Baden im See bei Eberswalde: Nach tödlichem Unfall – worauf man am Badesee achten sollte

Badespass im Barnim: Der Parsteiner See zählt zu den beliebtesten Badeseen in der Region. Badefreunde haben im Landkreis eine große Auswahl an Möglichkeiten. Doch sehr schnell kann aus dem kleinen Ausflug eine Tragödie werden.
Thomas BurckhardtDie Sonne brennt, die teils schwüle Hitze lässt bei vielen Menschen nur noch einen Wunsch zu: baden gehen. Der Barnim ist das ideale Revier dafür. Badefreunde haben zwischen Bernau und Eberswalde eine große Auswahl an Möglichkeiten. 19 offizielle Badestellen an 13 Gewässern gibt es, hinzu kommen 14 weitere inoffizielle Badestellen. Doch sehr schnell kann aus dem kleinen Ausflug eine Tragödie werden.
Am Montag (17. Juli) vor 14 Uhr kam die Meldung, dass eine Person im Wasser nicht mehr sichtbar sei. Ein Großeinsatz der Eberswalder Berufsfeuerwehr folgte am See Klein Ahlbeck. Sechs Einsatzfahrzeuge der Berufsfeuerwehr waren vor Ort. Hinzu kamen zwei Rettungswagen und zwei Polizeifahrzeuge. Am Dienstag folgte dann die traurige Gewissheit: Der Mann ist tot.
Gefahren im Badesee
Nicht nur Flüsse oder Meere bergen Gefahren für Badefreunde, auch an Seen gibt es Umstände, die man nicht unterschätzen sollte. Unfälle, mit teils tödlichen Folgen, gibt es jeden Sommer dutzende Male in Brandenburg. Oft auch mit eigentlich geübten und erfahrenen Badegästen. Doch wie kann es dazu kommen?
Unfallrisiko Nummer 1 ist der menschliche Körper. Laut der DLRG (Deutsche Lebensrettungsgesellschaft) ertrinken bundesweit die meisten Menschen in Flüssen und Seen. In Seen sind die verschiedenen Wassertemperaturen gefährlich. An der Oberfläche kann das Wasser warm sein, die Temperaturen in den unteren Schichten können aber ziemlich niedrig sein. Das muss der Kreislauf eines Menschen verkraften können.
Zudem sollte man langsam in das Wasser gehen, um den Kreislauf an den Temperaturunterschied zu gewöhnen. Vor allem Baggerseen sind teilweise sehr tief und das Wasser wird nicht immer gut durchmischt. Schon kurz unter der Wasseroberfläche können die Temperaturen unerwartet stark absinken. Dadurch kann es zu schockartigen Lähmungen und zum Herzstillstand kommen.
Strömungen werden beim Baden oft unterschätzt
Ein weiterer Gefahrenherd sind Strömungen. Diese sieht man an der Wasseroberfläche wenig bis gar nicht – doch sie sind da und können eine immense Kraft entwickeln. Gerade in Seen wie dem Werbellinsee, die Zu- und Abläufe haben und zudem sehr tief sind, kann man diese Phänomene beobachten. Die DLRG warnt deshalb davor, zu weit in einen See hineinzuschwimmen. Auch parallel zum Ufer zu schwimmen, bietet Sicherheit.

Voll belegt: Das Strandbad Wandlitzsee in Wandlitz erfreut sich bei den gegenwärtigen Temperaturen großer Beliebtheit.
Hans StillEin sehr seltenes, aber nachgewiesenes Phänomen sind sogenannte Strudel. Diese entstehen ähnlich wie Winde, lediglich im Wasser. Unterschiedliche Temperaturen führen dazu, dass wärmer werdendes Wasser aufsteigt und das kältere Wasser absinkt. Dies verursacht unter der Oberfläche einen Sog. Auch Felsen, Pfähle, Baumstümpfe, Mauerreste und Unrat unter der Wasseroberfläche stellen für Badende immer wieder ein erhebliches Verletzungsrisiko dar. Zur Vermeidung unnötiger Verletzungen sollte man sich bei Ortskundigen über die Gefahren des Gewässers informieren.
