Es war Februar und es wehte ein kalter Wind, als wir zuletzt mit Steffen Zasada vom Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Eberswalde an der Kanalbaustelle waren (mehr dazu hier). Damals sah es gut aus für den Fortschritt der Bauarbeiten. Denn ein echter Winter mit hartem Frost und Schnee schien auszubleiben.
Nun hat der Bauausschuss der Gemeinde Schorfheide die Kanalbaustelle besucht. Zunächst auf der Südseite der Mäckerseebrücke, ein paar Meter vor dem Kanal, in einem Container direkt neben dem Bauarbeitercamp, das dort entstanden ist. Dort wohnen die Menschen, die sonst die schweren Gerätschaften auf der Baustelle bewegen, eine Fläche voller Wohnwagen und Container. Als sich das Schorfheider Gremium vor Ort trifft, haben die Arbeiter bereits Feierabend. Etwa 50 sind jeden Tag auf der Baustelle aktiv.

65-Millionen-Euro-Projekt

In einem Büro-Container verdeutlicht WSA-Mann Steffen Zasada dem Bauausschuss und Bauamtsleiterin Juliane Ness anhand von Karten nochmal die Eckdaten. Der Oder-Havel-Kanal wird zwischen Marienwerder und Lichterfelde von vorher etwa 30 Meter auf 55 Meter Wasserspiegelbreite ausgebaut. Statt 2,50 Meter soll der Kanal künftig durchgängig vier Meter tief sein. 65 Millionen Euro sind die Kosten des Projekts.
„Ein Viertel ist durch“, sagt Zasada beim Treffen mit den Ausschussmitgliedern. Hätte es eine Wintersperre gegeben, sähe das anders aus. So kam der Bauzug kontinuierlich 100 bis 150 Meter pro Woche voran. Im Juni vergangenen Jahres hatte es an der Baustelle den ersten Spatenstich gegeben. (hier der Bericht darüber).

Von Eidechsen überrascht

„Die Eidechsen haben uns zu Beginn ein bisschen überrascht, aber das haben wir ganz gut hinbekommen“, sagt Zasada mit Blick auf die ökologische Baubegleitung. Zäune waren gebaut, 600 Tiere umgesiedelt worden. Ein Planänderungsverfahren, als die Bauarbeiten schon vergeben waren, konnte abgewendet werden. Es baut die Firma Strabag Wasserbau mit Sitz in Hamburg, die mit dem Projekt im Barnim auch eine Visitenkarte hinterlassen wolle, meint Zasada.
Als sich der Bauausschusses am Abend des Treffens vom Container-Camp zur Kanalbaustelle begibt, stehen die Maschinen still. Sie befinden sich im Gegensatz zum Februar nun auf der Nordseite des Kanals. An der Böschung der Südseite sind die weißen Geotextilfolien mit den Wasserbausteinen darauf schon verlegt. Nur in südliche Richtung wurde auch verbreitert. Auf dem Stück der Nordseite, das der kleine Tross abläuft, ist die Böschung ebenfalls mit den Steinen befestigt, zum Teil hält eine Spundwand das Wasser im Zaum.

Taucher tasten ab

Das entnommene Material, so erklärt Zasada, kann so nicht wieder verwendet werden. Der Ton darin ist mit Sand und anderen Sedimenten vermischt. Stattdessen wird eine frische Tonschicht in den Grund des Kanals eingebracht. Am Tage können auf dem Damm die imposanten Tonverleger bei ihrer Arbeit beobachtet werden.
Die Maschinen, die an der Baustelle zum Einsatz kommen, arbeiten mit GPS. Um etwaige Lücken beim Einbringen des neuen Materials zu ertasten, werden Taucher eingesetzt. Sie müssen tatsächlich tasten. Denn wie Steffen Zasada erklärt, sei die Sicht unter Wasser gleich null. Es werde auch ohne Unterbrechung des Schiffsverkehrs gebaut. Die Randbedingungen seien etwas andere als bei Entstehung des Kanals, erklärt Steffen Zasada auf eine Frage, die auf eine doch lang erscheinende Bauzeit trotz Einsatz modernster Technik abzielte. In fünf Jahren sollen die Arbeiten abgeschlossen werden.