Fotograf in Eberswalde: Mit Willy Brandt auf dem Marktplatz – und weitere Zeitdokumente

Chronist für Eberswalde: Klaus-Dieter Rühs hat für sein erstes Buch „Momente – Mein Leben in Bildern“ sein umfangreiches privates Archiv geplündert.
Sven Klamann- Klaus-Dieter Rühs, bekannter Fotograf aus Eberswalde, veröffentlichte das Buch „Momente – Mein Leben in Bildern“.
- Das Werk ist kein klassisches Biografie, sondern zeigt Alltagsszenen und historische Momente.
- Rühs dokumentierte wichtige Ereignisse, darunter Willy Brandts Besuch 1990 in Eberswalde.
- Nach der Wende fotografierte er politische Persönlichkeiten und historische Veränderungen.
- Das Buch ist beim Autor per E-Mail bestellbar: ruehs-fotodesign@web.de.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Klaus-Dieter Rühs ohne Kamera? Das geht doch gar nicht, werden sich viele Eberswalder jetzt sagen. Der 71-Jährige hat Generationen von Einwohnern der Kreisstadt des Barnims fotografiert. Bei der Arbeit, beim Feiern oder in der Freizeit. Der 71-Jährige ist tatsächlich ein Chronist des Alltags. Und noch immer stadtbekannt. Meist hat der Fotograf tatsächlich seine Nikon dabei. Dieser Tage aber trägt er meist zu schwer an dem opulenten Bildband „Momente – Mein Leben in Bildern“, den er vor allem für Freunde und Bekannte verfasst und im Selbstverlag herausgegeben hat, als dass er sich auch noch eine Kameratasche zumuten würde.
Doch keine Bange, lange hält es Klaus-Dieter Rühs, ein Original aus der Kreisstadt des Barnims, ohnehin nicht ohne die Chance aus, das Gesehene für die Ewigkeit festzuhalten. Auf den Auslöser eines Fotoapparates zu drücken, ist für den Wahl-Eberswalder, der in Perleberg in der Prignitz auf die Welt gekommen ist, so etwas wie eine Lebensaufgabe. Und war und ist seine Lieblingsbeschäftigung.
Mit dieser Kamera hat für den Wahl-Eberswalder alles angefangen
Die Leidenschaft fürs Fotografieren habe sein Vater in ihm geweckt, der Hobbyfotograf und Filmvorführer gewesen sei, verrät Klaus-Dieter Rühs in seinem mehr als 250 Seiten dicken Buch, das neben zahlreichen Abbildungen, vorwiegend in Schwarzweiß, etliche auf den Punkt gebrachte, selbstverfasste Texte enthält, die weit über einfache Bildunterschriften hinausgehen.
Sein erster Fotoapparat seine Boxkamera im Rollfilmformat 6x6 der Marke Certina gewesen, blickt der Rentner im Unruhestand zurück. „Auch heute, nach weit über 50 Jahren, besitze ich das gute Stück noch und es ist voll funktionsfähig“, erfährt der Leser aus dem Bildband.
Klaus-Dieter Rühs ist ausgebildeter Facharbeiter für Reproduktionstechnik, kurz Reprofotograf und hat 1970 in eben diesem Beruf in dem Druckhaus in Frankfurt (Oder) begonnen, in dem heute unter anderem die Märkische Oderzeitung vom Band läuft. „Durch das Ausscheiden eines Bildreporters bei der Zeitungsredaktion wurde dort eine Planstelle in der Fotoabteilung frei. Mein Herzenswunsch, als Fotoreporter zu agieren, konnte so 1976 nach erfolgreicher Bewerbung in Erfüllung gehen“, schreibt der Autor, der zuvor schon als ehrenamtlicher Volkskorrespondent für den damaligen „Neuen Tag“ fotografiert hatte.
Spannende Ansichten Eberswaldes von vor und nach der Wende
Das Werk „Momente – Mein Leben in Bildern“ enthält spannende Zeitdokumente aus dem Alltag im sozialistischen Eberswalde und anderswo. Ab 1983 gehörte neben Bernau und Eberswalde auch Bad Freienwalde zu den Landkreisen, die Klaus-Dieter Rühs mit der Kamera betreut hat. Auf einem Foto von 1984 ist der legendäre Naturschützer Kurt Kretschmann bei einer Führung im Garten des Hauses der Naturpflege zu sehen, das es noch immer in der Kurstadt gibt. Für die Tageszeitung und aus eigenem Antrieb war der Fotograf auch bei den ersten noch zaghaften Demonstrationen gegen die Politik der DDR-Staatsführung dabei, die zur Wende immer mehr Eberswalder angezogen haben. Näher als Klaus-Dieter Rühs dürfte Willy Brandt niemand gekommen sein, als dieser große Politiker 1990 in Eberswalde gesprochen hat. „Seit diesem Tag haben nie wieder so viele Menschen gemeinsam den Marktplatz in Eberswalde betreten“, lautet der Bildtext zu dem doppelseitigen Foto davon.
Klaus-Dieter Rühs hat nach der Wende zudem unter anderem das FDP-Urgestein Otto Graf Lambsdorff und den damaligen Bundeswirtschaftsminister Günter Rexrodt, ebenfalls FDP, bei deren Besuchen in Eberswalde abgelichtet. Und 1994 den Abzug der sowjetischen Truppen aus Eberswalde dokumentiert, das keine Garnisonsstadt mehr war.
Manches Geheimnis des Wahl-Eberswalders bleibt ungelüftet
1996 endete die hauptberufliche Tätigkeit des Fotografen für die Märkische Oderzeitung. Klaus-Dieter Rühs hat sich noch einmal auf die Schulbank gesetzt und zum Mediendesigner ausbilden lassen. Seither arbeitet der Wahl-Eberswalder freischaffend. Etliche Seiten des Buches legen Zeugnis von dieser Schaffensperiode ab. Viel Privates verrät der Autor nicht über sich. Dass er gern reist, wird deutlich. Warum sein Spitzname „Il Doctore“ lautet, indes nicht. „Wenn überhaupt, dann bin ich als Fotograf bekannt. Mein Bildband ist nicht mir, sondern meiner Arbeit und meinem Hobby gewidmet“, betont er. Deshalb sei „Momente – Mein Leben in Bildern“ auch keineswegs eine klassische Biografie.
Es habe ihm viel Freude bereitet, das Buch mit seinen zahlreichen Facetten zu gestalten. „Ich kann versprechen, dass ich, solange es mir möglich ist, noch auf den Auslöser meiner Kamera drücken werde“, lautet der letzte Satz des Werkes, das beim Autor per E-Mail zu bestellen ist. Die Adresse dafür lautet ruehs-fotodesign@web.de.



