ArcelorMittal Eisenhüttenstadt
: Heimspiel für IG Metall, anders als bei Tesla

Nicht nur bei Tesla in Grünheide, sondern auch bei ArcelorMittal Eisenhüttenstadt stehen im März Betriebsratswahlen an. Doch in dem Stahlunternehmen läuft vieles anders als beim US-Autobauer.
Von
Janet Neiser
Eisenhüttenstadt
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IG Metall und ArcelorMittal

Die IG Metall hat bei ArcelorMittal Eisenhüttenstadt einen sehr hohen Organisationsgrad. Das ist auch bei der Betriebsratswahl zu spüren. Die läuft anders als bei Tesla. Die T-Shirts der Gewerkschaft (rechts) sind bei den Metallarbeitern sehr beliebt.

Janet Neiser
  • Bei ArcelorMittal Eisenhüttenstadt stehen im März Betriebsratswahlen an (9.–16. März).
  • Es gibt nur eine Liste: IG Metall; gewählt wird per Personenwahl, 21 Sitze zu vergeben.
  • 48 Kandidaten treten an, davon zehn Frauen; hoher IG-Metall-Organisationsgrad (ca. 90 %).
  • IG Metall betont Tarifabschlüsse, Arbeitszeitmodelle, Gesundheitsförderung und Protestaktionen.
  • Anders als bei Tesla: dort eskalierter Wahlkampf und Listenwahl mit mehreren Gruppierungen.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Alle vier Jahre werden bundesweit Betriebsräte in Unternehmen gewählt. In der Regel finden die Wahlen im Frühjahr statt, und zwar zwischen dem 1. März und dem 31. Mai. Gleich im März stimmen die Arbeitnehmer unter anderem bei Tesla in Grünheide und auch bei ArcelorMittal Eisenhüttenstadt ab.

Im Gegensatz zum US-Autobauer im Berliner Speckgürtel, wo der Betriebsratswahlkampf jüngst eskaliert ist, wo die Geschäftsleitung und die Industriegewerkschaft (IG) Metall sich verfeindet gegenüberstehen und sogar die Justiz involviert ist, verläuft die Vorbereitung der Wahl beim weiter südlich gelegenen brandenburgischen Stahlhersteller in geordneten Bahnen.

Dort wird in diesem Jahr erneut eine Personenwahl über die Zusammensetzung des neuen Betriebsrates entscheiden, weil es nur eine Liste gibt, nämlich die von der IG Metall. In der Tesla-Gigafactory stehen hingegen auch mehrere managementnahe Gruppierungen neben der Industriegewerkschaft zur Wahl, weshalb bei dem Autohersteller eine Listenwahl stattfindet.

48 Kandidaten zur Betriebsratswahl bei ArcelorMittal

Zwischen wie vielen Betriebsratskandidaten können die rund 2.700 Beschäftigten von ArcelorMittal Eisenhüttenstadt denn vom 9. bis 16. März wählen? Listenschluss war in der ersten Februarwoche. „Wir haben 48 Kandidaten, sind also wieder gut unterwegs“, sagt Dirk Vogeler, der überzeugter IG Metaller und seit 2020 Betriebsratsvorsitzender ist. Damals war der langjährige Vorsitzende Holger Wachsmann in die Geschäftsführung der Industriegewerkschaft Metall Ostbrandenburg gewechselt. Vogeler möchte weitermachen, steht erneut auf der Liste, sogar ganz oben.

21 Betriebsratssitze sind bei dem Stahlhersteller in Eisenhüttenstadt zu vergeben. Das Doppelte an Kandidaten sollte man immer haben, erklärt der IG Metaller und fügt hinzu, dass es bei den vergangenen Wahlen immer so um die 50, mal zwei mehr oder weniger, gewesen seien. „Ich freue mich, dass wir wieder so viele Kandidaten gefunden haben.“

Unter den 48 Bewerbern sind Vogeler zufolge auch zehn Frauen. „Frauen haben immer eine gute Chance, in den Betriebsrat zu kommen“, sagt der Vorsitzende – auch mit Blick auf die Quotenregelung, die mindestens drei weibliche Betriebsratsmitglieder vorschreibt.

