Fridays for Future: Eberswalde demonstriert
Damit hätten wir nie gerechnet.“ Man merkt Landelin Winter die Freude über 1260 Teilnehmer bei der Klima–Demonstration am Freitagnachmittag in Eberswalde an. „Das sind doppelt so viele, wie beim letzten Mal“, erklärt der junge Mann, der in der Ortsgruppe von „Fridays For Future“ als Pressesprecher engagiert ist. Bei immer mehr Menschen werde offenbar ein Bewusstsein dafür geweckt, dass sich in Sachen Umwelt– und Klimaschutz etwas tun müsse.
Druck auf die Politik machen
„Es tut sich etwas, aber jetzt kommt es darauf an, dass auch konkrete Ziele formuliert werden“, hoffen Tabea Pitsch und Miriam Lenz, die die Aktion mitorganisiert haben und dabei auf die Klimakommission der Bundesregierung blicken, die ebenfalls am Freitag, nach einer Marathonsitzung, ihre Ergebnisse vorstellen wollte. „Lasst uns für das Klima demonstrieren, gegen Nationalismus und den ganzen Scheiß, der damit zusammenhängt“, findet Sängerin und Cellistin Merle deutliche Worte.
Mit Transparenten auf denen Sprüche wie „Gier zerstört Leben“, „Wir streiken, bis ihr handelt“ oder „Klima ist wie Bier, warm ist scheiße“ zu lesen ist, machen sich die Demonstranten auf den Weg vom Bahnhof aus Richtung Eberswalder Innenstadt. "Save the planet, plant the tree, change your life“ (rette den Planeten, pflanze den Baum, ändere dein Leben) skandieren sie.
In insgesamt 149 Ländern auf allen sieben Kontinenten — in der Antarktis beteiligen sich Wissenschaftler an dem Aktionstag — gehen an diesem Tag Millionen Menschen auf die Straße, um Druck auf die Politik auszuüben und sie zum Handeln zu zwingen.
Vor der Friedrich–Ebert–Wiese legt der Tross einen Stopp ein, viele Demonstranten setzen oder legen sich hin, um damit gegen die Bebauung der Wiese zu protestieren. „Es wird immer mehr Wetterextreme geben und wir brauchen die Grünanlagen als Sickerflächen bei Starkregen“, lautet die Begründung dafür. Nicht alle Demonstranten bekommen etwas mit von der Aktion und bleiben stehen. „Es ist auch immer noch etwas jugendliches Chaos mit dabei“, erklärt Landelin Winter dazu. Auch bei der Organisation der Aktionen gebe es noch Verbesserungsmöglichkeiten. Aber das sei auch völlig in Ordnung, so der Zwölftklässler, der im kommenden Jahr sein Abitur macht. Es werde nicht die letzte Demonstration in Eberswalde sein, verspricht Winter.
Immer mehr Erwachsene dabei
Es sind überwiegend junge Leute an diesem Tag unterwegs, aber längst nicht mehr ausschließlich. Immer mehr Erwachsene beteiligen sich ebenfalls an den Demonstrationen gegen den Klimawandel. „Es ist schön, dass wir nicht mehr einfach als Schulschwänzer abgetan werden, sondern den Leuten bewusst wird, dass die Demonstrationen wichtig sind, um etwas zu erreichen“, so Landelin Winter.
Bei der Maria–Magdalenen–Kirche endet die Demonstration, der Platz und die Wiese vor der Kirche füllen sich mit Menschen. „Mit so vielen Teilnehmern haben die Organisatoren offenbar nicht gerechnet“, stellt auch Polizeihauptmeister Alexander Jasiczek fest, der die Demonstration absichert. „Alles ist ruhig geblieben, nur ein paar Autofahrer haben sich aufgeregt, weil sie wegen des Protestzuges im Stau standen“, berichtet Einsatzleiter Jörg Matzke. Das gehöre eben auch dazu. Die meisten Autofahrer blieben jedoch ruhig und geduldig und stellten während der Wartezeit den Motor ab, damit sie nicht noch zusätzlich Kohlendioxid in die Luft bliesen.

