Holocaust bei Eberswalde: Kindheit zwischen Oderberg, dem Ghetto Lodz und der Vernichtung

Das Haus Angermünder Straße 53 in Oderberg. Die Familie von Kaufmann Moritz Blumenthal lebte hier in den Jahren um 1900.
Stephan Backert- Erinnerung an Walter Blumenthal: Stolperstein am 5. Oktober vor Angermünder Straße 53.
- Blumenthal, 1904 in Oderberg geboren, arbeitete in Berlin und hatte vier Kinder.
- 1941 wurde die Familie deportiert, selbst das Sparbuch des achtjährigen Sohnes konfisziert.
- Im November ging es ins Ghetto Litzmannstadt, im Mai 1942 nach Kulmhof – dort ermordet.
- In Oderberg existierte seit 1938 kein jüdisches Gemeindeleben mehr; Synagoge 1926 abgerissen.
Die Zusammenfassung wurde von einer generativen künstlichen Intelligenz erstellt.
Die Angermünder Straße zählt zum Ortskern der Stadt Oderberg. Einige Häuser sind saniert worden. Das unscheinbare Haus Nummer 53 zählt nicht dazu.
Walter Blumenthal wurde am elften Oktober 1904 im Haus Angermünder Straße 53 geboren. Sein Vater Moritz Blumenthal war Kaufmann und verstarb kurze Zeit später im Januar 1905. Laut Sterbeurkunde war ein Herzschlag die Ursache. Er wurde auf dem jüdischen Friedhof in Oderberg beerdigt, Grabsteinnummer 27. Ein Heimatkundler hat sich ausführlich mit der Geschichte von Walter Blumenthal befasst.
Massenarbeitslosigkeit und enormer Fortschritt
Die Mutter von Walter Blumenthal, die jetzt Witwe war, verkaufte das Haus in Oderberg und ging vermutlich nach Berlin. Die nicht ganz so goldenen 20er Jahre waren geprägt von viel Glanz und noch mehr Elend. Massenarbeitslosigkeit und ein enormer technologischer Fortschritt waren der Zeitgeist dieser Jahre.
Walter Blumenthal wird Oberregistrator in einer Bank in Berlin und heiratet im November 1926 die drei Jahre jüngere Verkäuferin Elsa Joseph. Das Paar, welches in der Jablonski-Straße im Prenzlauer Berg wohnte, bekommt vier Kinder, drei Jungen und ein Mädchen.
Republik am Abgrund
Im Jahr 1931 sind die Zeichen des aufziehenden Nationalsozialismus bereits unübersehbar. Die Weimarer Republik taumelte am Abgrund. In diesem Jahr tritt Walter Blumenthal aus der jüdischen Gemeinde aus und wird evangelisch.
Die junge Familie wohnt zwischenzeitlich in der Treskowstraße in Pankow. Ein letzter Hinweis auf ihr Leben in Berlin findet sich im Telefonbuch von 1940 für die Wielandstraße in Charlottenburg. Im Jahr 1941 erhielt die Familie schriftlich die Ankündigung ihrer Deportation.
Taschengeld für die eigene Deportation
Mit behördlicher Gründlichkeit wurde diese durchgeführt. Vor der Deportation musste von der Familie für alle sechs Personen des Haushaltes eine Vermögenserklärung ausgefüllt werden. Sie hatten fast nichts mehr, außer das, was sie am Leibe trugen. Lediglich der acht Jahre alte Sohn Knut Jürgen Norbert besaß ein Sparbuch in Höhe von 4 Reichsmark. Das wurde konfisziert, um die Unkosten der Deportation zu decken. Ordnung musste sein.
Eine weitere Perversion nationalsozialistischer Behördentätigkeit wurde an diesem Punkt sichtbar. Jüdische Menschen mussten nicht nur den Judenstern tragen. Sie bekamen alle auch einen Zusatznamen, der es den Behörden leichter machte, sie als Juden zu erkennen. So bekam beispielsweise Knut Jürgen Norbert noch den weiteren Namen Israel hinzu, obwohl sein Vater zu dieser Zeit längst zum evangelischen Christentum konvertiert war.