Die Kandidatenliste ist ihm zufolge bunt gemixt. Man versuche, Vertreter aller Werksbereiche und aller Tätigkeitsfelder dabeizuhaben.

So viele Arbeitnehmer sind in der IG Metall

Die IG Metall hat in dem brandenburgischen Stahlunternehmen laut Dirk Vogeler „einen sehr hohen Organisationsgrad“. Etwa 90 Prozent der Arbeitnehmer sind nach Informationen dieser Nachrichtenplattform Gewerkschaftsmitglieder. Schon Auszubildenden wird nahegelegt, der IG Metall beizutreten. „Wir haben da eine sehr hohe Erwartungshaltung“, betont Vogeler. Verpflichtend sei es aber nicht, Gewerkschaftsmitglied zu werden.

Trotzdem scheint es so, dass die IG Metall so manchem hier in den Genen liegt. Es gibt teilweise mehrere Generationen einer Familie, die im Stahlunternehmen arbeiten. Eine Gewerkschaftsmitgliedschaft ist da fast selbstverständlich, wird nicht infrage gestellt.

Eine IG Metall-Mitgliedschaft bei ArcelorMittal Eisenhüttenstadt sei „nicht karriereschädlich“, liefert der Betriebsratsvorsitzende eine Begründung dafür. „Bei uns muss niemand, egal ob Führungskraft oder Auszubildender, Sorge haben, dass eine Gewerkschaftsmitgliedschaft irgendwelche Wege verbaut. Das gibt es ja durchaus in anderen Betrieben.“

Auf die Frage, ob er damit auch Tesla in Grünheide meine, sagt Vogeler: Er könne nicht für den Autobauer sprechen, „aber ja, das könnte da wahrscheinlicher sein“. Dass eine Gewerkschaftsmitgliedschaft möglicherweise eine Karriere verbaue, das passiere vor allem in Betrieben, in denen die Gewerkschaft nicht so stark vertreten ist. „Wir sind hier in Eisenhüttenstadt sehr stark organisiert. Das macht auch unsere Kampfkraft an vielen Stellen noch aus.“

IG Metall sieht sich als Kämpfer für Metaller

Der IG Metall haben es die Mitarbeiter des Stahlherstellers zu verdanken, dass es in den vergangenen Jahren stetig Tariferhöhungen und gute Arbeitszeitmodelle gegeben hat. „Bei ArcelorMittal Eisenhüttenstadt werden Kranke nicht gejagt. Wir sind zum Thema Gesundheitsförderung aktiv. Das beeinflusst die Krankenquote positiv“, so der Gewerkschafter Dirk Vogeler.

Aber die Gewerkschaft organisiert auch Protestaktionen, in denen klare politische Forderungen gestellt werden, unter anderem was die Transformation der Stahlindustrie angeht. Es geht also nicht nur um Arbeitskampf innerhalb des Unternehmens, sondern um kämpferisches Auftreten für eine ganze Branche.

Aufgrund des hohen Organisationsgrads bei ArcelorMittal Eisenhüttenstadt ist es erneut dabei geblieben, dass die IG Metall bei den Betriebsratswahlen die einzige Liste stellt. Dirk Vogeler sieht darin einen großen Vorteil. So können die Mitarbeiter Personen wählen und müssen sich nicht zwischen Listen entscheiden, auf denen dann letztlich der Listenplatz entscheidend gewesen wäre.

Dennoch gab es im Vorfeld der Betriebsratswahl keine hundertprozentige Sicherheit, dass es bei einer Liste bleiben würde. „Wenn jemand die Idee gehabt hätte, eine eigene Liste zu machen, hätten wir der Person angeboten, mit auf die IG-Metallliste zu kommen“, sagt Dirk Vogeler. Doch dazu sei es erst gar nicht gekommen.