Klassenlehrer unserer 1b in der Rolandschule war vor nunmehr 75 Jahren Walter Kapst. Er wohnte nur wenige hundert Meter entfernt auf dem Packhof. Noch heute schätzen wir ehemalige Abc-Schützen diesen Pädagogen wie auch die allermeisten seiner Kollegen in dieser Bildungsstätte. So lernten wir bei ihm die ersten Buchstaben des Alphabets zu schreiben. Zunächst führten wir den furchtbar quietschenden Griffel – später gab es den sogenannten Milchgriffel –, wohl recht ungelenk über die Schiefertafel, die sich mit Schwamm und Putzlappen schnell reinigen ließ. Überdies wurde in der bunten Fibel eher noch stockend gelesen: „a – e – i – o – u – Hugo, Emil, alle laufen.“

Es wurde gelesen und gesungen

Bald sangen wir mit Freude einige Kinderlieder, so zum Martinstag (11. November): „Was haben wir Gänse für Kleider an...“ Zu meinen Klassenkameraden in der 1b, alle von der Kriegszeit noch geprägt, gehörten unter anderem Wolfgang Glaeser (gest. 2020), Horst Hauke, Lutz Alsleben, Werner Pohl und Klaus Reyher.
Und im Laufe des ersten Unterrichtsjahres gab es für diese  teilweise unterernährten Kinder dann während der großen Pause täglich einen Salzkuchen. Da war die Freude groß. Obwohl unbelegt – es fehlte an Butter, Käse, Wurst –, so mundete dieses aus Roggenmehl mit Zusatz von Hefe gebackene flache Brötchen dennoch. Selbst, wenn dessen „Inneres“ meistens recht klitschig war.

Essen oder Teigkugeln?

Dann kam es schon mal vor, dass wir Jungen daraus einige kleine Teigkugeln formten, um sie mit schnippendem Finger durch den Klassenraum zu schießen... Eine regelmäßige Schülerspeisung als wertvolle Mittagsmahlzeit konnte uns jedoch erst 1947/48 ermöglicht werden. Dazu mussten wir Jungen aus der Rolandschule (ab 1953 wurde dieser lokalbezogene Namen zugunsten von Joliot Curie aufgegeben) dann zum Café Oske auf den Molkenmarkt beziehungsweise zur Steinstraße ins ehemalige Volkshaus eilen.

Harte Zeiten schweißen zusammen – bis heute

Ein „langes“ dreiviertel Jahrhundert ist es nun her, dass diese Abc-Schützen im September anno 1946 ihren ersten Unterricht erhielten. Es folgte eine Zeit, die die Kinder von damals (nicht nur in der Rolandschule) trotz aller Schwere und Nöte – oder gerade deswegen – zusammengeschweißt hat. Ihre darauf begründete Freundschaft währt bis heute, dabei stets ohne jedwelchen Streit oder Zoff. So beispielsweise trafen sich die Vorgenannten und der Autor dieses Beitrages bis vor kurzem noch immer in gewissen Abständen zum Plausch und Bierchen. Jetzt, zum Einschulungsjubiläum, wurde in kleinster Runde einmal mehr diese oder jene Erinnerung aufgefrischt. Das trifft wohl noch stärker für die folgenden Unterrichtsjahre bis hin zum Abitur zu. Übrigens, aus diesen Brandenburger Jungen ist danach, wie man geläufig zu sagen pflegt, „durchaus etwas geworden“. Standen sie doch jahrzehntelang ihren Mann, ob nun als Lehrer, in Handwerksberufen oder bei der Lokalzeitung.