Im November wurde die gesamte Familie zunächst ins jüdische Ghetto nach Litzmannstadt (heute Łódź in Polen) deportiert, so der Heimatkundler. Es war das am längsten existierende nationalsozialistische Ghetto in Polen. Von 1939, das Jahr, in dem der Zweite Weltkrieg mit dem deutschen Überfall auf Polen begann, bis 1945 diente dieses Lager als Durchgangslager. Von hier aus wurden die Menschen zur endgültigen Vernichtung nach Kulmhof, Auschwitz II, Majdanek, Treblinka und Sobibor verschleppt.
Autoabgase wurden zur tödlichen Falle
Eine Transportliste vom Mai 1942 besagt, dass Walter und Elsa Blumenthal und ihre vier Kinder an diesem Tag ins Vernichtungslager Kulmhof abtransportiert wurden.
Das Konzentrationslager Kulmhof gab es seit dem Herbst 1941. Heute heißt Kulmhof Chełmno und ist eine Stadt mit etwa 20.000 Einwohnern in der polnischen Woiwodschaft Kujawien-Pommern. Hier wurden die Menschen mit Peitschen in die Laderäume von LKWs gepfercht. Autoabgase wurden so lange eingelassen, bis alle Insassen gestorben waren.
Lager nicht überlebt
Die Menschen erstickten innerhalb von Minuten. Nach Angaben des Deutschen Historischen Museums in Berlin wurden in Chełmno mindestens 152.000 Menschen, hauptsächlich Juden, mit Giftgas umgebracht. Hinzu kamen etwa 5.000 sogenannte Zigeuner.
Nur kurze Zeit hat die Familie hier überlebt. Seine Frau Elsa, Tochter Christa sowie die Söhne Gerhard und Jürgen wurden alle am 9. Mai ermordet. Sein ältester Sohn Wolfgang und Walter Blumenthal selbst wurden am 14. Mai 1942 umgebracht.
Synagoge im Fachwerkstil
Im Jahr 1850 hatte die jüdische Gemeinde von Oderberg mit 52 Mitgliedern ihren Höchststand erreicht. Berlin wurde immer größer und attraktiver und sorgte so für eine Abwanderung auch der jüdischen Bevölkerung. Auch die Weltwirtschaftskrise tat ihr Übriges. Um die Wende zum 20. Jahrhundert hatte die Gemeinde 43 Mitglieder. Im Jahr 1925 sank die Zahl auf sieben.
Die Synagoge, die die Gemeinde im ortstypischen Fachwerkstil errichten ließ, war mittlerweile so baufällig, dass sie 1926 abgerissen werden musste. Um diese Zeit löste sich auch die jüdische Gemeinde von Oderberg auf. Die wenigen verbliebenen Juden von Oderberg lebten ihr religiöses Leben ab dieser Zeit in Angermünde.

Der jüdische Friedhof in Oderberg, zwischen Bardin und Fliederweg gelegen. Er ist das sichtbarste Zeichen dafür, dass es hier jüdisches Leben gegeben hat.
Stephan BackertBereits um 1938, zur Zeit der Novemberpogrome, gab es kein jüdisches Leben mehr in Oderberg. Es ist bis heute nicht zurückgekehrt.
Stolpersteine in Oderberg
● Mit der Verlegung von sogenannten Stolpersteinen soll an die Verfolgten des Nationalsozialismus, wie zum Beispiel auch Sinti und Roma sowie der Euthanasieopfer lebendig gehalten werden.
● Am 5. Oktober wird um 11 Uhr 30 vor dem Haus Angermünder Straße 53 ein Stolperstein in Erinnerung an Walter Blumenthal verlegt. Stolperstein-Initiator Gunter Demnig wird bei der öffentlichen Veranstaltung anwesend sein.
● Am selben Tag wird ein weiterer Stolperstein vor dem Haus Angermünder Straße 6 verlegt. Hier wird an die Geschichte von Joseph Emil Gobitz erinnert, der in einem KZ in Frankreich ermordet wurde.





