BVG-Streik in Berlin
: Bus und Bahn streiken – diese Alternativen nutzen Pendler

Weil es bei der BVG einen Streik gibt, stehen in Berlin für 48 Stunden U-Bahnen und Busse still. Das sorgt für einen Run auf Taxis, Mietautos und E-Roller. Gibt es noch Angebote?
Von
Maria Neuendorff
Berlin
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Elektroscooter stehen an einer Jelbi-Mietstation. Sie könnten während des kommenden zweitägigen BVG-Streiks in Berlin knapp werden.

Elektroscooter stehen an einer Jelbi-Mietstation. Sie könnten während des zweitägigen BVG-Streiks in Berlin aber knapp werden.

dpa/Carsten Koall
  • BVG-Streik in Berlin: 48 Stunden Stillstand bei U-Bahnen und Bussen; Alternativen sind Taxis, Mietautos und E-Roller.
  • Taxi-Wartezeiten von bis zu 15 Minuten in Stoßzeiten; konventionelle Taxis oft günstiger als Uber/Bolt.
  • Erhöhter E-Roller und Leihrad-Verkehr; Bolt und Voi verzeichnen starke Nachfrage.
  • S-Bahn verstärkt Fahrten auf bestimmten Linien; mehr Züge zum Hertha-Spiel.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Am 20. und 21. Februar geht mal wieder nichts bei den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG). Berliner und Pendler aus Brandenburg müssen sich einmal mehr nach Alternativen umschauen. Nicht jeder wichtige Termin lässt sich verschieben oder online bewältigen. Doch bekommt man im Streik-Chaos überhaupt noch spontan ein Taxi?

„Ja, in der Innenstadt jedenfalls braucht man nicht vorzubestellen“, sagt Leszek Nadolski, Vorsitzender der Berliner Taxiinnung. Allerdings müssten Fahrgäste in den Stoßzeiten, morgens zwischen 8 und 10 Uhr, sowie nach Feierabend gegen 16 Uhr, auch in der Innenstadt mit Wartezeiten bis zu 15 Minuten rechnen, prophezeit Nadolski.

BVG-Streik in Berlin – Taxi-Notstand an Streiktagen?

Ein herkömmliches Taxi anstatt eines Uber oder Bolts zu buchen, könne übrigens in Streik-Zeiten die preiswertere Variante sein. Denn die privaten Fahrdienste, die dem Berliner Taxigewerbe je nach Auslastung teilweise mit Dumping-Preisen Konkurrenz machen, variieren ihre Tarife über ausgeklügelte Computeralgorithmen je nach Angebot und Nachfrage. So könne eine Fahrt zum Berliner Hauptbahnhof bei Uber oder Bolt während des BVG-Streiks deutlich mehr kosten als sonst. „Während die Taxitarife gleich bleiben“, erklärt Nadolski.

Er rechnet an den Streiktagen aber nicht mit einem Taxi-Notstand. „Die Berliner sind abgehärtet, die organisieren sich rechtzeitig eine Fahrgemeinschaft oder bleiben im Homeoffice“, erklärt der Innungs-Chef, der täglich selbst hinter dem Steuer sitzt.

So habe er wahrgenommen, dass der Verkehr auf den Pendlerrouten auch ohne Streik in den vergangenen Jahren gegen Ende der Arbeitswoche abgenommen hat. „Donnerstags, spätestens freitags ist weniger auf den Straßen los, das kann man schon seit Corona beobachten“.

Zugenommen hätten dagegen die Radfahrer in Berlin und diese hätten sich auch während des vergangenen eintägigen Streiks noch einmal potenziert. „Die Leute greifen sich dann alles, was zwei Räder hat. In Prenzlauer Berg denkt man manchmal, man ist China“, berichtet der Taxifahrer. Die meisten nutzen dann das Rad, um die nächste S-Bahn-Station zu erreichen.

Im Bike Market City in der Uhlandstraße in Charlottenburg-Wilmersdorf hat man nach der Streikankündigung kein erhöhtes Aufkommen feststellen können. „Es gibt vielleicht ein paar Leute mehr, die jetzt Reifendruck und anderes checken lassen, aber sonst ist es eigentlich wie immer“, berichtet ein langjähriger Angestellter. Allerdings kann er sich noch gut erinnern, als die BVG 2008 in den unbefristeten Streik trat. „Da haben die Leute wie verrückt gekauft, und der Laden war hier teilweise leer.“

BVG-Streik in Berlin – Run auf E-Roller und Mietautos

Inzwischen ist es auch viel einfacher, temporär auf Leihräder oder Roller am Straßenrad umzusteigen. Die Mobilitätsplattform Bolt, die auch Zweiräder vermietet, verzeichnete am Montag, 27. Januar, als die BVG das erste Mal streikte, bei E-Scootern und E-Bikes nach eigenen Angaben 150 Prozent mehr Fahrten. „Dabei legten die Nutzer zu 40 Prozent längere Strecken zurück, und es gab einen 700-prozentigen Zuwachs an neuen Nutzern und Nutzerinnen“, berichtet Bolt-Sprecherin Gülin Erdogan.

