Guten Morgen Eberswalde: Erfolgsprojekt zum fünften Mal in Folge ausgezeichnet

Udo Muszynski (links) und sein Mitarbeiter Klaus Gollin in der Galerie Fenster. Die Galerie betreibt der Kulturveranstalter in Zusammenarbeit mit der Wohnungsgenossenschaft 1893.
Stephan BackertSonnabendvormittag, halb elf. Dieser Termin ist seit dem 14. Juli 2007 für Einwohner und Gäste ein fester Fixpunkt. Seit dieser Zeit gibt es ununterbrochen die Veranstaltungsreihe „Guten Morgen Eberswalde“.
Zum fünften Mal in Folge erhielt sie einen der höchstdotierten Kulturpreise der Bundesrepublik Deutschland. Über 850 Ausgaben gibt es von der Veranstaltungsreihe, die für Besucher kostenlos ist und weit über die Grenzen des Barnims bekannt ist.

Die 800. Ausgabe von „Guten Morgen Eberswalde“ fand am fünften November 2022 im Paul-Wunderlich-Haus statt. Auch sie war ein Zuschauermagnet.
Steffen GroßTreibende Kraft dahinter ist Udo Muszynski, der seit über 16 Jahren das Programm der Reihe verantwortet und Künstlerinnen und Künstler aus vielen Bereichen dafür nach Eberswalde holt. 96 Auszeichnungen in sechs Kategorien wurden im Oktober 2023 in Hannover im Rahmen des Bundeskulturpreises Applaus verliehen.
Guten Morgen Eberswalde als einziges Projekt aus Brandenburg
Applaus steht als Abkürzung für Auszeichnung der Programmplanung unabhängiger Spielstätten. „Guten Morgen Eberswalde„ ist unter den 96 Preisträgern das einzige Projekt aus Brandenburg, welches in diesem Jahr ausgezeichnet wurde – Preisgeld: 10.000 Euro. Die Auszeichnung gab es in der Kategorie „Beste kleine Spielstätten und Konzertreihen“. Zum fünften Mal in Folge hat die Eberswalder Veranstaltungsreihe den Applaus-Preis erhalten.
2017 kam es zu einer folgenschweren Begegnung in Dresden zwischen Udo Muszynski und Dieter Gorny, einem einflussreichen Musik- und Medienmanager, der in den 90er Jahren unter anderem am Aufbau des Musikfernsehsenders Viva und der Musikmesse Popkomm maßgeblich beteiligt war. Dieter Gorny riet ihm damals, sich für den Applaus-Preis zu bewerben, was bereits im Jahr 2018 erstmals zum Erfolg führte.
Jedes Jahr neu überzeugen
Im Gespräch mit MOZ.de sagte Udo Muszynski, dass es bei diesem Preis in jedem Jahr eine neue Jury gibt. Man muss die Experten also auch in jedem Jahr neu überzeugen. Das Preisgeld ist, so Udo Muszynski, für das Jahr darauf als Zuschuss gedacht. So soll neben der Struktur der Veranstaltung auch die Zahlung der Künstlerhonorare gestärkt werden. Die Höhe des Preisgeldes relativiere sich dabei auch, da es so viele Veranstaltungen gäbe.
„Es geht darum, ein qualifiziertes Angebot zu machen“, sagte der Eberswalder, ohne den es auch weitere überregional bekannte Veranstaltungsreihen wie Jazz in E oder das Purpur Kulturfest im Forstbotanischen Garten nicht gäbe. „Guten Morgen Eberswalde“ sei als Zeichen in die Region gedacht. Für die finanzielle Absicherung von „Guten Morgen Eberswalde“ braucht es aber Partner.
Das sind keine großen Konzerne. Es sind Unternehmer vor Ort, die hier leben. Dabei gibt es Partner, die bei ihrem finanziellen Engagement auch die Inflation ausgleichen können. Andere Unternehmen können momentan weniger Geld für Kultursponsoring ausgeben. „Wir haben hier einen bemerkenswert stabilen Unterstützerkreis“, so die Einschätzung des Eberswalder Kulturmanagers. Guten Morgen Eberswalde stehe auf den drei Säulen öffentliche Förderung, private Spenden und ehrenamtliches Engagement.
