Razzia in Eberswalde: Das war der Grund für den Großeinsatz der Polizei

Als ob nichts gewesen wäre: In Eberswalde ist das Tor zum Hinterhof an der Rudolf-Breitscheid-Straße, Ecke Eisenbahnstraße geschlossen. Nichts erinnert mehr an den Großeinsatz der Polizei vom Vortag.
Sven KlamannDas Tor zum Hinterhof an der Rudolf-Breitscheid-Straße, Ecke Eisenbahnstraße, ist verschlossen. Nichts erinnert mehr an den dortigen Großeinsatz der Bundespolizei, der am 5. Juni für Aufregung in Eberswalde gesorgt hatte. Das Mietshaus in der Kreisstadt des Barnims war dabei nur eines von 51 Objekten in Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern gewesen, die im Auftrag der Staatsanwaltschaft Berlin und der Schwerpunktabteilung zur Verfolgung der organisierten Kriminalität im Land Brandenburg der Staatsanwaltschaft Frankfurt (Oder) durchsucht worden waren.
Der Großeinsatz in Eberswalde und anderswo habe sich gegen mutmaßliche Empfänger von verfälschten und totalgefälschten Aufenthaltstiteln, ID-Karten sowie Führerscheinen gerichtet, informiert die Bundespolizei im Nachgang.
Strafverfahren gegen 551 Tatverdächtige eingeleitet
„Vorausgegangen sind Ermittlungen gegen eine Gruppe mutmaßlicher Urkundenfälscher, die von der Türkei aus weltweit Dokumente versendet haben sollen. Den Tatverdächtigen in der Türkei wird banden- und gewerbsmäßige Urkundenfälschung vorgeworfen. Im Rahmen von verdeckten Maßnahmen konnte der Verkauf von verfälschten oder totalgefälschten Identitätspapieren über soziale Medien ermittelt werden. So soll die mutmaßliche Bande in den Jahren 2021 und 2022 aus der Türkei weltweit mehr als 9.000 verfälschte oder gefälschte Ausweispapiere versandt haben, von denen mehr als 2.000 verfälschte europäische Reisedokumente bzw. ID-Karten per Post nach Europa verschickt wurden. Darunter befanden sich rund 920 Postsendungen nach Deutschland“, heißt es in der Pressemitteilung der Strafverfolgungsbehörde.
551 Tatverdächtige hätten bislang identifiziert werden können. Gegen sie seien Strafverfahren wegen des Verschaffens von falschen amtlichen Ausweisen bzw. aufenthaltsrechtlichen Dokumenten durch deren Einfuhr nach Bestellung über Online-Portale eingeleitet worden. Allein in Berlin und Brandenburg hätten 50 Wohnanschriften ermittelt und am 5. Juni durchsucht werden können.
In Berlin wurde eine mögliche Fälscherwerkstatt entdeckt
„Die Durchsuchungen richteten sich gegen die Empfänger der jeweiligen Postsendungen. Durch die Sicherstellung der Ausweispapiere und anderer Unterlagen wie auch Datenträgern sollen aber nicht nur deren Nutzung, womöglich auch zur Begehung weiterer Straftaten unter falschen Personalien, verhindert werden. Es soll zudem das Täterumfeld der aus der Türkei agierenden Bande erhellt werden“, teilt die Bundespolizei mit. Die Durchsuchungen seien in allen zwölf Berliner Stadtbezirken, in Templin, Wittstock/Dosse, Potsdam, Teltow, Frankfurt (Oder), Eberswalde und Stahnsdorf sowie in Ahlbeck (Mecklenburg-Vorpommern) erfolgt. Es seien umfangreiche Beweismittel wie ein gefälschter italienischer Führerschein, eine gefälschte ukrainische ID-Karte, zwei belgische Reisepässe, zwei gefälschte deutsche Aufenthaltstitel und zwei gefälschte belgische Aufenthaltstitel aufgefunden worden.
„In einem Objekt in Berlin konnte eine mögliche Fälscherwerkstatt festgestellt werden. Hier stellten die Einsatzkräfte einen Thermodrucker und Druckerplatten, die für die Herstellung von gefälschten ID-Karten geeignet sind, sicher. Zudem konnten Bankkartenrohlinge aufgefunden werden. Des Weiteren fanden die Beamtinnen und Beamten im Keller eines Durchsuchungsobjektes in Berlin Tempelhof-Schöneberg 12.500 Bargeld auf und stellten dies sicher. Zudem wurden Mobilfunkgeräte, Waffen wie z.B. ein Butterfly-Messer, Teleskopschlagstock mit Springmechanismus, zwei Schreckschusspistolen sowie ein Schlagring- und 13 Platzpatronen fest- und sichergestellt“, geht aus der Mitteilung der Strafverfolgungsbehörde weiter hervor.
Bundespolizei mit 300 Einsatzkräften an Einsatz beteiligt
Während der Durchsuchungsmaßnahmen seien neun Personen, vier Syrer, zwei Serben, zwei Vietnamesen und ein Ghanaer, in Gewahrsam genommen worden, die sich illegal in Deutschland aufgehalten hätten. Ferner hätten die Einsatzkräfte in einem Objekt in Charlottenburg-Wilmersdorf Betäubungsmittel. Hierbei habe es sich um etwa 24 kg Marihuana mit einem Straßenverkaufswert von ungefähr 240.000 Euro gehandelt. An den Durchsuchungen in Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern seien 300 Bundespolizistinnen und Bundespolizisten und eine gemeinsame Streife von Bundespolizei und Zoll beteiligt gewesen.


