ArcelorMittal Eisenhüttenstadt: Wichtige Botschaft von Mittal zum Finale im Jahr 2024

Roheisenabstich bei ArcelorMittal Eisenhüttenstadt. Das flüssige Gold wird es nach der Umstellung zu grünem Stahl so nicht mehr geben. Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg.
Bernd Geller- ArcelorMittal will bis 2050 CO₂-neutral werden, aber fehlende politische Unterstützung bremst.
- Bundeswirtschaftsminister Habeck übergibt 1,3 Mrd. Euro Förderbescheid für Dekarbonisierung.
- Europa muss entscheiden: Stahlproduktion vor Ort oder Import mit höherem CO₂-Fußabdruck.
- Hohe Investitionen und grüner Wasserstoff als Schlüssel für die grüne Stahlproduktion.
- ArcelorMittal feiert 40 Jahre Konverterstahlwerk und erste Erfolge mit Eisenschwamm.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
„Ich bin überzeugt, dass Europa eine wettbewerbsfähige und innovative Stahlindustrie erhalten kann. Aber es muss eine Entscheidung getroffen werden. Will es Eisen und Stahl auf dem Kontinent produzieren? Oder zieht es vor, diese zu importieren, was möglicherweise mit einem höheren CO2-Fußabdruck verbunden ist? Diese grundlegende Frage muss jetzt beantwortet werden.“ Diese brandneuen Worte stammen von Lakshmi Mittal, dem Aufsichtsratsvorsitzenden des weltgrößten Stahlkonzerns ArcelorMittal, und sind Anfang Dezember 2024 in der „Financial Times“ erschienen.
Dem Stahl-Mogul fehlt es nach eigenen Angaben am unterstützenden Umfeld, wobei er vor allem die Politik in Europa ins Visier nimmt. Das Fehlen eines solchen Umfelds habe dazu geführt, dass der Konzern jüngst bekannt gegeben hatte, „warum wir zum jetzigen Zeitpunkt keine endgültigen Investitionsentscheidungen für Projekte zum Ersatz von Hochöfen durch CO2-reduzierte Technologien treffen können“.
Zuvor hatte der Stahlkonzern bereits versichert, an der Dekarbonisierung und dem Ziel, bis 2050 CO2-neutral werden zu wollen, festzuhalten.
Mittal schlägt Alarm
Mittal möchte nach eigenen Angaben Alarm schlagen. Er findet, die europäische Stahlindustrie sei noch nie so herausgefordert gewesen, „gefangen zwischen den Kosten der Dekarbonisierung und den Folgen der schweren Überkapazitäten, insbesondere in China“, die zu erhöhten Importen geführt hätten.
Die Stahlproduktion in Europa ist ihm zufolge seit der Finanzkrise um fast ein Drittel zurückgegangen, die Zahl der Arbeitsplätze um ein Viertel. Die Nachfrage habe sich noch nicht auf das Niveau vor Covid-19 erholt. Dann sind da auch noch hohe Energiekosten. Das alles komme zu einer Zeit, in der die Stahlbranche endgültige Entscheidungen über milliardenschwere Dekarbonisierungsprojekte treffen und in Technologien wie grünen Wasserstoff investieren soll, die laut Mittal „heute wirtschaftlich nicht tragfähig“ seien.
Botschaft von Lakshmi Mittal
Was Lakshmi Mittal will? Die Verantwortlichen müssen sich mit Importen befassen und europäischen Stahl besser schützen. Stahleinfuhren aus Ländern, die den Klimaschutz umgehen, sollten vermieden werden.
