Feuerwehr in Eberswalde
: Biber in Not? Warum eine Frau die Tierrettung zur Hilfe rief

Biber gelten als Baumeister der Natur. Ein vermeintlich verletztes Exemplar in Eberswalde sorgte dafür, dass in Templin reagiert wurde.
Von
Stephan Backert
Eberswalde
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Kein kleines Tier, trotzdem muss man genauer hinsehen: Dieser Biber sorgte am Freitagnachmittag für Reaktionen in gleich zwei Landkreisen.

Kein kleines Tier, trotzdem muss man genau hinsehen: Dieser Biber sorgte am Freitagnachmittag für Reaktionen in gleich zwei Landkreisen.

Stephan Backert

Zwei Feuerwehrfahrzeuge standen am Freitagnachmittag (23. August) in der Pfeilstraße im Zentrum der Barnimer Kreisstadt. Sie waren nicht zum Löschen eines Brandes gekommen. Viele Passanten hatten fragende Blicke wegen des Einsatzes.

Dieser fand nur wenige Meter weiter im Park am Weidendamm in Eberswalde statt. Doch kein Feuer oder anderes Unbill sorgte für den Einsatz. Ein Biber war der Verursacher.

Feuerwehr in Eberswalde: War der Biber verletzt?

Im Teich an der Neptun-Figur lag er ruhig in einem Gebüsch, relativ gut sichtbar. Michaela Ehlert war an diesem Nachmittag mit ihrem Sohn Lukas im Park unterwegs. „Hier war ein Passant, der hat Fotos gemacht und gesagt, dass da ein verletzter Biber liegt.

Ich habe Einsatz gezeigt und hab einfach angerufen. Erst bei der Polizei, weil ich nicht wusste, wo ich anrufen soll“, so die Eberswalderin, die nach eigenen Angaben zum ersten Mal so intensiv mit dem Thema Biber befasst war.

Die Polizei habe gesagt, sie solle nach dem Begriff Tierrettung googeln. Daraufhin erreichte sie die Tierrettung Uckermark. Diese hat ihren Sitz in Templin und kümmert sich ehrenamtlich um in Not geratene Tiere. Die Tierretter aus Templin meldeten sich wiederum bei der Berufsfeuerwehr in Eberswalde, wo der Alarm mit dem Stichwort „Biber in Not“ gegen 16 Uhr einging.

Biber lag schon eine Weile da

Drei Leute, so ergänzte der Sohn von Michaela Ehlert, hätten gesagt, dass der Biber hier schon sehr lange liegt. „Ich verstehe nicht, warum dann keiner anruft, wenn man denkt, dass der Biber verletzt ist“, sagte die junge Mutter über den Grund ihres Anrufes. Die Berufsfeuerwehr Eberswalde reagierte umgehend und war mit fünf Einsatzkräften und den zwei Fahrzeugen vor Ort.

Die Feuerwehrleute begutachteten die Lage und holten dann diverse Gerätschaften an den Ort des Geschehens. Mit dabei unter anderem ein Kescher und Material für eine Gitterbox. Doch in dem Moment, als die Einsatzkräfte zur Tat schreiten wollten, schwamm der Biber ruhig und ohne sichtbare Probleme an das andere Ufer des kleinen Gewässers im Eberswalder Stadtzentrum.

Feuerwehr in Eberswalde: Biber nicht in Not

Torsten Müller war an diesem Nachmittag als Einsatzleiter der Feuerwehr vor Ort. Nach seiner Einschätzung war der Biber nicht in Not, sondern hat sich höchstwahrscheinlich hier eingenistet. Die Schwärze, die für ihren Biberreichtum bekannt ist, fließt nur ein paar Meter weiter durch den Park.

„Es kommt bei der Feuerwehr häufiger vor, dass wir zu Tierrettungen fahren“, so Torsten Müller im Gespräch. „Wir schauen uns an, was wir machen können. Notfalls holen wir einen Tierarzt.“

Biber streng geschützt

Ein Tierarzt musste am Freitagnachmittag nicht geholt werden, da der Biber sehr wahrscheinlich nicht verletzt war. Jedoch hat die Feuerwehr Kontakt mit dem Biberbeauftragten des Landkreises aufgenommen. Der Umgang mit dem Biber zählt zu den Aufgaben der Unteren Naturschutzbehörde. Ob eine Begutachtung des Tieres durch dieses Amt erfolgt, war am Freitagnachmittag unklar.

Immer wieder sorgen die Nagetiere, die mit ihren kräftigen Zähnen ganze Ökosysteme umbauen können, für Kontroversen. Denn nach dem Bundesnaturschutzgesetz zählt der Biber zu den streng geschützten Arten. Er darf nicht gejagt, gefangen, verletzt oder getötet werden. Ebenfalls nicht erlaubt ist es, den Biber zu stören und seine Baue und Dämme zu beschädigen oder gar zu zerstören.

Biber sorgt für Unmut

Nachdem die Biber auch in Brandenburg stark vom Aussterben bedroht waren, leben nach Angaben des Portals natur-brandenburg.de wieder über 3000 Tiere im Land. Doch ihre Anwesenheit sorgt auch für Unmut. Die Tätigkeit der Nager sorgt häufig für Ärger.

Vor allem bei Landwirten, aber auch bei Förstern. In Brandenburg versucht man, mit einem Sieben-Punkte-Programm für ein landesweites Bibermanagement die Interessen des Naturschutzes und der Einwohner unter einen Hut zu bekommen. Inwieweit das in Eberswalde gelingt, bleibt fragwürdig. Wenn der Biber es will, hat er in dem kleinen Gewässer im Weidendamm-Park erst einmal ein neues Zuhause gefunden.

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