kommen noch hinzu. Zwar sind noch weitere Planungen möglich, allerdings gilt das Eignungsgebiet als relativ ausgebucht. Bei ungünstigen Windverhältnissen, berichten Techniker, werden einzelne Mühlen abgeschaltet, um sich nicht wechselseitig die Kraft zu nehmen.

Verdichtung eines bestehenden Windparks

Die Verdichtung des bestehenden Windparks, die Begrenzung der Bauhöhe und die Kooperation mit den benachbarten Kommunen können aus Sicht der Stadtwerke zu der Akzeptanz ihrer Anlagen beitragen. In diesem Zusammenhang weisen sie auch auf die Bernauer Erklärung hin, die während der Planungsphase abgegeben wurde, von anderen Kommunen übernommen und sich so schließlich zur Brandenburger Erklärung wandelte. Mit der Bernauer Erklärung wurde die Planungsgemeinschaft Uckermark-Barnim aufgefordert, den Regionalplan zur Windkraftnutzung zu ändern. Dabei ging es insbesondere um den Abstand von Windkraftanlagen zur Wohnbebauung. Außerdem sollte die Aufstellung von Windrädern in Waldgebieten generell tabu sein. Die ebenfalls geforderte finanzielle Beteiligung von Kommunen an den Erträgen neuer Windenergieanlagen ist mit der Novellierung des Erneuerbaren Energiegesetzes geplant.
Eigentlich wollte Berlins Energiesenatorin Ramona Pop ebenfalls an der Baustellenbesichtigung teilnehmen, war aber verhindert. Als Plus verweist sie darauf, dass der CO2-Verbrauch im Jahr um 30.000 Tonnen verringert werde.

Leistung wird mehr als verdoppelt

Im Sommer 2014 wurden die Berliner Stadtwerke gegründet, um die Energiewende für Berlin zu schaffen. Aktuell besitzen sie vier Windräder. Mit der Aufstellung der Bernauer Anlagen wollen sie ihre aktuell verfügbare Windleistung von rund 20 Megawatt auf mehr als 50 Megawatt steigern, wie Jörg Simon, Wasserbetriebe-Chef, feststellte. Dabei handelt es sich um das derzeit größte Investitionsprojekt der Berliner Stadtwerke. 38,7 Millionen Euro werden dafür ausgegeben.
„Die Berliner Stadtwerke sind auf Kurs“, stellte Geschäftsführer Andreas Schmitz fest. Das kommunale Unternehmen sieht seine Hauptaufgabe in einer umweltfreundlichen und verbrauchernahen Stromerzeugung. So soll der bei Bernau produzierte Ökostrom nicht über lange Stromtrassen verteilt werden, sondern in der Region verbraucht werden können. Um die Versorgung für Berliner Kunden abzusichern, werde über einen eigenen Stromkreis nachgedacht. Auch eine Beteiligung für Brandenburg ist vorgesehen. Auf der Baustelle entsteht zugleich ein Umspannwerk.

Mieterstrom-Konzept wird favorisiert

Nach Angaben der Stadtwerke können die neun  Bernauer Windkraftanlagen rund 30.000 Haushalte mit lokalem Ökostrom versorgen. Aktuell haben die Stadtwerke rund 19.000 Kunden.
Schmitz sieht den Stromversorger mit seinem Mieterstrom-Konzept als Marktführer in Deutschland. Dieser Strom wird direkt auf angepachteten Dachflächen von Miet- und Mehrfamilienhäusern erzeugt und dann direkt in das Stromnetz des Hauses eingespeist. Die Zahl der Mieterstromkunden liegt gegenwärtig bei 2000. Nach Unternehmensangaben sind aktuell zehn Prozent der Photovoltaikanlagen in Berlin von den Stadtwerken errichtet worden.