Wie ein Riesenfernrohr sieht das Instrument aus, das Britta Fügener aufbaut. Doch wenn sie die Lippen ansetzt, legen sich warme, tiefe Töne über den Raum. Trotz ihrer Größe sei die an ein Teleskop erinnernde viereckige Bassblockflöte sehr leicht. „So können schon ganz junge Kinder sie spielen“, erklärt die 58-Jährige.

Mehr als 30 Flöten zur Hand

Sie selbst hat Flöten für jede Ton- und Stimmungslage, aus verschiedenen Hölzern, Epochen und Klangspektren fast bis hin zum Percussioninstrument. „Bestimmt 30 Instrumente sind es locker.“ Zum Musizieren für den privaten Genuss kommt sie derzeit indes kaum. „Es ist dafür einfach keine Zeit“, sagt die gebürtige Eberswalderin.

Posten nach kommissarischer Leitung nun fest übernommen

Seit Oktober 2019 leitet die Lehrerin für Block- und Querflöte sowie elementare Musikerziehung die Musikschule Barnim. Zunächst hatte sie den Posten kommissarisch übernommen. Nach Ausschreibung der Stelle Ende des vergangenen Jahres leitet Fügener das Haus mit den zwei Standorten in Bernau und Eberswalde seit Mitte Februar nun fest.

Zum Chefwechsel vor 17 Jahren waren die Kinder noch im Haus

„Macht man das nochmal oder nicht?“ – die Frage habe für sie schon einmal zur Debatte gestanden. Als Josef Günther, der damalige Direktor, den Staffelstab 2004 schließlich an Britta Fügeners Vorgänger Christian Schommartz weitergab, entschied sie sich jedoch dagegen. „Damals hatte ich noch die Kinder im Haus“, sagt sie.

„Im Kollegium großer Rückhalt“

Diesmal aber standen alle Zeichen auf die neue Aufgabe. Zwar kam der Wechsel in einer Zeit schwierigen Fahrwassers für die Einrichtung. Die Fluktuation war groß, das Verhältnis zwischen Chef Schommartz und Teilen des Teams in Schieflage.
Britta Fügener traute sich das Amt zu, nachdem sie bereits mehr als 20 Jahre stellvertretende Leiterin der Kreismusikschule und Regionalstellenverantwortliche für Eberswalde war. „Auch dadurch, dass ich im Kollegium großen Rückhalt habe, dachte ich, das wäre gut machbar.“

In der Pandemie liegen neue Ideen auf Eis

Dass die neue Herausforderung ausgerechnet mit einer Zeit zusammenfällt, in der vieles, was sie gern umgesetzt hätte, nicht möglich ist, sei allerdings bitter, räumt Britta Fügener ein. Erst kurz vor Ostern ging der Präsenzunterricht wieder los. Vielfach läuft seit über einem Jahr alles nur online. Die Ensemblearbeit liegt vollkommen brach. „Ich hoffe, dass wir mit neuen Ideen und neuen Kollegen bald wieder durchstarten können“, sagt sie.

Seit 34 Jahren Eberswalder Musikschüler unterrichtet

Wie viele Kinder sie schon musisch angesteckt hat, lässt sich unmöglich nachrechnen. Hunderte dürften es schon gewesen sein, die Gruppen Vier- bis Sechsjähriger in der Früherziehung und natürlich die Instrumentalschüler mitgezählt. Auch etliche Ensembles hat sie begleitet. „Ich gehöre quasi schon zum Inventar“, sagt sie. Immerhin ist die studierte Musikpädagogin mittlerweile seit 34 Jahren an der Schule – die Zeit, in der sie selbst Schülerin war, nicht eingerechnet.

Als Kindergartenkind lernte sie Flöte bei Kantor Hermann Euler

Mit der Blockflöte begonnen hatte sie im Vorschulalter. Den Unterricht im evangelischen Kindergarten in der Pfeilstraße erteilte Kantor Hermann Euler – der sie an die Musikschule weiterempfahl. Damals stieg Britta Fügener auf Querflöte um. An vier Tagen in der Woche bekam sie später Unterricht am Instrument.

Glück mit der Aufnahmeprüfung an der Hochschule für Musik in Rostock

Dass es beruflich in der Richtung weitergehen sollte, stand dennoch nicht vornherein fest. „Ich habe eher in den Tag hineingelebt und mir das erst beim Abi überlegt.“ Mit der Aufnahmeprüfung habe es wider Erwarten auf Anhieb geklappt. „Ich hatte Glück“, sagt Britta Fügener. An der Musikhochschule in Rostock kam zur Querflöte für sie unerwartet auch wieder die Blockflöte hinzu, später ihre eigentliche Liebe. Beide Fächer unterrichtet sie bis heute.

„Das eine Paar, das aus dem Klassenverband hervorging“

Als 22-Jährige begann für sie das Berufsleben, über die in der DDR übliche Studienlenkung zunächst in Rathenow. Zwei Jahre später kehrte sie nach Eberswalde zurück, wo ja auch ihr Mann herkam. „Wir waren das eine Paar, das aus dem Klassenverband hervorging, was damals aber noch nicht abzusehen war“, erzählt sie. Erst in der Studienzeit kamen Fügeners zusammen.

Drei erwachsene Söhne spielen selbst Instrumente

Die drei inzwischen 33, 30 und 28 Jahre alten Söhne des Paares, von denen einer nach Dresden zog und zwei heute in Berlin leben, sind ebenfalls musisch geprägt. Der älteste ist Schulmusiker und spielt Geige und Klavier. Ihr Mann hingegen, Ingenieur für Elektroanlagen, habe mit Musik gar nichts zu tun.

Unterricht an 24 Instrumenten möglich

In Eberswalde, wo die Musikschule damals in der Eisenbahnstraße 11 noch ein eigenes Haus hatte, verpflichtete Musikschuldirektor Günther die frühere Schülerin als Lehrerin. Mit dem Humboldt-Gymnasium zog Mitte der 90er-Jahre der Regionalstandort in das neue Campusgebäude in der Werner-Seelenbinder-Straße. Von dort aus hält Britta Fügener nun auch die Fäden in der Hand. Rund 1900 Schüler hat die Musikschule an beiden Standorten. 71 Lehrkräfte, davon 15 festangestellt, unterrichten in 30 Fächern beziehungsweise an 24 Instrumenten.

Bandprojekte und E-Musik geplant

Was sie in der nächsten Zeit vorhat? Erst einmal sei es wichtig, das Angebot, das es gibt, zu halten, sagt sie. „Im Moment meldet sich kaum jemand an.“ In den zurückliegenden anderthalb Jahren sei es aber gelungen, 16 neue Honorarkollegen zu binden. „Wir stehen in den Startlöchern mit einigen Projekten und neuen Angeboten“, sagt die Musikschulchefin. Bandprojekte etwa und das Fach E-Musik sollen etabliert werden.
Längst schicken viele ihrer früheren Schüler bereits ihre Kinder in die Musikschule. „Das ist besonders schön“, sagt Britta Fügener. „Dann hat man erreicht, was man wollte – die Liebe zur Musik weiterzugeben.“