Mittals Botschaft: „Europa sollte sich nicht von seinem industriellen Erbe abwenden und das zukünftige industrielle Wachstum anderen Regionen überlassen. Es gibt beträchtliche Investitionen in den grünen Wandel, die nur darauf warten, schnell aktiviert zu werden, sobald die erforderliche politische Klarheit erreicht ist. Wenn die richtigen Entscheidungen getroffen werden, kann Europa in den nächsten 50 Jahren an der Spitze der Technologie stehen. Lassen Sie diese Gelegenheit nicht verstreichen.“
In den ArcelorMittal-Werken in Eisenhüttenstadt und Bremen sind im Jahr 2024 viele Voraussetzungen für eine grüne Stahlproduktion geschaffen worden. Ende Mai kommt Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck zum ostbrandenburgischen Stahlhersteller und übergibt den nationalen Förderbescheid für das Transformationsprojekt an beiden Standorten. Das gemeinsame Dekarbonisierungsprojekt kostet etwa 2,5 Milliarden Euro. Der Staat gibt 1,3 Milliarden Euro dazu.

Mai 2024: Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck übergibt in Eisenhüttenstadt den Förderbescheid für die beiden Flachstahlstandorte von ArcelorMittal in Eisenhüttenstadt und Bremen.
Janet NeiserHabeck überbringt Milliarden-Bescheid
Zuvor hatte Brüssel endlich grünes Licht für die Förderung gegeben. Thomas Bünger, der neue CEO von ArcelorMittal Eisenhüttenstadt und Bremen, dazu: „Heute ist ein wichtiger Tag für unser Unternehmen und die Belegschaften in Bremen und Eisenhüttenstadt. Mit dem nationalen Förderbescheid haben wir einen Teil der Kosten gesichert, die wir für den Bau und Betrieb neuer Anlagen zur Dekarbonisierung brauchen. Mit den Finanzmitteln aus Bremen und vom Bund arbeiten wir hochmotiviert weiter daran, die nächsten Schritte für die Transformation zu gehen.“
Noch aber fehlt die endgültige Investitionsentscheidung des Konzerns für den Bau und Betrieb einer wasserstoffbetriebenen Direktreduktionsanlage (DRI-Anlage) in Bremen und drei Elektrolichtbogenöfen (zwei davon in Eisenhüttenstadt), die mit grünem Strom betrieben werden sollen. Entscheidend dürfte auch sein, ob es ausreichende Mengen von grünem Strom und Wasserstoff zu international wettbewerbsfähigen Preisen gibt.
„Wir wollen die Umstellung, wir haben keine Alternative“, betont Dirk Vogeler, der Betriebsratsvorsitzende von ArcelorMittal Eisenhüttenstadt im Sommer. Entweder gehe man dann kaputt an den steigenden Zertifikatspreisen im Emissionshandel oder aber, weil man nicht umgestellt habe.
Erfolgreiche Premiere bei ArcelorMittal
Aber es wird nicht nur gewartet: „Wir haben schon einen zweistelligen Millionenbetrag in die Vorbereitung investiert und investieren weiter“, so Bünger im August.
Zuvor hat ArcelorMittal Deutschland im Frühjahr 2024 erfolgreich einen ersten Testwaggon aus Hamburg mit dem Vorprodukt Eisenschwamm (auch bekannt als DRI - Direct Reduced Iron) für die Produktion der Zukunft im Werk in Eisenhüttenstadt entladen. Der Eisenschwamm wurde in speziell entwickelten Containern, sogenannten DryTainern des österreichischen Unternehmens Innofreight, transportiert.

Entladung des Eisenschwamms in Eisenhüttenstadt mit dem DryTainer von Innofreight.
Foto: Andreas Berger/InnocubeAber nicht nur dieser erfolgreiche Test auf der Schiene wird im März gefeiert. Vor 40 Jahren, am 7. März 1984, wurde nämlich der erste Stahl im neu erbauten Konverterstahlwerk (KSW) in Eisenhüttenstadt gegossen. Seitdem sind im KSW etwa 75 Millionen Tonnen Stahl produziert worden.