Unfall durch Wasserpflanzen
Je wärmer es wird, desto mehr erwärmt sich auch das Wasser. Das freut vor allem Wasserpflanzen. Immer wieder sorgen Schlingpflanzen und andere Unterwasserpflanzen in deutschen Seen für Badeunfälle, die oft auch tödlich enden. Darum mahnt die DLRG auch hier zur Vorsicht. Die Gefahr der Wasserpflanzen wird beim Schwimmen häufig unterschätzt. Grund dafür sind nicht die Pflanzen, sondern die Menschen. Wasserpflanzen, die Badegäste aktiv umschlingen und sogar nach unten ziehen, gibt es in Deutschlands Badeseen nicht.
Für die Badeunfälle ist nicht die Schlingpflanze selbst verantwortlich, sondern vielmehr die Reaktion der Schwimmer. Diese bekommen bei einer Berührung mit den Pflanzen Panik und verschlimmern ihre Lage durch hektische Schwimmbewegungen. Wer beim Baden mit Schlingpflanzen in Berührung kommt, sollte unbedingt Ruhe bewahren. Durch unkontrolliertes Strampeln besteht die Gefahr, sich noch schlimmer in der Wasserpflanze zu verheddern. Stattdessen sollte man versuchen, die Pflanze ruhig von Armen oder Beinen zu streifen.
Algen warten im Spätsommer
Warme Gewässer beherbergen aber noch eine andere Gefahr: Algen. Vor allem Grün- und Blaualgen breiten sich bei zu großer Hitze aus. Gerade die flacheren Gewässer, wie der Grimnitzsee, hatten in der Vergangenheit oft mit Blaualgen zu kämpfen – meist aber erst im Spätsommer. Immer wieder sprechen Behörden Badewarnungen wegen Blaualgen aus, um die Gefährdung von Schwimmern zu verhindern.
Vor allem Blaualgen trüben den Badespass. Blaualgen sind sogenannte Cyanobakterien, die überall im Wasser zu finden und bei normaler Konzentration völlig ungefährlich sind. Wenn sich die Bakterien allerdings stark vermehren, können sie die Wasserqualität einschränken. Einige Arten produzieren nämlich Stoffe, die bei Badenden Durchfall, Erbrechen oder Hautausschläge und im schlimmsten Fall sogar Atemnot auslösen können. Eine Gesundheitsgefahr besteht vor allem durch das Schlucken des Wassers – das gilt auch für Hunde. Wenn sie Blaualgen-Wasser trinken, kann das zu Vergiftungen und Leberschäden führen.
12 einfache Baderegeln der DLRG im Überblick
1. Geht nur an offiziellen Stellen baden.
2. Trinkt keinen Alkohol vor dem Baden.
3. Gehe nur zum Baden, wenn du dich wohl fühlst. Kühle dich ab und dusche, bevor du ins Wasser gehst.
4. Gehe niemals mit vollem oder ganz leerem Magen ins Wasser.
5. Gehe als Nichtschwimmer nur bis zum Bauch ins Wasser.
6. Rufe nie um Hilfe, wenn du nicht wirklich in Gefahr bist, aber hilf anderen, wenn sie Hilfe brauchen.
7. Überschätze dich und deine Kraft nicht.
8. Bade nicht dort, wo Schiffe und Boote fahren.
9. Bei Gewitter ist Baden lebensgefährlich. Verlasse das Wasser sofort und suche ein festes Gebäude auf.
10. Halte das Wasser und seine Umgebung sauber, wirf Abfälle in den Mülleimer.
11. Aufblasbare Schwimmhilfen bieten dir keine Sicherheit im Wasser.
12. Springe nur ins Wasser, wenn es frei und tief genug ist.



