Ehrenamt in Eberswalde: Eigentlich unbezahlbar – wieso die Zukunft dennoch unsicher ist

Ehrenamt in Eberswalde – in 36 Mitmachprojekte haben die Teilnehmer beim Freiwilligentag 2023 Bleibendes geschaffen. Kommt jetzt der Rostift?
AG FreiwilligentagSie haben Bänke für die „Tafel“ an der Eisenbahnstraße gebaut. Wieder andere pflanzten Bäume in der Spreewaldstraße. Und an der Begegnungsstätte „Silberwald“ wurden Hochbeete angelegt. Drei Beispiele für Projekte beim Freiwilligentag 2023. Beispiele für das Engagement der Teilnehmer, die mit ihrem Einsatz Sichtbares, Bleibendes geschaffen haben. Und Werte.
„Ehrenamt ist nicht Arbeit, die nicht bezahlt wird. Es ist Arbeit, die unbezahlbar ist.“ Der Urheber dieses Zitats sei zwar nicht bekannt. Doch bringe dieser Spruch den Kern des Ehrenamtes wunderbar zum Ausdruck, sagt Katja Schmidt, Leiterin der Freiwilligenagentur Eberswalde. Einmal jährlich legt sie „Rechenschaft“ vor dem Eberswalder Sozialausschuss ab. Denn die Einrichtung, deren Träger die Bürgerstiftung Uckermark-Barnim ist, wird von der Stadt Eberswalde gefördert. Entsprechend einem Kooperationsvertrag unterstützt die Kommune die Beratungsstelle bislang mit jährlich 35.000 Euro (30.000 Euro für Personal- und 5000 Euro Sachkosten). Geld, das offensichtlich sehr gut angelegt ist und eine Hilfe, die sich „auszahlt“. Wie Schmidt anhand von Zahlen belegt.
Ehrenamt – Durchschnittsalter bei Neuvermittlungen
Bis Mitte Oktober hat die Agentur 195 Menschen in ein Ehrenamt vermitteln können. Im Vorjahr waren es zum Vergleichszeitpunkt 198. Damit sei die Zahl der Vermittlungen recht stabil. Der Altersdurchschnitt der diesjährigen Vermittlungen liege bei 36 Jahren (Vorjahr 40 Jahre). „Wir haben etliche Studenten gewinnen können“, begründet Schmidt die signifikante Verjüngung. Der Klassiker beim Ehrenamt sei nach wie vor die Arbeit mit Kindern und Senioren. Aber gerade hier zeige sich auch der Nutzen, der Vorteil der Freiwilligenagentur bzw. der Beratungsstelle. Denn manchmal hätten die Interessenten doch etwas andere Vorstellungen oder Erwartungen. Mitunter aber kommen Interessierte auch beim Freiwilligentag über ein konkretes Projekt praktisch auf den Geschmack. 2023 zählte die Agentur 382 Teilnehmer.
18.000 Euro an Wert durch Ehrenamt in Eberswalde geschaffen
Wie „wertvoll“ das Engagement der Ehrenamtler ist, macht Schmidt an einer Beispielrechnung deutlich. Legt man den aktuellen Mindestlohn von zwölf Euro/Stunde zugrunde und geht von zwei Stunden ehrenamtlicher Tätigkeit pro Woche aus, so käme man bei den 195 Neuvermittlungen in diesem Jahr auf eine Summe von 234.000 Euro. Hinzu kämen 18.336 Euro, die die Teilnehmer des Freiwilligentags (vier Stunden Arbeit) in 36 Mitmachprojekten an Werten geschaffen haben. Der unentgeltliche Einsatz, so Schmidt, sei also nicht hoch genug zu würdigen.
Unterstützung durch Online-Portal – Ehrenamt-Finder
Wer auf der Suche nach einer sinnstiftenden Tätigkeit ist, könne sich auf der Webseite der Freiwilligenagentur umschauen und den dortigen Engagement-Finder – die Plattform ist seit zwei Jahren verfügbar - nutzen. Darüber hinaus stehe sie selbst natürlich Eberswaldern, die das passende Ehrenamt für sich suchen, mit Rat und Tat zur Suche. Inzwischen habe die Agentur ein Netzwerk mit zirka 70 Vereinen, Organisationen und Institutionen aufgebaut. Und dies in den unterschiedlichsten Sparten. Von Handwerk über Kunst und Kultur oder Soziales bis hin zum Katastrophenschutz/Rettungsdienst. Große Bereiche seien natürlich Sport sowie Natur/Umwelt/Tiere. Wer sich engagieren möchte, müsse sich mit dem Ehrenamt ürigens nicht auf Jahre hinaus festlegen. Es gebe selbstverständlich auch Angebote für kurzfristige Einsätze, für befristete Projekte, wirbt Schmidt gerade auch unter jungen Leuten.
Ausweitung des Angebots in Eberswalde
In diesem Jahr stehe noch ein „Engagierter Stammtisch“ auf dem Programm. Und zwar am 27. November. Thematisch ginge es um Experimente für Kinder. Gleichzeitig weist Schmidt noch einmal auf die Ehrenamtsauszeichnung 2023 hin. Vorschläge dafür können noch bis 31. Oktober eingereicht werden. Der eigentliche Festakt finde dann im Januar statt.
2024 feiert die Agentur ihren 15. Geburtstag. Am 4. Mai gibt es den 16. Freiwilligentag. Inhaltliche Schwerpunkte ihrer Arbeit seien der Ausbau der Engagementmöglichkeiten für Nicht-Muttersprachler, also für Zuwanderer sowie für ausländische Studenten, sowie die Schaffung von barrierefreien Angeboten, kündigt Schmidt an. Gerade unter den Zugewanderten gebe es ein großes Interesse, sich in das gesellschaftliche Leben einzubringen, so ihre Erfahrung. Um Menschen mit einem Handicap wiederum gezielter anzusprechen, habe sie bereits Kontakt zum Behindertenbeauftragten des Landkreises Barnim aufgenommen.

Leiterin und Mitbegründerin der Freiwilligenagentur Eberswalde: Katja Schmidt. Die Beratungsstelle ist im Bürgerbildungszentrum an der Puschkinstraße zu finden.
Sabine SchulzUnklare Zukunft fürs Ehrenamt in Eberswalde
Trotz der Arbeit, die eigentlich nicht bezahlbar ist, hat die Verwaltung offenbar im Zuge der Haushaltsplanung 2024/25 und der sogenannten Aufgabenkritik - unter anderem wurden alle freiwilligen Leistungen einer Prüfung unterzogen - Einsparpotenziale im Bereich Ehrenamt identifiziert. Demnach könnte die Ehrenamtsauszeichnung auf einen zweijährlichen Rhythmus reduziert werden. Dieser Vorschlag fiel jedoch sowohl bei der Rathausspitze selbst als auch bei den Abgeordneten, die jüngst an der Haushaltsklausur teilgenommen haben, durch. Noch unentschieden ist man indes laut den Unterlagen, die MOZ vorliegen, bei der künftigen Förderung der Kontaktstelle für die Freiwilligenagentur. Zumindest steht diese Aufgabe offensichtlich weiter auf dem Prüfstand.
Vorschläge für Ehrenamtsauszeichnung: bis 31. Oktober an ehrenamt@eberswalde.de oder AG Ehrenamt - c/o Stadt Eberswalde, Referent für Bürgerkontakt und Vereinsleben, Breite Straße 41-44, 16225 Eberswalde; weitere Infos auch hier