Ähnlich habe es am zweiten Streiktag ausgesehen. Auch bei den Bolt-Mietwagen habe man beispielsweise am 10. Februar 84 Prozent mehr Fahrten verbuchen können und einen 169-prozentigen Anstieg bei Suchanfragen nach verfügbaren Fahrzeugen festgestellt.

Die Bolt-Drive-Autos können per App ausfindig gemacht und reserviert werden. Nach dem Freischalten des Fahrzeuges wird Gebühren von 15  bis 29 Cent pro Minute erhoben, unabhängig davon, wie lange man fährt.

Auch der Mietwagen Anbieter Miles hat während der vergangenen Streiks einen merklichen Anstieg der Fahrten festgestellt. „Insbesondere zu den Zeiten, in denen die BVG sonst besonders stark frequentiert ist – also morgens, nachmittags und abends“, erklärt Miles-Sprecherin Nora Goette. Auch die Nachfrage nach Tagesmieten sei gestiegen.

„Wir beobachten auch, dass die App häufiger am Vorabend geöffnet wird, ohne dass direkt eine Buchung erfolgt“, erzählt Goette. „Hier gehen wir davon aus, dass bereits geschaut wird, wie die Verfügbarkeit der Fahrzeuge im eigenen Radius für den nächsten Tag ist.“

BVG-Streik in Berlin – doppelte Nachfrage nach Rollern

Doch viele Betroffene holten sich am vergangenen Streiktag dann doch lieber gleich ein Auto mit Fahrer. Bei Bolt habe das laut Unternehmen zu einem 141-prozentigen Wachstum der Neunutzer sowie einem 137-prozentigen Anstieg an Fahrten im Vergleich zu einem normalen Montag geführt.

Auch der Anbieter Uber verzeichnete während des letzten Streiks eine erhöhte Nachfrage. „Ganz sicher werden die Mietwagen- und Taxiunternehmen, bei denen die Fahrerinnen und Fahrer angestellt sind, alle Kapazitäten aktivieren, um die erhöhte Nachfrage am Donnerstag und Freitag zu befriedigen“, sagt Uber-Sprecher Oliver Fritz.

Einen Run auf E-Roller bestätigt dagegen Voi. „Am zurückliegenden Streiktag haben wir in Berlin über 36.000 Fahrten verzeichnet – ein neuer Höchstwert“, berichtet Voi-Sprecher Tim Schäfer. Auch für die kommenden Streiktage am Donnerstag und Freitag rechne man mit einer Verdopplung der Nachfrage. „Um darauf vorbereitet zu sein, werden wir die Verfügbarkeit unserer Fahrzeuge an zentralen Verkehrsknotenpunkten gezielt erhöhen und die Flotte proaktiv umverteilen“, kündigt Schäfer an.

Die Grundgebühr für die Freischaltung eines Voi-Rollers beträgt zurzeit einen Euro. Anschließend berechnet Voi für jede Minute, die man den Scooter nutzt, eine Gebühr von 15 Cent. Nutze man den Roller also für eine Stunde, werden 10 Euro inklusive der Entsperrgebühr fällig.

„Die aktuellen Voi-Daten an den Streiktagen zeigen, dass E-Scooter gerade in solchen Ausnahmefällen wie denen eines Streiks nicht nur eine Ergänzung, sondern oft eine vollwertige Alternative für ganze Wegstrecken sind“, so Voi-Sprecher Schäfer.

Die Deutsche Bahn dagegen vermietet in Berlin 1.690 Leihräder.  „An BVG-Streiktagen ist die Nachfrage an den Call a Bike-Stationen in Berlin spürbar höher“, erklärt S-Bahn-Sprecher Marian Günther. Bei vergangenen BVG-Streiks verzeichneten habe man eine Verdreifachung der Fahrten verzeichnet. „Für den kommenden BVG-Streik stellen wir an den BVG-Linien zusätzliche Räder zur Verfügung“, kündigte Günther am Dienstag an.

Mehr S-Bahnen auch zum Hertha-Spiel

Der Regionalverkehr der Deutschen Bahn sowie die Züge der S-Bahn Berlin sind vom Warnstreik der Gewerkschaft Verdi am 20. und 21. Februar nicht betroffen. Für die Dauer des Streiks verstärkt die S-Bahn ihr Angebot mit zusätzlichen Fahrten in der Zeit von 9 bis 14 Uhr auf folgenden Linienabschnitten:

�.     S1 zwischen Zehlendorf und Potsdamer Platz

�.     S3 zwischen Karlshorst und Ostbahnhof

�.     S5 zwischen Mahlsdorf und Warschauer Straße

Für die Begegnung in der 2. Fußballbundesliga am 21. Februar um 18.30 Uhr im Olympiastadion erhöht die S-Bahn das Angebot für die An- und Abreise. Ab ca.16.30 Uhr fahren zwischen Innenstadt und Olympiastadion 15 Züge pro Stunde und Richtung. Zur Abreise fährt die S-Bahn mit 18 Zügen pro Stunde vom Olympiastadion Richtung Innenstadt.

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