ArcelorMittal Eisenhüttenstadt
: Schock – bisheriger Plan für grünen Stahl geplatzt

UPDATE 17.40 Uhr: ArcelorMittal wird die Pläne zur Dekarbonisierung der Werke in Bremen und Eisenhüttenstadt mit DRI-Anlagen und Elektrolichtbögen nicht weiterverfolgen. Ein Schock für die Branche.
Von
Janet Neiser
Eisenhüttenstadt
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Luftbild von Eisenhuettenstadt mit Blick auf die ArcelorMittal Eisenhuettenstadt GmbH

Die bisherigen Pläne für grünen Stahl in Eisenhüttenstadt und Bremen sind so nicht umsetzbar, teilt der Konzern ArcelorMittal mit. Für die Branche ist das ein Schock.

Bernd Geller
  • ArcelorMittal stoppt Pläne für DRI- und EAF-Anlagen in Bremen und Eisenhüttenstadt.
  • Grund: fehlende politische, energie- und marktbezogene Rahmenbedingungen.
  • Staatliche Förderung von 1,3 Mrd. Euro bleibt ungenutzt, Ziel bleibt CO₂-Reduktion.
  • Grüner Wasserstoff und Erdgas als Übergangslösung gelten als nicht tragfähig.
  • Fokus nun auf schrittweiser Dekarbonisierung mit Elektrolichtbogenöfen.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

„ArcelorMittal Europe gibt bekannt, dass es seine DRI- und EAF-Pläne zur Dekarbonisierung der Flachstahlwerke in Bremen und Eisenhüttenstadt leider nicht weiterverfolgen kann.“ Diese Aussage in einer Pressemitteilung erschüttert am 19. Juni 2025 die Stahlbranche in Deutschland. Als Grund werden die fehlenden Rahmenbedingungen genannt. Die Planungsunsicherheit mache es unmöglich, DRI-EAF-Pläne an den beiden deutschen Flachstahlstandorten weiterzuführen, heißt es.

ArcelorMittal Germany – dazu gehören die Flachstahlstandorte in Eisenhüttenstadt und Bremen – hat monatelang auf die positive finale Investitionsentscheidung des Konzerns für das Dekarbonisierungsprojekt namens „DRIBE2“ gehofft. Drei Elektrolichtbogenöfen (EAF) zur Stahlherstellung sollten nach bisherigen Plänen entstehen, zwei in Eisenhüttenstadt, einer in Bremen.

Zudem war eine wasserstoffbetriebene Direktreduktionsanlage (DRI-Anlage) in der Hansestadt geplant. Diese DRI-Anlage galt als Ersatz für die Hochöfen. Dort war die Produktion von Eisenschwamm angedacht, der dann für die Stahlherstellung mit Schrott gemischt wird. Das Werk in Eisenhüttenstadt sollte anfangs mit DRI aus Bremen beliefert werden. Der Staat hat eine Milliarden-Förderung zugesagt, mit Genehmigung der EU.

ArcelorMittal will an Dekarbonisierung festhalten

Die jetzige Absage an das kombinierte DRI-EAF-Projekt kommt nicht ganz überraschend. Der Konzern ArcelorMittal hatte bereits im November 2024 erklärt, dass er keine finalen Investitionsentscheidungen über den Bau neuer DRI-EAF-Anlagen in Europa treffen könne, da sich die politischen, energie- und marktbezogenen Rahmenbedingungen nicht in die erhoffte Richtung entwickelt hatten. Das Unternehmen hatte damals angekündigt, einen schrittweisen Ansatz zur Dekarbonisierung in Europa zu prüfen, beginnend mit dem Bau von Elektrolichtbogenöfen.

Da der Vertrag mit der Bundesregierung über die Förderung von 1,3 Milliarden Euro den Beginn der Bauarbeiten für das Projekt bis Juni 2025 vorsah, war ArcelorMittal verpflichtet, der Regierung offiziell mitzuteilen, dass es aufgrund der Marktsituation und der fehlenden Wirtschaftlichkeit einer CO₂-reduzierten Stahlproduktion die Investitionen nicht weiterführen kann, heißt es in der Mitteilung vom 19. Juni. Denn wenn der Konzern selbst nicht in die Kombi-Variante von DRI und EAF investieren wird, darf er auch nicht auf die genehmigten staatlichen Fördermittel zurückgreifen.

Dekarbonisierung bleibt Ziel von ArcelorMittal

Ist die Absage an die bisherigen Pläne auch eine Absage an die Dekarbonisierung? Nein. ArcelorMittal Germany teilt mit: „ArcelorMittal hält an dem Ziel fest, die CO₂-Bilanz seiner Anlagen weiter zu verbessern, auch wenn es – wie im April angekündigt – zunehmend unwahrscheinlicher wird, die CO₂-Reduktionsziele bis 2030 zu erreichen. Es wird immer deutlicher, dass die Energiewende in allen Bereichen langsamer als erwartet vorankommt. Dazu gehört auch, dass grüner Wasserstoff noch keine tragfähige Energiequelle ist und die DRI-Produktion auf Erdgasbasis als Übergangslösung nicht wettbewerbsfähig ist.“

Zudem stehe der europäische Stahlmarkt unter einem beispiellosen Druck aufgrund der schwachen Nachfrage und der hohen Importe.

Und jetzt? Mit der Absicht für eine schrittweise Dekarbonisierung in Europa werde ArcelorMittal sich in Bremen und Eisenhüttenstadt auf die Planung zum Bau von Elektrolichtbogenöfen konzentrieren, um vorbereitet zu sein, wenn die Produktion mit Elektrolichtbogenöfen dort wirtschaftlich sinnvoll ist.

Die ersten neuen Elektrolichtbogenöfen werden laut ArcelorMittal in Ländern gebaut, die eine wettbewerbsfähige und planbare Stromversorgung bieten können. Der nächste Elektrolichtbogenofen wird im französischen Dünkirchen errichtet.

Reaktionen aus Bremen und Brandenburg

Die geplante DRI-Anlage in Bremen, für die die Hansestadt extra Fördermittel bereitgestellt hatte, hingegen ist zunächst einmal vom Tisch. Der „Senat ist von ArcelorMittal enttäuscht und verärgert“, heißt es in einer Pressemitteilung der Hansestadt. Von einem schweren Rückschlag für den Industriestandort und für das Erreichen der Klimaziele ist die Rede. „Die Entscheidung stellt den Standort und seine Beschäftigten vor eine unsichere Zukunft.“

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke erklärte in einer ersten Stellungnahme: „Das Stahlwerk in Eisenhüttenstadt ist Herz und Rückgrat von Ostbrandenburg.“ Die Landesregierung unternehme alles, um mit den Beschäftigten, dem Bürgermeister, dem Unternehmen sowie allen Beteiligten die Arbeitsplätze im Stahlwerk zu schützen. „Der Industriestandort Deutschland und Europa darf nicht gefährdet werden.“

ArcelorMittal Europe selbst drängt jetzt auf eine schnellere Umsetzung des Aktionsplans für Stahl und Metalle. Folgende Probleme müssten unter anderen angegangen werden: die hohen Importe in den von schwacher Nachfrage gekennzeichneten europäischen Markt, die CO₂-Abgabe sowie der hohe Strompreis, denn Elektrolichtbogenöfen werden mit Strom und Erdgas betrieben.