Los ging es in der Schlosserei Ziesecke im Falkensee Gewerbegebiet. Weniger als 2 Kilometer Luftlinie von der Hauptstadt des Industriestaates Deutschland entfernt zeigte Geschäftsführer Michael Ziesecke dem Minister ein dünnes Kabel über der Zufahrt. Als die Firma Light-Tool im März im benachbarten Gebäude 58a Werkstatt und Büro einrichtete, gab es dort keinen Telefonanschluss. Da die Telekommunikationsunternehmen auch keinen herstellen konnten, half die benachbarte Schlosserei kurzfristig aus. Ein Kabel wurde von Dach zu Dach gespannt.
Seit Kurzem hat Light-Tool nun ein Erdkabel mit einem provisorischen Anschluss, der gerade mal zwei Telefongespräche gleichzeitig zulässt. "Viel zu wenig", meint Geschäftsführer Jörg Puttnins, "und auch die derzeitige Internetanbindung über Mobilfunk ist nicht zufriedenstellend." Dem gegenüber steht die offizielle Mitteilung, nach der das Land Brandenburg beim Breitbandausbau auf Platz 1 oder 2 in den neuen Bundesländern stehe. "Die persönliche Wahrnehmung entspricht dem leider nicht", gibt Minister Steinbach bei einem späteren Podiumsgespräch auf einer öffentlichen Veranstaltung der Falkenseer SPD-Fraktion im Musiksaal am Gutspark zu.
"Bei Breitband- und Mobilfunkausbau werden wir oft als das ‚Albanien Europas‘ bezeichnet und hecheln der rasanten Entwicklung hinterher."Am Geld läge es nicht, betont Jörg Steinbach. Auch die Auftragsvergabe sei inzwischen vereinfacht worden. Es gäbe jedoch zu wenig Firmen und lange Wartezeiten für die Verlegung der Kabel und Anschlüsse. Derzeit lägen die Realisierungszeiten bei der Telekom zwischen 48 und 51 Monaten.
Gerade in ländlichen Gebieten böten markwirtschaftliche Kriterien für die TK-Unternehmen auch keinen ausreichenden Anreiz für den Breitband- und Funkausbau. Dort sollten Bund und Länder diese Aufgaben übernehmen. Dafür müsste der Ausbau aber als Element der Grundversorgung deklariert werden, was nicht weniger als eine Änderung im Grundgesetz voraussetzen würde, erklärt Steinbach.
Heiko Müller (SPD), Bürgermeister von Falkensee, erläutert den Stand in Falkensee. Der Breitbandausbau ab 2013 habe dazu geführt, dass viele Haushalte schon über schnelles Internet mit 50 Mbit/s oder mehr verfügen. Etwa die Hälfte der Stadt sei aber noch nicht auf diesem Stand. Gerade das Gewerbegebiet und die Schulen seien bisher unzureichend versorgt und müssten direkt über Glasfaserkabel angebunden werden. Oft lägen auf den letzten Metern noch Kupferkabel.
Bärbel Eitner (SPD), Ortsvorsteherin von Pausin, weist darauf hin, dass schlechte Internet- und Mobilfunkabdeckung gerade für junge Leute ein Argument sei, den ländlichen Raum zu verlassen. Damit war das Stichwort für das Thema "Nachwuchssicherung im Handwerk" gegeben. Ein ernst zu nehmender Sorgenpunkt, wie Michael Ziesecke betonte. Als Mitglied im Vorstand der Kreishandwerkerschaft könne er bestätigen, dass es den Handwerksbetrieben derzeit überwiegend gut gehe. Der Nachwuchs sei die größte Sorge.
Jugendliche interessieren sich heute mehr für die IT-Branche als für das Handwerk. Lehrstellenbewerber kämen häufig mit völlig unzureichenden Kenntnissen aus den Schulen. Der Wirtschaftsminister rät dazu, Brandenburger Handwerksfirmen für Jugendliche deutschlandweit interessanter zu machen. Zusammen mit den Kommunen könnten attraktive Wohnungs- und Bildungsangebote erstellt und die Willkommenskultur für Bewerber aus anderen Bundesländern oder dem EU-Raum verbessert werden.
Ines Jesse (SPD), Staatssekretärin im Ministerium für Infrastruktur und Landesplanung, Moderatorin der Podiumsdiskussion, verwies in diesem Zusammenhang auf das vom Land geförderte, ab 1. August erhältliche, neue Azubi-Ticket, welches jährlich nur noch 365 Euro statt bisher 1.465,70 Euro kostet. Lehrlinge können damit im gesamten Netz des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB) fahren. Auch Firmentickets würden ab 1. September deutlich günstiger. Insgesamt könne man dem Fachkräftemangel nur mit attraktiven Angeboten und mehr Respekt gegenüber den Arbeitnehmern begegnen.