Mauerbau
: Neue Gedenkstele in Schönwalde erinnert an innerdeutsche Teilung

Zum 59. Jahrestag des Mauerbaus wurde in Schönwalde ein neuer Gedenkstein enthüllt. Besonders erinnert wurde dabei an das Schicksal der Kinder.
Von
Silvia Passow
Schönwalde-Glien
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Helmut Kleebank, Juliane Gansen und Bodo Oehme stoßen auf die neue Gedenkstele der Schönwalder Künstlerin Juliane E. Gansen an.

Passow

Der Bürgermeister der Gemeinde Schönwalde, Bodo Oehme (CDU), gedachte auch in diesem Jahr gemeinsam mit seinem Amtskollegen aus Berlin–Spandau, Helmut Kleebank (SPD), politischen Vertretern und den Einwohnern der Gemeinde, der Opfer. Jener Menschen, die an der innerdeutschen Grenze ihr Leben ließen.Ermordet auf der Flucht oder weil Hilfe im Niemandsland zu spät kam.

In diesem Jahr sind es die Schicksale der Kinder, die auf der Flucht starben oder in verzweifelter Lage keine Hilfe erhielten, an die Oehme besonders erinnert. Jörg, 10 Jahre, Lothar, dreizehn Jahre, Karl–Heinz, siebzehn Jahre, Andreas, sechs Jahre, Cengaver, acht Jahre, Siegfried, fünf Jahre, Guiseppe, sechs Jahre, Cetin, fünf Jahre, sind nur einige der kindlichen Opfer. Mehr als 30 Kinderleben vergingen an dieser Grenze, erschossen oder man ließ sie ertrinken. Oehme fragt: „Was sind das für Menschen, die kleine Kinder erschießen oder einfach ertrinken lassen?“ So ertranken einige der Kinder in der Spree. Sie waren dort, wo die Grenze verlief, ins Wasser gefallen. Niemand wagte sich, sie zur retten.

Oehme beklagt, dass die Geschichte der deutschen Teilung und die Opfer, die diese Teilung forderte, zu wenig in den Schulen des Landes thematisiert wird. „All diesen Opfern gilt eigentlich ein Versprechen, dass wir ihnen geben müssen. Wir sind es, die mahnen und daran erinnern müssen, dass an die Zeit der Teilung Deutschlands und die damit verbundenen zu beklagenden Opfer immer gedacht wird und so etwas nicht noch einmal geschehen darf“, sagt er.

Helmut Kleebank zieht in seiner Rede Parallelen zur heutigen Zeit. Was heute Fake–News sind, waren einfach mal schlichte Lügen, wissentlich erdacht und in die Welt geschickt, um ein Verhalten, eine Position zu begründen, Menschen im Sinne der eigenen Interessen zu beeinflussen. „Ohne die Lüge und die Verschleierung der Wahrheit wäre die DDR gar nicht möglich gewesen“, sagt er. Adressiert jene, die alles Übel der Welt in der Politik vermuten sagt er: „Demokratie ist eine Mit–Mach–Veranstaltung. Politiker machen nicht den Staat.“ Für die Gemeinde Schönwalde, deren Verbindung zu Berlin–Spandau schon immer sehr eng war, bedeutete die Teilung Verlust von Familie, Freunde, dem Liebsten, der Liebsten, der Arbeit oder auch des Grundstückes. „Die Wohnhäuser am Bachstelzensteig und der Weidenallee wurden dem Erdboden gleichgemacht und es entstand ein über 100 bis 400 Meter tiefer Grenzgraben. Die Bewohner wurden umgesiedelt in die Lauben von den Spandauern und Berlinern, die keinen Zugriff mehr auf ihr Eigentum hatten“, berichtet Oehme. Nicht von ungefähr begehen die Gemeinde Schönwalde–Glien und der Berliner Bezirk Spandau den Jahrestag zum Gedenken gemeinsam.

Und um diese Gemeinsamkeit, an die Jahre der Trennung und der Wiedervereinigung, erinnert nun an der ehemaligen Grenze die Stele der Schönwalder Künstlerin Juliane E. Gansen. Mit dem zwei Tonnen schweren Kunstwerk möchte die 76–jährige Künstlerin an den offenen Schlagbaum erinnern. Gansen arbeitet gern mit Klinker und Keramik, sagt sie. Die Statik des Werkes hatte für einigen Wirbel und Kopfzerbrechen gesorgt, doch nun steht sie. Kleebank und Oehme enthüllen sie gemeinsam, das Tuch wehrt sich etwas, hat gegen die vereinten Kräfte aber keine Chance.