Was die Auslastung der Werke im Jahr 2024 betrifft, heißt es im Sommer aus der Geschäftsführung in Eisenhüttenstadt: „Was die Auslastung betrifft, sind wir gut unterwegs.“ Allerdings bewertet man die konjunkturellen Aussichten für Deutschland und Europa „tendenziell eher schlecht“. Die Stahlnachfrage in Deutschland entwickelt sich dieses Jahr deutlich schwächer als noch im April erwartet.
Und was gab es 2024 noch?
Und an was erinnert man sich 2024 noch? Für David Schulz, er ist Werkfeuerwehrmann bei ArcelorMittal Eisenhüttenstadt, geht im Mai ein Traum in Erfüllung. Er trägt in Frankreich die Olympische Fackel auf ihrem Weg nach Paris etwa 200 Meter weit. ArcelorMittal hat übrigens eigene Stars bei Olympia. Die Fackeln, mit denen das olympische Feuer ins Olympiastadion nach Paris getragen wurde, sind Made by ArcelorMittal – genau wie die Kessel, die während der Eröffnungsfeierlichkeiten entzündet wurden und die Olympischen Ringe am Eiffelturm.
ArcelorMittal Eisenhüttenstadt eröffnet im Juni mit der Stahl-Hütte ein neues Informationszentrum im Stadtzentrum von Eisenhüttenstadt. Im ehemaligen Auto-Pavillon, der jetzt „Stahl-Hütte“ heißt, geht es um Karrierechancen und auch die Dekarbonisierung beim Stahlproduzenten.
Den Literaturpreis der Stahlstiftung Eisenhüttenstadt erhält im November 2024 der Autor Steffen Kopetzky.
Das neue Jahrtausend bei ArcelorMittal Eisenhüttenstadt – ein historischer Adventskalender
Das neue Jahrtausend zählt 24 Jahre, genauso viele Türen hat ein Adventskalender. Aus diesem Grund öffnen wir bis 24. Dezember jeden Tag das Fenster in ein altes Jahr, und zwar mit Blick auf ArcelorMittal Eisenhüttenstadt.
Hier geht es zu den bereits erschienenen Beiträgen:
- 2001 – Die Stahlwelt wird durchgeruckelt und EKO ist mittendrin
- 2002 – Rassismus als Grund für Kündigung
- 2003 – Massiver Stellenabbau und ZUG geplant
- 2004 – Boom in der Stahlbranche und ein Brand
- 2005 – Lohnverzicht und Millionen für Schulden-Stadt
- 2006 – Milliardär fliegt ein nach Mega-Fusion
- 2007 – Warum 2007 für EKO-Stahl-Mitarbeiter ein Fest war
- 2008 – Erst Formel 1, dann großer Absturz
- 2009 – Mit Kurzarbeit und Fitness durch die Krise
- 2010 – Preisschock – Rohstoffe enorm teuer
- 2011 – Warum eine Glocke den Stahlwerk-Namen trägt
- 2012 – Auto der Zukunft mit neuer Stahl-Sorte
- 2013 – Erfolgreiches Stahl-Jahr und ein Trauerfall
- 2014 – Strompreis bedroht Industrie – Stahl-Chef warnt
- 2015 – Hund schützt Hochofen und zwei Inder rocken Hütte
- 2016 – Ohne Stahl ist alles doof – Groß-Demo in Brüssel
- 2017 – Rekord am Hochofen und eine Auszeichnung
- 2018 – Heißer Tag für Botschafter aus Ukraine
- 2019 – Das kleine Gent in einem Boot mit Bremen
- 2020 – Eine ganz neue Krise – Bahn sorgt 2020 für Good News
- 2021 – Scharfe Kontrollen am Tor und klare Ansage
- 2022 – Schwerer Unfall am Hochofen und große Sorgen
- 2023 – Millionen-Investitionen in LED und Wasserstoff
- 2024 – Wichtige Botschaft von Mittal zum Finale im Jahr 2024
