Kultur für alle
„Kultur soll nicht am Geldbeutel hängen.“ Das ist eine von vielen Antworten auf die Frage nach dem Antrieb für seine Arbeit. Ein weiterer Aspekt sei, dass Leute, auch neue Einwohner der Stadt, sich so kennenlernen können, zu einer Uhrzeit, an der alle Generationen teilnehmen können. „Jeder Samstag ist ein Stück weit eine Wundertüte“, so der Kulturakteur.
Befragt nach dem Stellenwert, den ein Kulturveranstalter wie Udo Muszynski für die Stadt hat, antwortete Eberswaldes Kulturdezernent Bernd Schlüter: „In Eberswalde gibt es sehr viele Akteurinnen und Akteure der freien Kulturszene, ohne die das kulturelle Leben nicht so hochwertig und abwechslungsreich wäre wie es ist. Udo Muszynski gehört zu diesen Akteuren, die mit ihrer Arbeit schon seit vielen Jahren einen wichtigen Beitrag in diesem Bereich leisten - auch weil er nicht nur nach innen in die Stadt hineinwirkt, sondern mit seinen Formaten und Erfolgen auch außerhalb unserer Stadtgrenzen Aufmerksamkeit für Eberswalde erzeugt.“
Beitrag zum Ruf der Stadt Eberswalde
Man könnte Udo Muszynski die Rolle eines Botschafters der Eberswalder Kultur andichten. Doch dieser Einschätzung will Bernd Schlüter nicht folgen. „Botschafter ist für mich nicht der passende Begriff, weil die Stadt ja keine Kulturschaffenden entsendet oder sie mit derartigen Rollen beauftragt. Aber auf jeden Fall hat Herr Muszynski mit seinen Formaten und Veranstaltungen zum guten Ruf Eberswaldes als Kulturstadt beigetragen.“
Eberswalde stand zuletzt unter einer Haushaltssperre, welche im September aufgehoben wurde. Bis zum 31. Dezember 2023 ist der Haushalt momentan gesichert. Ins Jahr 2024 startet man ohne beschlossenen Haushalt und somit nur unter vorläufiger Haushaltsführung. Bernd Schlüter sagte zu den Auswirkungen auf den Kulturbereich: „Grundsätzlich richtig ist, dass die Stadt bei vorläufiger Haushaltsführung nur zu Leistungen verpflichtet ist, für die es eine vertragliche Bindung gibt. Allerdings droht der Kultur im aktuellen Szenario keine außergewöhnliche Durststrecke. Denn aktuell ist ein Beschluss der Haushaltssatzung am 25.01.2024 anvisiert. Das hätte auf die Kulturförderung keine außergewöhnliche Auswirkung, da die Anträge traditionell in der Februar-Sitzung des zuständigen Ausschusses (für Kultur, Soziales und Integration, d. Red.) behandelt werden.“
Programm steht bis März 2024
Udo Muszynski ist mittlerweile mitten in den Planungen für das Jahr 2024. Das Programm steht bis Ende März. Für die Folgemonate gibt es bereits Optionen. „Manchmal ist es reizvoll, auf kurzfristige Angebote einzugehen“, so Eberswaldes unermüdlicher Streiter für Kultur.
Galerie Fenster auf der Werft im Brandenburgischen Viertel
● Vom 30. November 2023 bis zum 18. Februar gibt es in der Galerie Fenster in der Prignitzer Straße 50 in Eberswalde gleich zwei Ausstellungen zu sehen.
● Zum einen sind Fotografien von Stephanie Steinkopf unter dem Titel „Manhattan - Straße der Jugend“ zu sehen. Vom Maler Gerhard Wienckowski werden Aquarelle und Lithografien ausgestellt. Weitere Informationen auf der Webseite der Galerie.
● Bei „Guten Morgen Eberswalde“ gibt es am neunten Dezember High Energy Jazz und Free Rock zwischen Derek Bailey und Eric Clapton. Derek plays Eric spielt im Paul-Wunderlich-Haus. Beginn: wie immer um 10 Uhr 30.




